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Zum Tod von Gian-Franco Kasper : Lenker des Skisports

Gian-Franco Kasper (1944-2021) Bild: AFP

Gian-Franco Kasper war einer dieser bestens vernetzten Funktionäre im internationalen Sport. Und er war keiner, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hielt, im Gegenteil. Nun starb er mit 77 Jahren.

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          Gian-Franco Kasper traf man bei allfälligen Konferenzen am sichersten vor der Tür an, eingenebelt in eine Rauchwolke. Oft frönte er seinem Nikotin-Laster zusammen mit seinem umstrittenen Landsmann René Fasel. Et voilà, die geballte Macht des olympischen Wintersports der vergangenen Jahrzehnte, die Schweizer Zampanos des Skisports und des Eishockeys. Da standen sie dann mit ironischem Lächeln, zogen an ihren Zigaretten und machten – gelegentlich auch ein wenig süffisante – Bemerkungen zum Weltsport.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          2021 wollten die beiden eigentlich nur Platz für ihre Nachfolger machen. Doch nun ist, nach 46 Jahren erst als Generalsekretär, seit 1998 als Präsident des Ski-Weltverbandes (FIS), Gian-Franco Kasper am Samstag mit 77 Jahren gestorben. Seinen letzten Kongress wollte er noch leiten und dort seinen Abschied nehmen. Wegen Atemproblemen konnte er allerdings an der virtuellen Veranstaltung nicht mehr teilnehmen. Ehrenpräsident des von ihm entwickelten Verbandes war er nur ein paar Wochen.

          Kasper, geboren in St. Moritz, war einer dieser bestens vernetzten Funktionäre im internationalen Sport, die clever dessen Vermarktung und Kommerzialisierung vorantrieben. Die Vergabe von Großereignissen an skisportlich noch nicht erschlossene Länder betrieb er ausdrücklich – auch und gerade die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, dessen Mitglied er 18 Jahre lang war, die Winterspiele 2022 in Peking auszutragen, mit den Skiwettbewerben in unerschlossenen und niederschlagsarmen Gebieten.

          Kasper stellte sich Hunderte von Millionen chinesische Konsumenten vor, die sich Skiausrüstungen kaufen würden, und schlug die Argumente der Traditionalisten in den Wind. Der Engadiner war keiner, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hielt, im Gegenteil, als gelernter Journalist liebte er das Zuspitzen. Seine These, dass es viel einfacher sei, Winterspiele in Diktaturen auszutragen, weil die „solche Veranstaltungen mit links durchführen“ und „nicht das Volk befragen müssen“, relativierte er allerdings später.

          Oft gelang es ihm jedoch, versöhnliche Ergänzungen nachzureichen. 2015 nannte er zum Beispiel den russischen Staatspräsidenten und großen Sport-Finanzier Putin einen „eiskalten Menschen“. Später fügte er hinzu: „Ich bin überzeugt, es braucht so jemanden, um ein riesiges Land wie Russland zu regieren. Das ist nicht negativ gemeint.“ Ein Meister auch des Verbal-Slaloms also, dessen schneller Witz nun verklungen ist.

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