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DOSB-Präsidium um Hörmann : Fortschritt durch Rücktritt

  • -Aktualisiert am

Will zurücktreten: DOSB-Präsident Alfons Hörmann Bild: dpa

Jedes einzelne Präsidiumsmitglied im Deutsche Olympischen Sportbund sollte sich Neuwahlen stellen. Nur so kann der Verband gestärkt in die Zukunft gehen – und damit der Sport.

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          Wer etwas verhindern will, setzt eine Arbeitsgruppe ein. Was will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erreichen, der für seine inhaltliche, strukturelle und personelle Neuausrichtung drei Arbeitsgruppen mit diversen Teil- und Unter-Zirkeln etabliert hat? Man könnte glauben: den großen Wurf. Man kann aber auch befürchten, die Emsigkeit beim Tagen und Abstimmen führe zum Gegenteil.

          Stand der Dinge ist, dass DOSB-Präsident Alfons Hörmann seit der Empfehlung der Ethikkommission unter Leitung von Thomas de Maizière, er solle sich einer Vertrauensabstimmung durch Neuwahl stellen, zwar die sprichwörtliche Lahme Ente ist – ein Präsident auf Abruf. Doch der Aufbruch, nach dem sein Verband und dessen Vertreter verlangen, wirkt gehemmt.

          Die Mitgliederversammlung im Dezember kann ein neues Präsidium nur wählen, wenn das derzeitige vollständig zurücktritt. Danach sieht es nicht aus. Allein Hörmann und sein Vize Kaweh Niroomand haben angekündigt, ihre Ämter aufzugeben und nicht mehr zu kandidieren. Doch selbst dies ist bisher nicht mehr als eine Ankündigung.

          Neuwahlen im Dezember

          Die Aussicht auf den großen Wurf am Ende des Olympia-Jahres 2021 ist trüb. Beharrt auch nur ein einziges Präsidiumsmitglied darauf, die Amtszeit auszuschöpfen, für die es gewählt ist, werden die vakanten Posten laut Satzung lediglich durch Nachwahlen bis zur turnusgemäßen Neuwahl im Dezember 2022 besetzt, auch das Präsidentenamt. Wie beim Abschied des ersten DOSB-Präsidenten Thomas Bach nach Lausanne an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees ist es sogar möglich, dass das Präsidium einen Präsidenten beruft.

          Welche Kandidatin, welcher Kandidat von außerhalb des inneren Zirkels deutscher Sportfunktionäre würde sich das antun wollen, zumal schmerzhafte Reformen auf der sportpolitischen Tagesordnung stehen: Der Sport muss aus seiner auf Olympia fixierten Isolierung heraus und sich, wie seine Hilflosigkeit während der Corona-Krise zeigte, als gesellschaftspolitische Kraft etablieren. Manche Funktionäre wollen, dies ist aber nicht Konsens in den Arbeitsgruppen, das Ressortprinzip im Präsidium aufgeben und dessen einzelne Mitglieder mehr zur Aufsicht über den Vorstand verpflichten als zu dessen öffentlicher Vertretung. Und er muss irgendetwas aus der halbfertigen Spitzensportreform machen. Wer auf diesen Feldern zupackt, riskiert seine Wiederwahl nach zwölf Monaten.

          Die Dachorganisation des deutschen Sports kann in gut einem Vierteljahr nur gestärkt in die Zukunft aufbrechen, wenn jedes einzelne Präsidiumsmitglied sich Neuwahlen stellt. Eine schwierige, vielleicht gar unmögliche Herausforderung: Gestalten durch Rücktritt.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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