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Boxen kämpft um Olympia : „Sie sind verdammte Betrüger“

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Die Ringe bleiben: Der Ire Michael Conlan (rechts), 2016 in Rio verschaukelt, behauptet sich 2019 in New York gegen den Mexikaner Ruben Garcia Hernandez. Bild: AP

Das Internationale Olympische Komitee will zum Verbandssumpf im Amateur-Boxen Stellung nehmen. Eines steht fest: Der in Ungnade gefallene Aiba-Präsident legt sich nicht freiwillig auf die Bretter. Dabei geht es um viel.

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          Diese Woche gleicht Olympia einer Drehtür. Die zentrale Frage der Exekutiv-Sitzungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne lautet: Wer ist drin, wer ist draußen? Von großer Tragweite wird dabei die Entscheidung über den Status des Box-Weltverbandes Aiba sein, der mehr als in Ungnade gefallen ist und sich vor den Olympiern immer noch nicht freiwillig auf die Bretter legen will. An diesem Donnerstag wird die Exekutive unter Vorsitz von Präsident Thomas Bach den Zwischenbericht der im Dezember beauftragen Ad-hoc-Kommission des IOC über den traditionsreichen Verbands-Sumpf des Boxsports hören.

          Unter Führung von Ringerpräsident Nenad Lalovic sollen Geschäftsgebaren, Governance und die Frage geprüft werden, ob der Weltverband die richtigen Konsequenzen aus Manipulationen beim olympischen Boxturnier in Rio de Janeiro 2016 gezogen hat. Unvergessen ist dabei der Wutausbruch des Iren Michael Conlan, der augenscheinlich seinem russischen Gegner überlegen und trotzdem zum Verlierer erklärt worden war: „Sie sind verdammte Betrüger. Das Amateurboxen stinkt von der Basis bis zur Spitze!“ Später suspendierte die Aiba das Kampfgericht von Rio.

          Während der Versuche eines Erneuerungsprozesses trennte sich die Aiba von ihrem Präsidenten Wu Ching-Kuo aus Taiwan, einem verdienten IOC-Mitglied. Ihm wurde millionenschwere Misswirtschaft vorgeworfen. Trotz allem behielt Wu seine IOC-Mitgliedschaft. Sein Nachfolger wurde bei einer umstrittenen Wahl der Usbeke Gafur Rachimow, der bis heute auf seine Getreuen im Weltverband erstaunlich zuverlässig zählen kann – auch auf den deutschen Boxpräsidenten Jürgen Kyas – obwohl Thomas Bach sehr deutlich machte, dass dieser Präsident dem IOC nicht genehm ist.

          Ein Krimineller an der Spitze?

          Rachimow wird von der amerikanischen Finanzbehörde seit langem als einer der führenden Kriminellen seines Landes bezeichnet. Der Mann aus Taschkent bestreitet alle Vorwürfe und hat immer wieder erklärt, sie seien fingiert und politisch motiviert. Am vergangenen Wochenende, also kurz vor den IOC-Sitzungen, kündigte Rachimow seinen Rückzug an – allerdings wenig überzeugend. In einer Presseerklärung vom Montag drückte die Aiba-Exekutive ihr Bedauern darüber aus und dazu ihre „große Wertschätzung für Präsident Rachimow, sein Engagement für den Boxsport und seine Bemühungen, der Organisation während seiner Amtszeit zur Umkehr zu verhelfen“.

          Im Dezember hatte das IOC angekündigt, das olympische Boxturnier in Tokio 2020 auch ohne die Aiba zu organisieren. Die Olympiaqualifikation wurde ausgesetzt, Gelder wurden eingefroren. Die Stellungnahme der IOC-Exekutive an diesem Donnerstag wird also mit Spannung erwartet. Einen endgültigen Knockout kann dieses Gremium den Boxern allerdings nicht versetzen. Dazu wäre das Votum der Vollversammlung nötig, die im Juni in Lausanne zusammentritt.

          Eine weitere Sportart mit miserablem Ruf aber vielen Teilnehmer-Nationen bleibt höchstwahrscheinlich im Programm: Das Gewichtheben, das durch Doping-Fälle in den vergangenen Jahren bis zur Lächerlichkeit entstellt wurde – gleichzeitig aber seinen Langzeit-Präsidenten Tamas Ajan, IOC-Ehrenmitglied, nicht verlor. Der Ungar, seit 2000 im Amt, vorher 25 Jahre lang Generalsekretär, darf sich jetzt als erfolgreicher Neuerer fühlen: Die IOC-Exekutive beschloss, diesem Sport, vorbehaltlich weiteren Wohlverhaltens, auch bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris Platz zu lassen. Der Status einer bedingten Aufnahme wurde aufgehoben. Für Tokio 2020 waren den Hebern allerdings bereits ein knappes Viertel der Startplätze entzogen worden. Die IOC-Exekutive begrüßte das neue Qualifikationssystem, nach dem Nationen mit vielen positiven Doping-Fällen mit der Verringerung der Teilnehmerquote bestraft werden. Erwähnt wurde auch die Tatsache, dass Thailand sich wegen zu vieler Dopingverstöße von Olympia 2020 und der WM in diesem Jahr selbst ausschloss. Und das, obwohl es die WM ausrichtet.

          Raus ist der Japaner Tsunekazu Takeda, der bereits am Dienstag vergangener Woche seinen Rücktritt als Präsident des Japanischen Olympischen Komitees und als IOC-Mitglied für Juni bekannt gegeben hat. Die IOC-Exekutive hatte es eiliger und nahm den Rücktritt seines 71 Jahre alten Vorsitzenden der Marketing-Kommission bereits jetzt an. Takeda wird von der französischen Justiz des Stimmenkaufs angeklagt. Er autorisierte als Vorsitzender der Bewerbung Tokios für Olympia 2020 Zahlungen von insgesamt zwei Millionen Dollar an den Strippenzieher Papa Massata Diack aus Senegal. Takeda bestreitet, von Korruption etwas gewusst zu haben. Mit Takedas Ausscheiden erspart sich ein das IOC ein womöglich peinliches Verfahren seiner Ethik-Kommission. In Japan wird berichtet, das IOC habe Druck auf Takeda ausgeübt, der einen Rücktritt eigentlich habe vermeiden wollen, weil er befürchtet habe, dies sähe wie ein Schuldeingeständnis aus. Harte Zeiten für einen Urenkel des einstigen Kaisers Meiji.

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