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Olympia-Kommentar : Friedensspiele in Korea?

Thomas Bach (links) mit Kim Jong Un in Pjöngjang im März. Bild: AP

Nord- und Südkorea überlegen, gemeinsam die Olympischen Spiele 2032 auszurichten. Ein solches Ereignis im totalitär regierten Nordkorea erscheint aus heutiger Sicht grotesk.

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          Um die Freude, die aus den Worten des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees klingt, richtig einordnen zu können, muss man wissen, was Thomas Bach in den vergangenen Tagen an Nachrichten zu hören bekam. Absagen, zum Beispiel aus Sapporo: Kein weiteres Interesse an den Winterspielen 2026 nach dem jüngsten Erdbeben, das Hokkaido Anfang September erschüttert hatte.

          Zum Beispiel aus Turin: Kein weiteres Interesse an den Winterspielen in acht Jahren, weil die Hauptstadt des Piemont keine Lust hat, hinter Mailand und der Lombardei die zweite Geige zu spielen. „Diese Bewerbung ist tot“, heißt es aus der Regierung von Ministerpräsident Conte, auch wenn sie in Mailand ausloten, wie eine Bewerbung gemeinsam mit Cortina d‘Ampezzo zu stemmen sein könnte. Die Aussichten: höchst ungewiss. Und in Calgary steht demnächst eine Bürgerbefragung an, deren Ausgang nicht zuletzt auch vom plötzlichen Einknicken der in Kanada ansässigen Welt-Anti-Doping-Agentur vor Russland beeinflusst werden könnte.

          Bach winkt eine sportpolitische Sensation

          Und nun das: Mögen die Winterspiele auch ein weiteres Mal nur mit großer Mühe weggehen – das türkische Erzurum bleibt im Rennen –, der Sommer lässt die Träume blühen: Beim Gipfeltreffen in Pjöngjang beschließen der Nordkoreaner Kim Jong-un und der Südkoreaner Moon Jae-in eine gemeinsame Olympiakandidatur für die Sommerspiele 2032. „Das IOC begrüßt die Absicht sehr“, zitiert dessen Presseabteilung Bach: „Nachdem wir die Türen für politische Gespräche mit dem gemeinsamen Einzug der koreanischen Teams bei den Winterspielen in Pyeongchang geöffnet haben, könnte der Sport ein weiteres Mal seinen Beitrag zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel und in der Welt leisten.“

          Wer Bach unterstellt, er strebe nach dem Friedensnobelpreis, wird durch diese Darstellung nicht gebremst. Tatsächlich hatte nicht das IOC die Türen für die Gespräche geöffnet, das waren schon Moon und Kim selbst. Vor wenigen Wochen erst hatte Bach in einem Fernsehinterview erzählt, wie knapp die Veranstaltung im vergangenen Winter an einer Absage vorbei geschrammt ist. Schnee von gestern, nun winkt Bach eine sportpolitische Sensation. „Wir wünschen uns aufrichtig, dass die politischen Gespräche den nötigen Fortschritt für eine erfolgreiche Bewerbung bringen.“

          Das totalitär regierte Nordkorea erscheint aus heutiger Sicht als geradezu absurd ungeeignet, die Olympiafeier auszurichten. Aber bis 2032 vergeht viel Zeit. Womöglich verbessert sich das Land bis dahin auf chinesisches Niveau. Dort sitzen nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zu eine Million Uiguren in politischen Umerziehungslagern, eine Tatsache, von der Juan Antonio Samaranch junior, der IOC-Verantwortliche für Pekings Winterspiele in gut drei Jahren, am Dienstag sagte, damit befasse sich das IOC nicht. Die Lage in Nordkorea wird der IOC-Friedensmission also nicht im Wege stehen. Kommt die Bewerbung zu Stande, ist der Favorit gefunden. Für deutsche Interessenten, die ihre Gedanken bislang um 2032 kreisen ließen, sind das schlechte Nachrichten. Und eine Bewerbung vier Jahre später wird gemieden angesichts des Grauens, der bis heute von den Spielen der Nazis in Berlin 1936 ausgeht. Seit 82 Jahren ist klar, wie sehr man Diktatoren und ihren „Friedensspielen“ trauen sollte.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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