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Winterspiele 2022 in Peking : Olympia, eiskalt serviert

Bald wieder Ort der Eröffnung olympischer Spiele: das Pekinger „Vogelnest“ Bild: Reuters

Binnen 14 Jahren wird Peking zum zweiten Mal Gastgeber von Olympischen Spielen. Das ist schlimm. In den wesentlichen Punkten zivilisierter Gesellschaften hat sich China keinen Deut verbessert.

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          Auf Peking 2008 folgt Peking 2022. Binnen 14 Jahren wird Chinas Hauptstadt zum zweiten Mal Olympiagastgeber. Auf die Sommerspiele vor sieben Jahren folgen die Winterspiele in sieben Jahren. Das ist schon deshalb schlimm, weil das größte Wintersportfest der Welt damit zum zweiten Mal binnen drei Olympiaden in einer Autokratie ausgetragen wird und Chinas diktatorische Einparteienherrschaft in ihrem Großmachtstreben ein weiteres Mal auf sportpolitischem Feld bestätigt wird.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          China ist – wie das Russland Wladimir Putins – eine Weltmacht im Sport. Wie ließe sich das besser demonstrieren als mit der Ausrichtung von Winterspielen in der Megalopolis Peking und der Austragung von alpinen Wettbewerben in der Provinz Zhangjiakou? Die hügelige Gegend eignet sich dafür in etwa so gut wie der Harz – mit dem Unterschied, dass das deutsche Mittelgebirge deutlich schneesicherer ist. Dafür ist es in China kälter, so dass sich die Begehrlichkeiten der Wintersportindustrie, die ein wesentlicher Faktor der Entscheidung für Peking sind, mit dem großzügigen Einsatz von Kunstschnee erfüllen lassen.

          Menschenrechte, Tibetfrage, Pressefreiheit

          Das Internationale Olympische Komitee bedient den riesigen chinesischen Markt – und holt sich wieder jahrelange Diskussionen um die sich um keinen Deut verbessernde Menschenrechtslage, um die Tibetfrage, um Pressefreiheit und Hinrichtungen ins Haus. Diese Diskussionen werden geführt werden, müssen geführt werden, es gibt keinen Weg um sie herum, immer wieder, natürlich auch mit dem IOC. Gerade weil die Herren Olympias Chinas Machthabern mit der Vergabe einen weiteren Herzenswunsch erfüllt haben.

          Winterspiele 2022 : Peking macht das Rennen um Olympia

          Bei dieser Diskussion sollte nicht vergessen werden, dass die Deutschen im Allgemeinen und die Oberbayern im Speziellen die Chance auf bessere Spiele gehabt hätten – sie wollten sie nicht, lehnten die Bewerbung Münchens im Herbst 2013 in einer Bürgerbefragung rundweg ab. Mit einigen guten Gründen; das Nein entstand unter dem Eindruck des Gigantismus Putins bei dessen Winterspielen in Sotschi und der Diskussion um die Fußball-WM 2022 in Qatar.

          Aber die Frage, wie moderne Olympische Spiele besser funktionieren können, was uns die olympischen Ideale bedeuten, kommt wieder, schon bald: Wenn die Hamburger Bürger zur Bewerbung für die Sommerspiele 2024 befragt werden. Es lohnt sich, diese Frage zu diskutieren, intensiv und kontrovers, und eine zeitgemäße Antwort zu finden. Die darf, soll, muss das IOC vor eine Herausforderung stellen, gerade weil die Deutungshoheit über die Interpretation Olympias eben nicht allein den Funktionärsrunden überlassen bleiben kann. Aber die Antwort sollte nicht vergessen, dass diese Ideale unsere Gesellschaft bereichern – wenn wir sie in Deutschland ganz anders interpretieren als Pekings Machthaber.

          Bild: dpa

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