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Walther Tröger : Der letzte Olympier

  • -Aktualisiert am

Walther Tröger (1929-2020) Bild: dpa

Walther Tröger konnte oder wollte nie ein Machtpolitiker zum Wohle der eigenen Karriere sein. „Mr. Olympia“ überschätzte, was ihm heilig war: die Loyalität in seinen Kreisen. Das führte zu einer unglücklichen Entwicklung im deutschen Sport.

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          Walther Tröger sucht nach Namen aus der Geschichte des Sports. Ungeduldig – mit sich selbst, 90 Jahre hin oder her. Und dann ist er doch schneller als seine, wie er charmant vorgibt, „jugendlichen“ Zuhörer in ihren Fünfzigern. Schon skizziert Tröger im Bilanzgespräch seines Lebens für den Sport schnörkellos das Flecht- und Machtzentrum des Weltsports, den er über mehr als sechs Jahrzehnte begleitet, dem er vor allem gedient hatte, stolz.

          So sah er sich. Nicht als Sportführer mit Visionen, sondern als Verwalter einer kostbaren Tradition: Walther Tröger wollte Athleten über Generationen hinweg die besten Gelegenheiten bieten, ihr Talent zu entfalten und bis hinauf in den Olymp zu präsentieren. Obwohl oder weil er 1972 als Bürgermeister des Olympischen Dorfes in München den schrecklichen Überfall der palästinensischen Terroristen und die Tötung aller Geiseln aus nächster Nähe erleben musste.

          Tröger war vieles: der Jurist im Sport, der Ordnungspolitiker, in Deutschland wie im Internationalen Olympischen Komitee, der Chef de Mission vieler deutscher Olympiateams, der Mann, der immer dafür sorgen wollte, dass die Spiele weitergehen müssen, allen Skandalen zum Trotz. Nur eines konnte oder wollte „Mr. Olympia“ nie sein: ein Machtpolitiker zum Wohle der eigenen Karriere. Tröger überschätzte, was ihm heilig war: die Loyalität in seinen Kreisen.

          Als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK) auf dem Höhepunkt seines Einflusses, wehrte er sich gegen die Fusion mit dem Deutschen Sportbund (DSB), unterlag aber der Allianz seines Gegenspielers auf olympischer Ebene, Thomas Bach, mit dem damaligen DSB-Präsidenten Manfred von Richthofen. Der für Tröger äußerst schmerzhaften Abwahl als NOK-Chef folgte ein konturloser Nachfolger und Steigbügelhalter für Bach sowie vier Jahre später eine für den deutschen Sport unglückliche Entwicklung.

          Seit der Verschmelzung der beiden Organisationen zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist, nomen est omen, der Breitensport im Dachverband komplett in den Hintergrund geraten. Tröger hatte das vorausgesehen und über das Ende der eigenen Karriere bis zuletzt, inzwischen auch lautstark, beklagt. Weil er, einer der letzten klassischen Olympier wusste, wovon die olympische Bewegung lebt. Am Mittwoch ist er im Alter von 91 Jahren in Frankfurt gestorben.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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