https://www.faz.net/-gtl-9h0qn

Mächtiger Sportfunktionär : Scheich auf dem Rückzug

Zwei Größen der Sportpolitik unter sich: Scheich Ahmad Al Fahad Al Sabah (rechts) neben IOC-Präsident Thomas Bach. Bild: Imago

Ahmad al Fahad al Sabah, Pate der internationalen Sportverbände, wird auch als Anoc-Präsident zurücktreten – jedoch wieder nur vorübergehend. Was bedeutet das für den organisieren Sport?

          4 Min.

          Es hätte eine Formalie sein sollen: Wahl zum Präsidenten der Vereinigung der nationalen olympischen Komitees (Anoc) an diesem Mittwoch in einem Luxushotel in Tokio. Einziger Kandidat: Scheich Ahmad al Fahad al Sabah. Scheich Ahmad aus Kuweit, Königsmacher, Puppenspieler, Pate der internationalen Sportverbände, Präsident des Olympischen Rats Asiens (OCA) seit 1991, Präsident des Anoc seit 2012, Vizepräsident des Internationalen Handballverbandes und Präsident des asiatischen Handballverbandes, Ehrenbürger der Stadt Hiroshima, für seinen Mut ausgezeichnet von der Armee der Vereinigten Staaten, Empfänger der höchsten zivilen Auszeichnung durch den Präsidenten der Republik Kasachstan, Empfänger der Auszeichnung für sportliche Meriten durch den Präsidenten der Türkei. Dieses und jenes mehr. Und doch fällt die Formalie, fällt seine Wiederwahl aus.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          An diesem Mittwoch, bei der Anoc-Vollversammlung, wird Scheich Ahmad seinen Rücktritt erklären. Seinen vorübergehenden Rücktritt, versteht sich, den er an diesem Montag gegenüber Pâquerette Girard Zapelli erklärt hat, der Ethik- und Compliancebeauftragten des Internationalen Olympischen Komitees. Auf eigene Initiative, versteht sich. Denn so steht es in der Erklärung, die das IOC öffentlich gemacht hat. „Ich wende mich an Sie“, heißt es in Sabahs Erklärung, „im Zusammenhang mit dem fortdauernden Verfahren in der Schweiz, dass die Staatsanwaltschaft Genf vor einigen Jahren angestoßen hat.“ Das „fortdauernde Verfahren“ hat Scheich Ahmad zum Angeklagten Sabah gemacht. Die Staatsanwaltschaft in der Schweiz wirft ihm vor, ein Schiedsgerichtsverfahren initiiert zu haben, um manipuliertes Filmmaterial gegen kuweitische Politiker in Stellung bringen zu können. Der Scheich bestreitet Fehlverhalten. Deshalb der vorübergehende Rückzug. Doch aus Eigeninitiative scheint hier kaum etwas zu geschehen.

          Eine Anhörung im Januar

          Vor einer Woche ließ Scheich Ahmad seine IOC-Mitgliedschaft ruhen und den Vorsitz der mächtigen Kommission für Olympische Solidarität, die über die Verteilung von rund einer halben Milliarde Dollar in die internationale Sportverbandswelt wacht. Am 22. November kam die Ethikkommission des IOC zusammen, um über den Fall zu befinden und entschied, auch das machte das IOC am Montag öffentlich, dass Sabah nicht weiter dem Anoc vorstehen könne, ohne den Ruf des IOC zu schädigen. Sollte der Scheich sich nicht vom Anoc-Vorsitz zurückziehen, könnten IOC-Mitglieder nicht an Anoc-Sitzungen teilnehmen, die von ihm geleitet werden. Des weiteren wolle man Scheich Ahmad am 19. Januar 2019 zur Sache anhören. Damit hatte der Kuweiter keine Wahl mehr.

          Scheich Ahmad ist der Mann, der 2013 noch vor der Wahl Thomas Bachs zum IOC-Präsidenten dem Deutschen – entgegen der Regeln – seine Unterstützung versprochen hatte und nicht nur für die eigene Stimme garantiert hatte. Kaum hatte al Sabah in der kuweitischen Fehde einen Kotau im Fernsehen des Emirats hinlegen müssen, wurde das kuweitische nationale olympische Komitee wegen der angeblichen Einmischung der Politik gesperrt. Mit dem Geld aus al Sabahs Anoc wurde dem Iren Patrick Hickey die Kaution gestellt, mit der dieser der brasilianischen Haft entkommen konnte, die Hickey festhielt, seit er während der Olympischen Spiele 2016 wegen eines Ticketskandals im Bademantel aus dem Funktionärshotel geholt wurde. Nun droht dem Scheich selbst Haft, zwei bis fünf Jahre, falls er verurteilt wird in der Schweiz. Das IOC betonte die Unschuldsvermutung, doch wie ernst die Lage ist für den Mann mit den auffälligen Locken, zeigt der Vergleich zum Jahr 2017.

          Weitere Themen

          „Beide Seiten sind schuld“ Video-Seite öffnen

          Fall Djokovic : „Beide Seiten sind schuld“

          Tennis-Star Novak Djokovic hat nach seiner Ausweisung aus Australien Dubai erreicht – im australischen Melbourne beginnen die Australien Open ohne den Weltranglistenersten. Fans vor Ort sind geteilter Meinung über den Fall. Sein Heimatland Serbien steht derweil fest zu Djokovic.

          Ramajs Reifeprüfung

          Debüt im Tor der Eintracht : Ramajs Reifeprüfung

          Als Stellvertreter von Kevin Trapp überzeugt Ersatztorhüter Diant Ramaj. Vor allem sein Selbstbewusstsein und seine Furchtlosigkeit stechen heraus.

          Topmeldungen

          Portrait von Anne Frank im Haus ihres Cousins Buddy Elias im Februar 2012 in Basel

          Neue Erkenntnisse : Wer verriet Anne Frank?

          Lange dachte man, es wäre eine Putzfrau oder ein Kopfgeldjäger gewesen. Jetzt gibt es Hinweise, dass ein niederländischer Notar das Versteck von Anne Frank und ihrer Familie verraten hat.

          Besuch in der Ukraine : Baerbock will Wasserstoff statt Waffen

          Der Konflikt mit Russland ist bislang das Leitthema der deutschen Außenministerin. Ausgerechnet während ihres Besuchs in der Ukraine geht es aber vor allem um andere Themen.
          Nichts nachgestellt: Aufnahme von einem „Spaziergang“ gegen die Corona-Politik am vergangenen Samstag in Düsseldorf.

          Spiegel TV-Dreh fürs ZDF : Statisten für Corona

          Die Firma Spiegel TV hat Statisten für eine Corona-Demonstration gesucht. Sie sollten für das Magazin „Terra Xpress“ eine bestimmte Szene nachstellen. Das sorgte für Verwirrung.
          EDF-Reaktor in Dampierre-en-Burly

          Frankreichs Atomkonzern EDF : Zehn von 56 Reaktoren stehen still

          Für EDF folgt derzeit ein Tiefschlag dem nächsten. Die technischen Probleme an den Atomkraftwerken ziehen immer größere Kreise – und auch eine vollständige Verstaatlichung steht wieder zur Debatte.