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Zweifelhafte Arbeitsgruppe : Die Reform-Farce der Fifa

Ist Francois Carrard tatsächlich ein Mann für die Zukunft? Bild: AP

Der Fußball-Weltverband will mit einer Gruppe aus zweifelhaften Strippenziehern und unbescholtenen Zuarbeiten in eine neue Zeitrechnung starten. Ein Witz. Aus deutscher Sicht stellt sich die Frage, was eigentlich mit Wolfgang Niersbach ist?

          Normalerweise müssten die Topfunktionäre im Vorstand des Internationalen Fußball-Verbands (Fifa) in ihrer Situation jede Möglichkeit nutzen, sich als absolut lernfähiges, reformbereites und verantwortungsbewusstes Führungsgremium zu zeigen. Seit den Festnahmen einiger Kollegen aufgrund von Korruptionsvorwürfen hat die Krise der Organisation eine neue Dimension erreicht. Die Fifa steht unter besonderer Beobachtung der ermittelnden Justizbehörden in den Vereinigten Staaten.

          Die amerikanischen Staatsanwälte geben immer wieder Signale, dass sie wie im Fall der Schweizer Banken (Beihilfe zur Steuerhinterziehung) eine gnadenlose Aufarbeitung verfolgen wollen, was für den Weltverband noch unangenehmer und sehr teuer werden könnte. Es kommt deshalb nicht von ungefähr, dass am Dienstag in den Vereinigten Staaten einer der maßgebenden Ermittler die Fifa öffentlich warnte, dass „oberflächliche“ Veränderungen und der bloße Wechsel von Personal ohne echtes Engagement für eine neue Führungskultur nicht ausreichen würden.

          Wochenlanges Geschacher

          Die Fifa-Vorstände und ihre einflussreichen Helfer aus den Kontinentalverbänden haben in diesem Punkt schon versagt. Nicht nur, dass mit Michel Platini einer aus dem alten System der Seilschaften die neue Hoffnung nach Joseph Blatter sein soll. Wenig vertrauensbildend wirkt auch, wie die Bildung der Fifa-Arbeitsgruppe für Reformen zu einem wochenlangen Geschacher ausuferte. Die aus Verbandsgreisen, altgedienten Sportfunktionären, zweifelhaften Strippenziehern und einigen unbescholtenen Zuarbeitern zusammengesetzte Riege unter der Leitung des früheren Generalsekretärs des Internationalen Olympischen Komitees, François Carrard, soll also für den Aufbruch in eine neue Zeitrechnung stehen. Ein Witz.

          Ein Blick auf die Mitgliederliste löst unweigerlich Kopfschütteln aus: Scheich Ahmad al Fahad al Sabah, inzwischen einer der mächtigsten Sportfunktionäre und auch im Fifa-Vorstand vertreten, musste sich im März in seiner Heimat Kuweit via Staatsfernsehen beim Emir und dem Kronprinzen entschuldigen, weil er auf der Grundlage gefälschter Beweise politische Gegner beschuldigt hatte, einen Staatsstreich zu planen und Geldwäsche zu betreiben. Fußballfunktionär Constant Omari aus dem Kongo macht keinen Hehl aus seiner Ablehnung einer Amtszeitbegrenzung für Fifa-Offizielle.

          Der Ägypter Abu Rida war enger Vertrauter des inzwischen im Fußball lebenslang gesperrten Qatarers Mohamed Bin Hammam, und mit Gorka Villar sitzt der Sohn des spanischen Verbandspräsidenten und größten Fifa-Reformgegners aus Europa, Angel Maria Villar, in der Arbeitsgruppe. Es kann das Gefühl aufkommen, als wollten hier einige die Zeit wieder zurückdrehen. Wie werden die amerikanischen Staatsanwälte wohl darauf reagieren?

          Aus deutscher Sicht stellt sich die Frage, was eigentlich mit Wolfgang Niersbach ist. Vor einigen Wochen hatte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes als neues Mitglied des Fifa-Vorstandes laut Reformen gefordert. Nun ist der Vertreter des weltweit mitgliederstärksten Fußballverbandes nicht mal Mitglied der Task Force geworden. Der proklamierte Weg der Fifa zu neuen Ufern ist alles andere als glaubwürdig.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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