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Wegen Steuerhinterziehung : Zwanziger und Niersbach in WM-Affäre angeklagt

Die beiden ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach (rechts) und Theo Zwanziger. Bild: Reuters

Die Staatsanwaltschaft wirft Zwanziger, Niersbach, Schmidt und dem früheren Fifa-Generalsekretär Linsi Steuerhinterziehung vor. Die einstige DFB-Führung reagiert empört. Es geht um eine beachtliche Summe.

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          Der „Sommermärchen“-Skandal um den ominösen Geldfluss von 6,7 Millionen Euro zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wird immer wahrscheinlicher vor Gericht landen. So hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen vier einstige Funktionäre erhoben. Betroffen sind die beiden früheren Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger, sowie die ehemaligen Generalsekretäre von DFB und Internationalem Fußball-Verband (Fifa), Horst R. Schmidt und Urs Linsi. Es geht um den Verdacht der schweren Steuerhinterziehung.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Scharfe Kritik an der Anklageerhebung übt Zwanziger, dessen Rechtsvertreter eine Stellungnahme verschickte. Mit der jetzt vorliegenden Anklageschrift dränge sich der Eindruck auf, als sei die Staatsanwaltschaft noch hinter die, wenn auch verspäteten, Einsichten der Steuerfahndung zurückgefallen. „Diese Anklageerhebung ist blinder Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken und die ‚heiße Kartoffel Ermittlungsverfahren’ möglichst schnell in die Verantwortung der Gerichte abzuschieben“, wird Zwanziger zitiert.

          Zudem liegt dieser Zeitung ein Schreiben des Rechtsanwalts von Zwanziger an die Staatsanwaltschaft Frankfurt vom 30. April diesen Jahres vor, in dem dieser die Ermittlungsarbeit der Steuerfahnder als „voreingenommen“ bezeichnet. Diese verlören sich in eklatanten Widersprüchen und hätten schwerwiegende Ermittlungsfehler begangen. Die F.A.Z. hatte zuletzt über den unveröffentlichten Abschlussreport der Frankfurter Steuerfahnder und neue Vorwürfe gegen Niersbach berichtet.

          6,7 Millionen Euro – der Hintergrund des Geldkreislaufs ist ungeklärt

          Im Kern geht es in den Ermittlungen um die 6,7 Millionen Euro, welche der DFB ein Jahr vor der WM 2006 über die Fifa auf ein Konto des ehemaligen und im Jahr 2009 verstorbenen Adidas-Vorstandsvorsitzenden Robert Louis-Dreyfus gezahlt hatte. Die Zahlung wurde damals in einem von Schmidt und Zwanziger unterzeichneten Brief vom DFB an den Schweizer Fifa-Generalsekretär Linsi avisiert. Der damalige Organisationschef der WM in Deutschland, Franz Beckenbauer, hatte die Abmachung offenbar getroffen. Drei Jahre zuvor war die gleiche Summe über ein kompliziertes Konstrukt, an dem Beckenbauer wohl maßgeblich beteiligt war, an den ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten und mittlerweile lebenslang gesperrten Mohamed Bin Hammam nach Qatar geflossen. Der Hintergrund des Geldkreislaufs ist weiterhin ungeklärt – die Vermutungen reichen von Bestechung, also einer Bezahlung der Deutschen für den WM-Stimmenkauf, bis hin zu einer versteckten Provision (Bezahlung) für Beckenbauer als damals ehrenamtlichen OK-Präsident.

          Die Steuerfahnder gehen davon aus, dass der DFB mit der Zahlung 2005 ein Privatdarlehen von Dreyfus an Beckenbauer ausgeglichen und später unrechtmäßig als Betriebsausgabe geltend gemacht habe. Niersbach, Zwanziger und Schmidt gehörten zu dieser Zeit zum OK-Team und waren zugleich in verschiedenen Führungspositionen im DFB tätig. Das Finanzamt Frankfurt hatte Ende Oktober 2017 entschieden, dass die 6,7 Millionen, die der DFB in seiner Steuererklärung (unterschrieben von Niersbach) für eine nie stattgefundene WM-Gala verbucht hatte, steuerlich „unzutreffend“ behandelt worden seien. Die Behörde verhängte eine Strafzahlung in Höhe von 19,2 Millionen Euro, die der DFB beglich, aber rechtlich weiterhin in Frage stellt.

          Wolfgang Niersbach (rechts) und Theo Zwanziger im Jahr 2011.

          Zwei der vier Beschuldigten reagierten auf die Anklage mit Stellungnahmen. Von Schmidt hieß es, er fühle sich persönlich verletzt: „Die fast zweieinhalbjährigen Ermittlungen, die Durchsuchung meines Hauses und die ständige Berichterstattung über das Verfahren haben bei meiner Familie und mir Spuren hinterlassen.“

          Zwanziger, selbst Rechtsanwalt und einst als Steuerinspektor tätig, machte schriftlich geltend, dass er zu keinem Zeitpunkt Veranlassung gesehen habe, den reichen DFB durch eine Steuerhinterziehung noch reicher zu machen. Der Zuschuss für die Fifa-Gala sei unzweifelhaft eine Betriebsausgabe gewesen, wie auch die Wirtschaftsprüfer von DFB und Fifa sowie die im Jahr 2009 durchgeführte Betriebsprüfung durch das Finanzamt Frankfurt festgestellt habe. „Da habe ich mir nichts vorzuwerfen.“ Die Beschuldigten haben sechs Wochen Zeit für eine Stellungnahme gegenüber dem Landgericht Frankfurt. Das entscheidet über die Eröffnung des Verfahrens.

          Die Steuerfahnder hatten in ihrem Ermittlungsbericht neue schwere Vorwürfe gegen Niersbach erhoben. So seien im Sommer und Herbst 2015 rund um die ersten WM-Enthüllungen in größerem Umfang belastende Computerdateien, Dokumente, Archivunterlagen und Mails gezielt gelöscht, zerstört oder entwendet worden. Hier könnte auf den ehemaligen DFB-Präsidenten in einem zusätzlichen Verfahren weiteres Ungemach zukommen.

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