https://www.faz.net/-gtl-a13gy

Rassismusdebatte in NFL : Ein mysteriöser Vorgang um eine große Kontroverse

  • -Aktualisiert am

Die erste Reaktion im Klub-Management auf die Debatten wirkte zwar zaghaft, war aber nicht minder bemerkenswert. Man kündigte an, den Namen George Preston Marshall nicht länger in Ehren zu halten, sondern in die Archive zu verbannen. Der hatte das Team Anfang der dreißiger Jahre in Boston gegründet und war mit ihm 1937 in die Hauptstadt umgezogen. Der Grund für die plötzliche Umorientierung: Man konnte im gegenwärtigen Klima nicht länger ignorieren, dass Marshall ein Anhänger der Rassentrennung gewesen war und 1962 als Letzter in der National Football League den ersten schwarzen Profi unter Vertrag genommen hatte. Und das auch nur, weil sich die Bundesregierung eingeschaltet hatte.

Daniel Snyder hat sich bislang nur vorsichtig zu den Entwicklungen geäußert. Seine Presseabteilung ließ offiziell verlautbaren, dass der Klub „im Licht der jüngsten Ereignisse in unserem Land“ die weitere Nutzung des alten Namens „gründlich überprüfen“ werde. Ein Verfahren, in das auch die NFL involviert sein wird. Der Eigentümer ließ sich in der schriftlichen Erklärung mit den Worten zitieren: „Dieser Ablauf gestattet dem Team, nicht nur seine stolze Tradition und Geschichte in Betracht zu ziehen.“ Man werde auf diese Weise auch den Input von ehemaligen Spielern, Mitarbeitern, Sponsoren, der Liga und der Menschen in und um Washington einbeziehen. Eine Mitteilung, die die Sportausrüsterfirma Nike begrüßte: „Wir sind froh, dass die Mannschaft einen ersten Schritt Richtung Veränderung unternimmt.“

F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Neubenennungen sind für den Sport in den Vereinigten Staaten im Allgemeinen und die Stadt Washington im Speziellen nichts Ungewöhnliches. So wurde das NBA-Team, das ursprünglich aus Baltimore kam und Bullets hieß, auf dem Höhepunkt einer Mordwelle in der Stadt 1997 in Washington Wizards umgetauft. Die Initiative ging vom damaligen Klubbesitzer Abe Pollin aus, einem Freund des israelischen Premierministers Yitzhak Rabin, der 1995 in Tel Aviv ermordet worden war. Die tödlichen Schüsse gaben ihm den entscheidenden Anstoß. „Das Wort ,Bullets‘ ist unpassend für einen Sportklub“, sagte er.

Welche Lösung man für die Redskins finden wird, bleibt Spekulation. Offensichtlich gibt es aber bereits einen Favoriten. Er lautet „Redtails“ und geht auf den Spitznamen einer Luftwaffeneinheit aus dem Zweiten Weltkrieg zurück, dem Jagdgeschwader der Tuskegee Airmen, das aus ausschließlich schwarzen Piloten bestand, weil die Streitkräfte in jenen Jahren ihre Einheiten streng nach Hautfarbe getrennt aufstellten. Die jungen Flieger wurden bei Einsätzen in Europa und Nordafrika hochdekoriert. Quarterback Dwayne Haskins ließ bereits auf Twitter seine Sympathien für eine solche Lösung durchblicken: „Ich mag Redtails“, schrieb er. „Allerdings nur, wenn sie gezwungen sind, den Namen zu ändern.“

Nun mischt auch der amerikanische Präsident mit. Donald Trump äußerte sich kritisch zu möglichen Namensänderungen bei großen Sportmannschaften im Zuge der Rassismusdebatte. Bei Twitter schrieb Trump am Montag dazu, man benenne Teams aus einer Stärke heraus und nicht einer Schwäche. Nun sehe es so aus, als würden die Washington Redskins und die Cleveland Indians ihre Namen ändern, um sich politisch korrekt zu verhalten.

Weitere Themen

Letzte Hürde Athen für Wolfsburg

Europa League : Letzte Hürde Athen für Wolfsburg

Mit einem Sieg bei AEK Athen will sich Wolfsburg für die Europa League qualifizieren. Ein ehemaliger Manager und ein früherer Spieler des VfL sind mittlerweile in Griechenland und sagen: Das wird nicht leicht.

Topmeldungen

Spuren der Verwüstung: Ein Mann steht in einem zerstörten Mehrfamilienhaus in Tartar, Aserbaidschan.

Rohstoffförderer Aserbaidschan : Der Krieg einer Öl-Macht

Aserbaidschan liefert wichtige Rohstoffe nach Europa. Ein militärischer Konflikt mit Armenien könnte die Handelsbeziehungen nun gefährden. Die Türkei will das verhindern – aus eigenem Interesse.
Zyprischer Präsident Nikos Anastasiadis (r.) mit EU-Ratspräsident Charles Michel

Gasstreit im Mittelmeer : Alle schauen auf Zypern

Die EU-Staaten suchen bei ihrem Sonderrat in Brüssel eine Haltung zur Türkei. Emmanuel Macron und Angela Merkel setzten vor dem Gipfel unterschiedliche Akzente.
Osten als Superopfer, ewiger Schuldwesten? Feierlichkeiten am Brandenburger Tor am 3. Oktober 1990

30 Jahre Deutsche Einheit : Die Flucht aus unserer Geschichte

Die Gewaltmaschine der Ost-Diktatur wurde aus der öffentlichen Erinnerung verdrängt, aber auch die Westdeutschen haben ihre blinden Flecken. Ein Gastbeitrag über das ungleiche kollektive Gedächtnis der Deutschen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.