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Sportpolitik : Die Niersbach-Seilschaft hält auch nach dem Urteil

Gute Freunde: Wolfgang Niersbach und Heribert Bruchhagen bei einem Spiel der Frankfurter Eintracht im April Bild: Picture-Alliance

Gute Freunde kann niemand trennen: Wolfgang Niersbach findet nach seiner Ein-Jahres-Sperre durch die Fifa-Ethikkommission noch immer Unterstützung aus Kreisen der Fußballfunktionäre. Nur der Nachfolger als DFB-Präsident leistet Widerstand.

          Auf die alten Verbindungen ist im deutschen Fußball auch nach Dienstschluss noch Verlass. Kaum hatte die Ethikkommission des Internationalen Fußball-Verbands (Fifa) ihr Urteil über den früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach gesprochen, war der ehemalige Gymnasiallehrer und langjährige Fußballfunktionär Heribert Bruchhagen zur Stelle, um seinem alten Kollegen noch einmal ein Abschiedszeugnis auszustellen, das mit der sportrechtlichen und ethischen Wirklichkeit nicht viel zu tun hat - wohl aber mit einer Beziehungs- und Gefälligkeitskultur, die den deutschen Fußball noch immer prägt und ihn in die gewünschten Richtungen lenkt.

          Trotz der einjährigen Sperre durch die Fifa-Ethiker, die Niersbach „hart“ und Bruchhagen „wie ein Keulenschlag“ getroffen haben will, sprach der frühere Eintracht-Vorstandsvorsitzende mit Sitz im DFB-Vorstand von Niersbach noch immer als einem DFB-Präsidenten, wie man ihn sich wünsche. Und er hoffe, dass Niersbach, der in der Bundesliga den „totalen Respekt“ genossen habe, nach seiner Sperre wieder eine Rolle im deutschen Fußball spielen werde.

          Unverbrüchliche Treue

          Wer solche Freunde hat, braucht (langfristig) kein Urteil zu fürchten. Bruchhagens unverbrüchliche Treue über alle Täuschungen und Tricksereien des früheren DFB-Präsidenten hinweg ist nur letzter Beleg einer weitverbreiteten Haltung im DFB, die sich Kollegen stärker verpflichtet fühlt als der Solidarität mit den festgeschriebenen Verpflichtungen eines Verbandes.

          Als im vergangenen Jahr öffentlich geworden war, dass Niersbach glaubte, die im Kern immer noch ungeklärte 6,7-Millionen-Euro-Zahlung im Vorfeld des Sommermärchens irgendwie und nur intern aufarbeiten zu können, distanzierte sich kein hochrangiger DFB-Repräsentant von Niersbach. Oder forderte ihn gar zum Rücktritt auf. Und nachdem Niersbach schließlich als Präsident aufgegeben hatte, gab es wiederum niemanden, der ihm öffentlich gesagt hätte, dass er aus ethischen Gründen sein Mandat bei Fifa und Uefa aufgeben solle.

          Das hat die Ethikkommission des Weltverbandes nachgeholt, gegen deren Urteil Niersbach nun Berufung erwägt. Aus dem großen DFB-Klub der Jasager und Abnicker ist dagegen nun erstmals so etwas wie Widerstand zu vernehmen, wenn Niersbachs Nachfolger Reinhard Grindel sich mit dem Hinweis vernehmen lässt, der DFB wünsche sich schnell Rechtssicherheit. Mit anderen Worten: Niersbach soll das Urteil akzeptieren und seinen Platz räumen.

          Der Quereinsteiger aus der Politik - Grindel übernahm erst 2011 einen Posten im niedersächsischen Verband und stieg in diesem April zum DFB-Präsidenten auf - dürfte die vergangenen Monate und nicht zuletzt die Europameisterschaft genutzt haben, um sich auf dem internationalen Parkett schon mal für Niersbachs verbliebene Posten warmzulaufen. Automatisch fallen diese Sitze bei Uefa und Fifa nämlich nicht dem DFB zu. Grindel, so scheint es, hat die Zeit genutzt. Einen Gegenspieler von Format, der sich in den vergangenen Jahren entschieden gegen Blatter, Platini und das Niersbach-Netzwerk gestellt hätte und Grindel nun Konkurrenz machen könnte, ist im DFB ohnehin nicht zu entdecken.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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