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DOSB-Vollversammlung : 100 Prozent Hörmann

„Das Amt muss zum Menschen kommen“: Alfons Hörmann. Bild: Reuters

Alfons Hörmann, der Präsident des DOSB, sucht und liebt die Einstimmigkeit. Seine Wiederwahl bei der Versammlung am Samstag gilt als sicher. Seine Nervosität aber ist nicht unbegründet.

          Der Präsident wirkt nervös. Dabei scheint er doch sicher im Sattel zu sitzen. An diesem Samstag will Alfons Hörmann für die nächsten fünf Jahre an die Spitze des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gewählt werden. Die Organisationen des deutschen Sports, in Düsseldorf zur Vollversammlung zusammengekommen, haben sich mehrheitlich hinter dem Unternehmer aus Bayern versammelt. Bis Freitag bot sich ihnen jedenfalls keine andere Wahl. Er freue sich auf den „Austausch im Kreise der Sportfamilie“, behauptete Hörmann am Donnerstagabend – und zeigte sich so angespannt wie gereizt, als er von Sicherheit und Gelassenheit sprach. Warum diese Diskrepanz?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Gefragt nach seinem größten Erfolg und seinem größter Fehler in den ersten fünf Jahren seiner Amtszeit, verweigerte Hörmann auf seiner ersten Pressekonferenz in Düsseldorf die Antwort. Man solle seine Rede abwarten, forderte er die Journalisten auf. Ähnlich schmallippig, geradezu schnippisch, reagierte er auf die Frage nach seiner Gefühlslage vor der Wiederwahl: „Gut. Sonst würde ich sie nicht umsetzen.“ Ob zutreffe, dass er den Fachverbänden angekündigt habe, dass er, sollte ein anderer antreten, seine Kandidatur zurückziehen werde? „So habe ich es nicht gesagt, und damit ist wieder einmal...“, hob Hörmann an und fasste zusammen: „Nein.“ Auch nicht sinngemäß? „Nein.“ Wie er denn damit umgehen werde, sollte sich am Samstag noch ein Gegenkandidat melden? „Das entscheide ich am Samstag.“

          In einem Zeitungsinterview war Hörmann deutlicher geworden: „Das Amt muss zum Menschen kommen und nicht der Mensch zum Amt“, erwiderte er in der „Welt“ auf die Frage, warum er auf eine Exklusiv-Kandidatur Wert lege. Wenn man um dieses Ehrenamt ringen müsse und nicht die weit überwiegende Mehrheit hinter sich wisse, sei dies nicht die richtige Voraussetzung, den DOSB zu führen. Nimmt man ihn beim Wort, könnte er am Samstag noch zurückziehen. Angesprochen auf Fehler seiner ersten Amtszeit, gab es einen typischen Hörmann. Das Scheitern der Olympiabewerbung Hamburgs um die Sommerspiele 2026 schon in der Abstimmung der Stadtbevölkerung 2015 erklärte er mit den Terror-Anschlägen von Paris, der Terror-Drohung von Hannover und der ungeklärten Finanzierung – einem Vorwurf, der auf den Bund und die Kanzlerin zielt. Also kein Fehler Hörmanns.

          Der DOSB-Chef hält sich zugute, die Spitzensportförderung des Bundes in neue Höhen getrieben zu haben. Vor fünf Jahren habe es eine kontroverse Diskussion über einen zusätzlichen Bedarf des Sports von 38 Millionen Euro gegeben, einen Aufschrei der Politik – und nicht mehr Geld. Von 2017 bis zum Etat 2019 habe es ein Plus von mehr als hundert Millionen Euro gegeben, einen Spitzensportetat allein des Bundesinnenministeriums von 235 Millionen Euro.

          Das hat Hörmann vor allem seinem Parteifreund Horst Seehofer an der Spitze des Ministeriums zu verdanken, und dies gibt ihm die Macht im Sport. Wer gegen ihn votiert, wer gar gegen ihn kandidiert, so die Befürchtung in Verbänden, könnte abgestraft werden. Belege für solche Sanktionen gibt es zwar nicht. Verbandschefs wiesen am Freitag hinter vorgehaltener Hand im Tagungskomplex der Düsseldorfer Arena aber auf einen subtilen Weg hin. Der DOSB sei unter anderem als Gutachter gefragt, wenn Verbände Zuschüsse für Baumaßnahmen beantragten.

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