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Gleichberechtigung im Sport : Frauen im Spiel

Frau am Ball: Nationaltorhüterin Almuth Schult Bild: dpa

Neun Frauen im Fußball wollen den DFB verändern. Sie stoßen auf ein Problem, das den ganzen Sport betrifft: Athletinnen sind unsichtbarer als Athleten.

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          Wenn Fußballspieler sich verletzen und ausfallen, weiß schnell jeder den Grund: Bänderrisse, muskuläre Verletzungen, Sprunggelenksverletzungen. Schon mal gelesen, dass eine Frau nicht spielen kann, weil sie ihre Tage hat? Wahrscheinlich eher nicht. Manche Leistungssportlerinnen nehmen die Pille über Monate durch, wenn ein Wettkampf ansteht, andere greifen zu Schmerzmitteln. Wieder andere verzichten auf Verhütung, um leistungsfähiger zu sein.

          In der öffentlichen Debatte sind diese Themen jedoch nicht präsent. Das steht stellvertretend für ein größeres Problem: Sportler und ihre Themen sind sichtbar, Sportlerinnen und ihre Themen sind häufig unsichtbar.

          Mehr Medienpräsenz

          Magazine und Zeitungen zeigen Athletinnen seltener, Journalisten und Journalistinnen führen weniger Interviews mit ihnen. Am Mittwoch hat die Athletenvertretung „Athleten Deutschland“ im Sportausschuss des Bundestags ihre Gleichstellungsziele vorgestellt. Eine zentrale Forderung: mehr Medienpräsenz von Frauensport.

          „Es muss sich etwas ändern, und zwar jetzt“, sagt die Fußballspielerin Almuth Schult. Bessere Bedingungen, gleiche Bezahlung, Vereinbarkeit von Familie und Spitzensport, nur einige der Forderungen von „Athleten Deutschland“. Aber wie können mehr weibliche Themen ins Zentrum der gesellschaftlichen Debatte rücken?

          Auf den wichtigen Positionen sitzen immer noch die Gleichen: Männer. Männer, die entscheiden, Männer, die sich bekämpfen. Männer, die ihr eigenes System erhalten. Männer im Deutschen Fußball-Bund (DFB), die, zum Beispiel, den Frauenfußball nach der WM 2011 vernachlässigt haben und damit ihre gesellschaftliche Verantwortung.

          Männliche Stereotype

          Am Mittwoch haben neun prominente Frauen aus dem Fußball acht Forderungen für die Zukunft des Fußballs gestellt, darunter eine Frauenquote in Führungspositionen von mindestens 30 Prozent. Seit Donnerstag ist der DFB zur Zusammenarbeit bereit. Und die ehemalige Torhüterin Katja Kraus ist bereit, Verantwortung im DFB zu übernehmen. Es bewegt sich etwas und es ist höchste Zeit. Denn immer noch ist der Fußball auf wie neben dem Platz von traditionell männlichen Stereotypen geprägt, von Härte und Kraftmeierei.

          Es ist Zeit, dass sich der Fußball öffnet, dass alle, die spielen, wahrgenommen werden. Dass ein Mädchen, das in der Straßenbahn zum Training fährt, genauso gesehen wird wie ein Junge. Und ihr Name genauso bekannt werden kann, wenn beide Jahre später in der Nationalmannschaft spielen.

          „Wir wollen mehr Frauen auf allen Ebenen, in allen Gremien und in Führungspositionen, damit wir mehr weibliche Perspektiven und Sichtbarkeit erreichen“, heißt es vom DFB. Wenn die neun Frauen und der DFB sich das erste Mal zusammensetzen, müssen sie ja nicht direkt über die Periode reden. Vielleicht ja beim zweiten Mal.

          Stefanie Sippel
          Sportredakteurin.

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