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Sportler fordern Beteiligung : Die Wada hat ein Glaubwürdigkeitsproblem

Wada-Präsident Witold Banka Bild: Reuters

In der Wada sind die Sportler das fünfte Rad am Wagen. Nun fordern sie mehr Macht. Doch die von Interessenkonflikten überfrachtete Antidopingagentur zeigt sich stur.

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          Manipulation von Computerdaten in einem von der Staatsanwaltschaft hermetisch versiegelten Labor in Moskau, Doppelgänger von hochgedopten Gewichthebern, die bei Dopingkontrollen ohne Mühe saubere Proben ablieferten – die Tagesordnung klingt wie ein Thriller. Doch das Exekutivkomitee und der Gründungsrat der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) müssten sich vorwerfen lassen, von ihren Problemen abzulenken, stellten sie auf ihren Videotagungen am Mittwoch und diesen Donnerstag solch spektakuläre Fälle in den Vordergrund.

          In Wirklichkeit hat die oberste Instanz der Dopingbekämpfung ein Defizit an Unabhängigkeit, an Transparenz und an Demokratie und damit ein Problem mit ihrer Glaubwürdigkeit. Das beginnt mit dem Exekutivkomitee. Drei der zwölf Sitze darin halten zwar ehemalige Sportlerinnen und Sportler. Doch die Schützin Danka Bartekova aus der Slowakei ist als Mitglied der linientreuen Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zugeschaltet, die im Gründungsrat über vier Sitze verfügt. Die Olympiasiegerin im Speedskating, Yang Yang aus China, ist Vizepräsidentin der Wada. An der Spitze: Witold Banka. Nach einer kurzen Karriere in der polnischen Politik war er die Wahl der Regierungsvertreter bei der Ernennung des Wada-Präsidenten. Er, ein ehemaliger Läufer, nennt sich gleichwohl „unabhängiger Athlet“.

          Mit diesem großen Gestus überspielt Banka, worauf hinzuweisen sich Athletenvertreter aus vierzehn Ländern, darunter Athleten aus Deutschland, und Nationale Anti-Doping-Agenturen (Nado) aus ebenfalls vierzehn Ländern, darunter die Nada aus Bonn, zusammengeschlossen haben: Expertise der Nados sowie Erfahrung und Interessen von Sportlerinnen und Sportlern werden in der Wada nicht ausreichend berücksichtigt. Beispiel Athleten-Kommission: Ihre Mitglieder werden weder von Athleten gewählt (sondern von Staat und Sport empfohlen), noch haben sie in den Gremien der Wada etwas zu melden. Währenddessen, klagt der Norweger Anders Solheim, der Anti-Doping Norge vorsteht, bewache der Ziegenbock die Haferflocken.

          Riesengroßer Reformbedarf

          Der Bock als Gärtner? Die amerikanische Regierung drohte schon mit Zahlungsstopp, so groß ist der Reformbedarf inzwischen. Dies wirkte zwar wie ein weiterer Hieb der gegen fast alle internationalen Organisationen wütenden Trump-Regierung, richtet sich aber gegen den mit Händen zu greifenden Verdacht von Interessenskonflikten in der Organisation. Athleten fordern schon lange, dass, wer ein Mandat im Sport hat, sich gegenüber Sportlerinnen und Sportlern verantworten soll. Deshalb verlangen sie, dritte Kraft zu werden in der Wada, neben Olympia und Regierungen, mit entsprechend vielen Sitzen und Stimmen. Die als zahnlos bekannte Athletenkommission des IOC betrachten sie nicht als Vertreter ihrer Interessen.

          Was die Wada von den Forderungen hält, zeigen die Machtverhältnisse in der neuen Arbeitsgruppe für Governance: Ein einziger der fünf Plätze ist für Athleten reserviert. Dies dürfte die Sportlerinnen und Sportler nur weiter anspornen, bei der Vertretung ihrer Belange nicht mehr fünftes Rad am Wagen zu sein.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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