https://www.faz.net/-gtl-82kzd

IAAF-Präsident Lamine Diack : Wie ein Mann den Ruf der Leichtathletik ruiniert

Der Präsident und der Star: Lamine Diack (rechts) mit Usain Bolt Bild: Picture-Alliance

Die Leichtathletik hat so manches Problem. Da helfen die Eskapaden des Präsidenten des Weltverbandes, Lamine Diack, nicht unbedingt weiter. Es geht um Korruptionsvorwürfe, Vertuschung – und die kuriose Vergabe der WM 2021.

          In der Leichtathletik macht ein Scherz die Runde: Gut möglich, dass Lamine Diack mit seiner schwungvollen Loyalität zu Thomas Bach den Dreisprung gerettet hat. Man muss wissen, dass zu den Reformen der Olympischen Spiele, die Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) betreibt, die Straffung des Programms gehört; angebliche Langeweile-Disziplinen, so gelten der 10.000-Meter-Lauf und eben Dreisprung als Streichkandidaten.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Als nun Marius Vizer, Präsident des ambitionierten Tagungsmarathons Sportaccord, das IOC attackierte, traten Diack und der von ihm geführte Welt-Leichtathletikverband (IAAF) aus der Organisation aus. „Ich opfere meine Familie für den Sport“, kommentierte Vizer bitter, „Diack ist in meinen Augen eine Person, die den Sport für seine Familie opfert.“

          Dies nun ist kein Scherz. Vizer spielt auf Korruptionsvorwürfe gegen den Sohn des Leichtathletik-Präsidenten an, Papa Massata Diack. Bis im Dezember Indizien auftauchten, dass dieser in die Vertuschung von positiven Doping-Proben aus Russland verwickelt ist, vermarktete Diack junior den Verband, den sein Vater führt. Das versetzte ihn in die Lage, Provision einzustreichen für die vermeintliche Akquise von Leistungen, die gar nicht gewonnen werden mussten, sondern als Bonus für die Vergabe der Weltmeisterschaft kamen.

          Darüber hinaus wird unwidersprochen berichtet und im Fall Doha mit einem Brief belegt, dass Diack junior auch das Votum seines Vaters zum Kauf anbot. Preis: vier bis fünf Millionen Dollar. Qatar bekam, zwei Jahre nach dem Angebot des Sohnes, den Zuschlag für die WM 2019. Entscheidend war, dass Diack senior bei der Abstimmung ein Angebot des Emirs über 37 Millionen Dollar Sponsorgeld aus dem Ärmel zog.

          Eine Mentalität des Wer-bietet-mehr

          Wegen der Hitze am Golf wird die WM 2019 erstmals im Oktober stattfinden; eine kostspielige Verschiebung, gerät sie damit in die Fußball-Saison und verliert an Wert auf dem Fernsehmarkt. Vor gut einer Woche dann vergaben Diack und die Seinen aus heiterem Himmel die nächste WM: Die Entscheidung für Eugene, Oregon, 2021 sei eine strategische zugunsten des amerikanischen Marktes, tönte Diack, und diejenigen, die den Bewerber noch fünf Monate zuvor abblitzen ließen, stimmten nun zu, als es gar keine Bewerbung gab: 23 von 25 Mitgliedern des Councils.

          Erst drei Tage zuvor hatte Diack das Thema auf die Tagesordnung setzen lassen. Der Verdacht liegt nahe, dass an der Geheimoperation auch das Unternehmen beteiligt war, das in Eugene seine Heimat hat: Nike, der größte Sportschuhhersteller der Welt. Offiziell ist Adidas Partner der IAAF. Bei dieser Mentalität des Wer-bietet-mehr wäre es kein Wunder, wenn etwa in Senegal, der Heimat der Diacks, Verbände und Klubs bald das ein oder andere Sponsormilliönchen aus Amerika einnähmen.

          Leichtathletik-WM nur im Internetkanal?

          Der italienische Bewerbungsfachmann Luciano Barra empfiehlt im amerikanischen Fachmagazin „Track & Field“, der verhinderte Bewerber Göteborg und der schwedische Verband, die ihre Bewerbung für 2021 der IAAF angekündigt hatten, sollten beim Sportgerichtshof in Lausanne klagen, den Verband zur Rücknahme seiner Entscheidung pro Eugene zwingen - und sich dann nicht bewerben: „eine wohlverdiente Kränkung für die IAAF“.

          Die Behauptung von Diack, der Fernsehsender NBC habe Liveberichterstattung zugesagt, bestreitet Barra; die Leichtathletik werde wohl eher im Internetkanal Universal Sport verschwinden. Mag sein, dass Diack vier Monate vor seinem Rücktritt den Dreisprung gerettet hat. Sein Erbe allerdings wird der ruinierte Ruf der Leichtathletik sein.

          Weitere Themen

          Adler Mannheim verspielen Einzug ins Halbfinale

          Eishockey : Adler Mannheim verspielen Einzug ins Halbfinale

          Im Spiel um das Halbfinale in der Deutschen Eishockey Liga unterliegen die Adler Mannheim den Nürnberg Ice Tigers – aber nicht ohne es vorher in die Verlängerung zu schaffen. Eine Zusammenfassung der DEL-Spiele.

          Topmeldungen

          Amerikas Präsident Donald Trump könnte nun Grund zur Zuversicht haben.

          Ermittlungen abgeschlossen : Entlastet Mueller Trumps Team?

          Der Sonderermittler Robert Mueller hat seinen Abschlussbericht vorgelegt. Dass es keine weiteren Anklagen in der Russland-Affäre gibt, ist eine gute Nachricht für Donald Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.