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Skandal um WM 2006 : „Unzählige Gemeinheiten und Hinterfotzigkeiten“

  • -Aktualisiert am

Dokumente manipuliert? Die Vergangenheit holt den früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach ein. Bild: Reuters

Im Skandal um die Vergabe der Fußball-WM 2006 belasten Ermittler den ehemaligen DFB-Chef Niersbach mit neuen Vorwürfen. Und der heutige Generalsekretär Curtius stellt sich mit einer alten Mail bloß.

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          Das Verhalten des in den Skandal um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 verstrickten ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Wolfgang Niersbach und möglicher Helfer aus dem Verband wirft strafrechtliche Fragen auf. Ermittler prüfen nicht nur, ob das einstige DFB-Führungspersonal Steuern hinterzogen hat, sondern stehen auch vor der Frage, ob beweiserhebliche Daten unbrauchbar gemacht wurden. Offenbar sind im Sommer und Herbst 2015 rund um die „Sommermärchen“-Enthüllungen in größerem Umfang belastende Computerdateien, Dokumente, Archivunterlagen und Mails gezielt gelöscht, zerstört oder entwendet worden. Das ist dem Abschlussbericht der Frankfurter Steuerfahndung zu entnehmen, den die Frankfurter Allgemeine Zeitung einsehen konnte.

          Über drei Seiten wird unter Punkt 2.9.6. auf die „Vernichtung von Daten/Unterlagen“ eingegangen. So hätten Vernehmungen der Ermittler ergeben, dass die ehemalige Assistentin Niersbachs den ominösen Ordner mit dem Titel „WM 2006“ am 22. Juni 2015 aus dem DFB-Archiv mitgenommen haben soll. Wochen zuvor war aufgrund von internen Hinweisen aus Gesprächen mit Vertretern des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) Unruhe unter den seither verdächtigen WM-Organisatoren um Franz Beckenbauer, Fedor Radmann und Niersbach aufgekommen. Bis heute steht der ungeklärte Geldkreislauf von 6,7 Millionen Euro im Zentrum des Skandals. Am 16. Oktober 2015 veröffentlichte das Magazin „Der Spiegel“ seine Geschichte „Das zerstörte Sommermärchen“ zum Vorgehen der erfolgreichen deutschen WM-Bewerber. Anders als die Aussage der Niersbach-Assistentin gegenüber der damaligen Archivleiterin, dass die ausgeliehene Akte zwischenzeitlich zurückgebracht worden sei, sei die Ausleihkarte auch Ende Oktober 2015 noch im Fach plaziert gewesen. Der Ordner „WM 2006“, der im vom DFB bei der Kanzlei Freshfields in Auftrag gegebenen Bericht als „WM 2000“ tituliert wird, war im Rahmen der Hausdurchsuchung in der Frankfurter DFB-Zentrale von Ermittlern am 3. November 2015 nicht aufgefunden worden. Er ist bis heute verschwunden.

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