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Entzug der Eishockey-WM : „Ihr seid Verräter!“: Wütende Kritik aus Belarus

Der Puck rutscht bei der Eishockey-WM 2021 nicht in Belarus über das Eis. Bild: Imago

Nach dem Entzug der WM meldete sich Dmitrij Baskow deutlich zu Wort. Der Chef des Eishockey-Verbandes teilt gegen den Solidaritätsfonds belarussischer Athleten aus. Der Weltverband möchte Minsk derweil entschädigen.

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          Aus Belarus kam am Dienstag wütende Kritik am Entzug der Eishockey-Weltmeisterschaft. Allen voran meldete sich Dmitrij Baskow zu Wort; er führt den nationalen Eishockeyverband, war früher Trainer des Lieblingssohns von Diktator Aleksandr Lukaschenka und ist aufgrund von Video- und Telefonmitschnitten dringend verdächtig, im November zusammen mit einem Kickboxer den jungen Minsker Regimegegner Roman Bondarenko verprügelt zu haben, der tags darauf im Krankenhaus starb.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Jetzt keilte Baskow gegen den Solidaritätsfonds belarussischer Athleten aus, der die Opposition unterstützt und mit Blick auf das brutale Vorgehen gegen die Protestbewegung in Belarus den Entzug der WM gefordert hatte. „Heute feiert ihr den Sieg, dass ihr dem belarussischen Volk ein echtes Fest weggenommen habt“, äußerte Baskow. „Danach könnt ihr euch nicht mehr Belarussen nennen! Ihr seid Verräter! Ihr habt die Weltmeisterschaft vor allem Tausenden Kindern genommen, die Eishockey spielen.“

          Die 17 Tage der WM im Mai und Juni hätten Weltstars ins Land gebracht, „echte Idole von Millionen Jungs auf der ganzen Welt“, Tausende Fans und Hunderte Journalisten, die sich „von der unwahrscheinlichen Schönheit von Belarus, der Gastfreundschaft unseres Volkes und dem Sicherheitsniveau in unserem Land hätten überzeugen können“. Der Internationale Eishockey-Verband IIHF und die Sponsoren seien „Opfer politischer Spiele um Belarus“ geworden, klagte Baskow; diese Linie hatte Lukaschenka im Gespräch mit IIHF-Präsident René Fasel für den Fall des Entzugs ausgegeben.

          Seitens des IIHF hieß es, Minsk werde für den Entzug finanziell entschädigt. Das kann den politischen Verlust für Lukaschenka nicht ersetzen, dem die Sport-Normalität zupassgekommen wäre.

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