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Fußball-WM in Russland : Tod und Ausbeutung in russischen WM-Stadien

Die Fifa hat es versäumt, dafür zu sorgen, dass sich Missbrauch und Ausbeutung auf Baustellen für Weltmeisterschaft und Confed Cup nicht wiederholen. Bild: EPA

Die Berichte über „Sklavenarbeit“ in russischen WM-Stadien haben sich in wesentlichen Teilen bestätigt. Eine Gewerkschaft stellt weitere Verstöße fest.

          3 Min.

          Der Internationale Fußball-Verband (Fifa) und die russischen Organisatoren der Weltmeisterschaft 2018 sind seit Monaten darüber informiert, dass am Stadionbau in Sankt Petersburg auch nordkoreanische Arbeiter unter Bedingungen mitgewirkt haben, die von internationalen Organisationen als moderne Form der Sklaverei bezeichnet werden. Bauarbeiter auf der Stadionbaustelle wurden zudem in ähnlicher Weise ausgebeutet, wie es schon beim Bau der Olympischen Wettkampfstätten für die Spiele von Sotschi 2014 der Fall war – unter Erweiterung des Einsatzes nordkoreanischer Arbeiter, die hinter Stacheldraht gehalten werden und die ihrem wegen seines Atomwaffenprogramms international geächteten Land Devisen bringen sollen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Trotz des warnenden Beispiels Sotschi – das Internationale Olympische Komitee hatte nach anhaltenden Berichten über die Missstände schließlich dafür gesorgt, dass mehr als 6000 Arbeiter Lohn erhielten, gleichwohl gaben auch Monate nach Ende der Spiele noch Arbeiter an, auf Lohn zu warten – und trotz eines mit den örtlichen Organisatoren abgehaltenen Workshops zu dem Thema hat es die Fifa offenkundig versäumt, dafür zu sorgen, dass sich Missbrauch und Ausbeutung auf Baustellen für Weltmeisterschaft und Confed Cup nicht wiederholen.

          Das neue Stadion in St. Petersburg: Anfang März wurde schon groß gefeiert. Im Juni soll der Confed-Cup beginnen.
          Das neue Stadion in St. Petersburg: Anfang März wurde schon groß gefeiert. Im Juni soll der Confed-Cup beginnen. : Bild: AP

          Auf Anfrage dieser Zeitung teilte die Internationale Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter BWI mit, man habe die Baustelle des Stadions in Sankt Petersburg zweimal inspiziert, einmal im November 2016, ein weiteres Mal im Februar dieses Jahres, und zwar gemeinsam mit der Fifa. Dabei sei festgestellt worden, dass Gesundheits- und Sicherheitsstandards von den meisten beschäftigten Subunternehmern „anhaltend und ernsthaft“ unterlaufen werden, sagt Ambet Yuson, der Generalsekretär der BWI. Unter den festgestellten Mängeln: fehlendes Sicherheits-Equipment, ungesicherte Baugerüste, fehlender Schutz der Lungen und Atemwege. Arbeiter haben sich über Ausbeutung beschwert, Löhne wurden regelmäßig nicht oder zu spät gezahlt, es ist die in Russland alltägliche, seit Jahren geübte Ausbeutung von Arbeitermigranten aus den zentralasiatischen Republiken, die sich auch auf den WM-Baustellen abspielt. Anstellungsverträge haben die wenigsten.

          Die Behausungen der Arbeiter waren ärmlich: kein Wasser, keine Heizung und keine sanitären Anlagen im russischen Winter. „Unsere größte Sorge ist allerdings die große Zahl an Todesfällen“, sagt Yuson. Es habe auf den WM-Baustellen wenigstens zwölf bis 15 Tote gegeben, davon fünf in Sankt Petersburg. Yuson ist eines von acht Mitgliedern des Menschenrechtsbeirats der Fifa. In dem Gremium sitzen auch Lene Wendland, Mitarbeiterin des Hochkommissariats für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen, Sylvia Schenk von Transparency International Deutschland, Theo van Seggelen von der Spieler-Gewerkschaft FifPro und Vertreter der Fifa-Sponsoren Coca-Cola und Adidas.

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