https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/werbeverbot-fuer-krankenkassen-im-sport-verhindert-17197816.html

Werbeverbot für Krankenkassen : Spahn gestoppt: Kassensturz verhindert

Im Fokus: Gesundheitsminister Jens Spahn Bild: dpa

Die gesetzlichen Krankenkassen sind ein großer Geldgeber des Sports in Deutschland. Das Gesundheitsministerium wollte ihnen nun Trikot-Sponsoring und Bandenwerbung untersagen. Das stieß auf Widerstand – erfolgreich.

          2 Min.

          Das Verbot von Trikot-Sponsoring und Bandenwerbung gesetzlicher Krankenkassen im Spitzen- und Profisport wird vorerst nicht kommen. Der Referentenentwurf einer Verordnung zur Zulässigkeit von Werbemaßnahmen der Krankenkassen aus dem Bundesgesundheitsministerium, die einen entsprechenden Paragraphen enthielt und die im April in Kraft treten sollte, sei vollständig angehalten, sagt der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, der Abgeordnete Mahmut Özdemir aus Duisburg. „Wir haben gestoppt, dass Gesundheitsminister Jens Spahn dem Sport Millionen entzieht“, sagte er am Sonntag: „Das Vorhaben war eine Kampfansage an den Sport. Der Plan war bar jeder Vernunft und jeder Zweckmäßigkeit.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Das Geld der Krankenkassen sei gut angelegt in einem guten Sportangebot; dies komme den Versicherten und den Kassen zugute. Darüber hinaus werde verhindert, dass dem Sportsystem ein wesentlicher Pfeiler genommen werde. Vereine seien durch die Pandemie und den damit verbundenen Mitgliederrückgang ohnehin in einer ernsten Situation; nun werde verhindert, dass sie weiteren Schaden nähmen.

          Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), bestätigte, dass das Verbot gestoppt ist. „Ich freue mich, dass es sachliche und klärende Gespräche gegeben hat“, sagte er. Im Stellungnahmeverfahren wurde auch Mark Schober gehört, der Vorstandsvorsitzende des DHB. Das Gesundheitsministerium teilte mit, Stellungnahmen zu prüfen und das Verfahren nicht weiter zu kommentieren.

          Es geht um 15 Millionen Euro

          Bis zu 15 Millionen Euro fließen nach Schätzung des Forschungs- und Beratungsunternehmens Nielsen Sports von den rund hundert gesetzlichen Krankenkassen in den deutschen Profi- und Breitensport. Anlass zu Diskussionen gab zuletzt der Auftritt der Handball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Ägypten mit dem Logo der AOK auf dem Trikot.

          Nicht allein der Werbewert werde mit den etwa 1,2 Millionen Euro honoriert, welche die Krankenkasse dem DHB zahlten, argumentiert der Verband. „Dies betrifft nicht nur die Nationalmannschaft“, sagt Michelmann. „Die Verbindung mit der AOK ist eine seit Jahren gelebte Partnerschaft, aus der Leistungen hervorgehen, die weit über das Tragen des Logos hinaus reichen. Wir kommen mit dem Grundschulaktionstag jedes Jahr mit mehr als hunderttausend Mädchen und Jungen in Kontakt.“ Nationalspieler werben dabei für einen gesunden und sportlichen Lebensstil. In anderen Verbänden sei dies ähnlich.

          Unter anderem auf den Trikots der deutschen Handball-Nationalmannschaft präsent: gesetzliche Krankenkassen wie die AOK
          Unter anderem auf den Trikots der deutschen Handball-Nationalmannschaft präsent: gesetzliche Krankenkassen wie die AOK : Bild: dpa

          Das Bundesamt für Soziale Sicherung, Aufsichtsbehörde für die Krankenkassen, kritisiert, dass deren Ausgaben für Werbung stiegen, während die für Aufklärung und Beratungen zurückgingen; sie machten weniger aus als die Aufwendungen für Reklame.

          Der Sport dagegen hält sich zugute, durch Sport- und Bewegungsangebote auch in der Vorsorge und der Rehabilitierung sowie durch Aufklärung auf breiter Front für Gesundheit, Fitness und Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung einzutreten. Dabei würden nicht nur die Vereinsmitglieder bedacht, deren Zahl der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) vor der Krise mit 27 Millionen angab, sondern durch Kursangebote und Schulsport auch nicht sport-affine Menschen erreicht. Der Sport sieht sich dabei in Partnerschaft mit den Krankenkassen.

          Der DOSB warnte, dass durch das drohende Verbot Gesundheitspartnerschaften zwischen Sport und gesetzlichen Krankenkassen gefährdet, jahrelange konstruktive Zusammenarbeit zunichtegemacht und der Sport wirtschaftlich empfindlich getroffen würde. Für den Freiburger Kreis, den Zusammenschluss der Großsportvereine Deutschlands, hatte deren Vorsitzender Boris Schmidt kritisiert, dass der Staat zwar einerseits 200 Millionen Euro bereitstelle, um den Profiklubs den Ausfall von Eintrittsgeld zu erstatten, andererseits aber verbieten wolle, sie als Sponsor zu unterstützen.

          Der Abgeordnete Özdemir kritisierte, dass Gesundheitsminister Spahn das Verbot mittels einer Verordnung durchsetzen wollte; diese bedarf nicht der Zustimmung des Bundestages. Die Sportpolitiker der SPD-Fraktion hätten deshalb deutlich gemacht, dass sie bei der vorgesehenen Beratung innerhalb der Fraktion die Verordnung nicht konsentiert und damit eine Diskussion innerhalb der Koalition erzwungen hätten.

          Weitere Themen

          „Einfach nur enttäuschend“

          WM-Aus für Eishockey-Team : „Einfach nur enttäuschend“

          Starke Vorrunde, schnelles Ende: Die deutschen Eishockeyspieler hadern mit dem Ausscheiden bei der WM im Viertelfinale. Trainer Toni Söderholm nimmt nun die Klubs in die Pflicht.

          Topmeldungen

          Dieses Bild wird bleiben: SGE-Trainer Glasner und Kapitän Sebastian Rhode können es noch nicht ganz fassen, aber gleich „überreichen“ sie den Europapokal an Peter Feldmann

          Frankfurter Oberbürgermeister : Die Stadt kann ihn mal

          Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann hat nicht nur den Europapokal der Eintracht abgeschleppt. Er hat vielmehr der ganzen Stadt zu verstehen gegeben, dass er sich um sie und deren Bürger nicht weiter schert. Die Abwahl muss jetzt kommen.
          Eine Schule wird zum Ort der Trauer: Mitschüler und Angehörige gedenken der 21 Menschen, darunter 19 Kinder, die an der Grundschule erschossen wurden.

          Über Amokläufer in Uvalde : „Mein Sohn war kein Monster“

          Nachdem ein 18 Jahre alter Mann 19 Kinder und zwei Lehrerinnen in Texas tötete, suchen die Ermittler immer noch nach einem Motiv. Sein Umfeld zeichnet das Bild eines aggressiven Einzelgängers.
          Die spanische Gleichstellungsministerin Irene Montero am 8. März in Madrid

          „Nur ein Ja ist ein Ja“ : Spanien verschärft Sexualstrafrecht

          Ein Entwurf der linken Minderheitsregierung stößt im Parlament auf große Zustimmung. Damit ist die Einwilligung der Frau ausschlaggebend für einen sexuellen Kontakt. Von den Konservativen kommt Kritik.
          Für Jürgen Klopp und den FC Liverpool geht es im Finale der Champions League gegen Real Madrid.

          Klopp zum Finale : „Wir spielen auch für die Ukraine“

          Vor dem Champions-League-Finale am Samstag spricht Jürgen Klopp darüber, warum er froh ist, dass das Endspiel in Paris stattfindet, wie die Gerüchte um Sadio Mané zu bewerten sind und was er über den Rasen denkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Fahrradhelm
          Fahrradhelme im Test
          Baufinanzierung
          Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
          Spanischkurs
          Lernen Sie Spanisch