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Fußball-WM 2022 in Qatar : Skandinavier fordern Taten statt Worte

Freund von Qatar, steht in der Kritik: Gianni Infantino. Bild: AFP

Dänen, Norweger und Schweden machen Druck auf Infantino, weil sie selbst Druck spüren. Die Fifa soll sich stärker für die Menschenrechte beim WM-Gastgeber Qatar einsetzen.

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          Gianni Infantino hat reichlich Post bekommen in den vergangenen Tagen. Als Fußball-Funktionäre und politische Machthaber zwischen Paris, London, Moskau und Doha Anfang der vorvergangenen Woche die Super-League-Klubs mit verblüffender Leichtigkeit niederhielten, hatte der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) tatsächlich behauptet, seine Organisation sei „auf den wahren Werten des Sports aufgebaut“.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Es muss wie ein Stichwort gewirkt haben. Die Schreiben, die bei Infantino eingingen, zunächst aus Stockholm, dann aus Kopenhagen, schließlich aus Oslo, fordern Taten statt Worte. Es geht den Präsidenten der Fußball-Verbände der drei skandinavischen Länder, um die Weltmeisterschaft 2022 in Qatar. Es geht um die Menschenrechtslage, die Skandinavier machen Druck, weil sie selbst Druck spüren. Norwegens Verband, die NFF, muss sich auf Antrag mehrerer Klubs mit der Frage eines WM-Boykotts auseinander setzen. Am 20. Juni wird auf einer Mitgliederversammlung abgestimmt.

          Auch in Dänemark fordern Fans Taten, etwa die des Brøndby IF in Kopenhagen, und auch die Fanabteilung des nationalen Verbandes, der Dansk Boldspil Union. Also schreibt auch die DBU-Führung an Infantino. „Während die Welt auf die Vorbereitungen der WM schaut“, heißt es, „fordern wir Sie zur richtigen Umsetzung der Menschen- und Arbeitsrechte auf, die entscheidend sind für die Fußballwelt und in Artikel Drei der Fifa-Statuten festgehalten werden. Wir müssen jetzt handeln, wenn Fußball das schöne Spiel bleiben soll.“ Aus Stockholm kommt der Wunsch nach einer gemeinsamen Sitzung.

          Und die NFF, der Verband des Landes, in dem die aktuelle Debatte mit dem Beginn der WM-Qualifikationsspiele durch Boykottforderungen verschiedener Profiklubs Fahrt aufgenommen hatte, verbreitert das Spielfeld der Debatte erheblich. Hatte sie sich zuvor vor allem um die Rechte der Arbeitsmigranten gedreht, fordern die Norweger von der Fifa eine Untersuchung zur Verschlechterung der Pressefreiheit, unter Verweis auf das Ranking von  „Reporter ohne Grenzen“. Zwar kletterte das Emirat im gerade veröffentlichten Bericht für das laufende Jahr gegenüber 2020 um einen Rang, von Platz 129 auf Platz 128. Im Laufe der WM-Vorbereitungen ist der Trend jedoch eindeutig negativ. Während die Weltmeisterschaft näher rückte, ging es deutlich abwärts: 2014 stand Qatar auf Platz 113.

          Auch auf diesem Feld wollen die Skandinavier konkrete Schritte sehen: „Norwegens Verband bittet die Fifa, eine Bewertung jener Maßnahmen einzuleiten, die unternommen wurden, um der internationalen Presse kritischen Journalismus in Qatar zu ermöglichen, vervollständigt mit einer Evaluation dieser Maßnahmen. Die internationale Fußball-Familie muss die Sicherheit aller Journalisten vor und während des Turniers garantieren und zu bleibenden Verbesserungen der Pressefreiheit in Qatar beitragen.“ Zudem sei der vielfache Rechtsbruch und die Einstellung, die darin zum Ausdruck komme, gegenüber Frauen in Qatar, insbesondere gegenüber Arbeitsmigrantinnen, die in Hotels oder als Hausangestellte arbeiten, „nicht zu akzeptieren“.

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