https://www.faz.net/-gtl-7gob7

„Warmer Krieg“ : Liebesgrüße nach Moskau

Und der Eiskunstläufer Johnny Weir, der schon allein mit Hilfe seiner exzentrischen Kostüme seine sexuelle Orientierung propagiert, sieht einen besseren Weg, sich zu positionieren. „Ich bin ziemlich bekannt in Russland. Meine schiere Präsenz ist bereits eine bedeutende Stellungnahme gegen dieses Anti-Propaganda-Gesetz.“ Weir, verheiratet mit dem russisch-stämmigen Juristen Victor Woronow, lässt sich in einer Internetkolumne regelmäßig zu dem Thema aus. Am Donnerstag beklagte er, „dass Athleten, Fans und Mitglieder der olympischen Familie in Russland eingesperrt oder ausgewiesen werden können, weil sie schwul sind, Schwule unterstützen oder Strapse in der falschen Farbe tragen, während Blödheit vollkommen im Rahmen des Gesetzes ist“.

Obama stichelt gegen Putin

Der amerikanische Präsident Obama, gerade auf Konfrontationskurs mit Putin, hat gleich zweimal die Gelegenheit genutzt, um den „warmen Krieg“ zwischen Ost und West zu befeuern. Erst in der Fernsehshow des Talkmasters Jay Leno, der sogar unwidersprochen eine Parallele zu Hitlers Olympischen Spielen 1936 und der Judenverfolgung zog. Und kurz darauf bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. „Eines der Dinge, auf die ich mich wirklich freue“, sagte Obama, „ist, dass vielleicht schwule oder lesbische Athleten Gold, Silber oder Bronze mit nach Hause bringen.“ Obama setzte sogar sportlich noch einen drauf: „Wenn Russland keine schwulen oder lesbischen Athleten hat, dann wird es dies wahrscheinlich schwächen.“

Loveparade unter den fünf Ringen: Präsident Putin würde es die Spiele verderben
Loveparade unter den fünf Ringen: Präsident Putin würde es die Spiele verderben : Bild: dpa

Bei so viel Rückendeckung werden die Solidarisierungs-Aufrufe immer lebhafter. Ein Wodka-Boykott in einschlägigen Homosexuellen-Bars war da nur der Anfang. Kenneth Roth, Präsident der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, hat bereits den Link zur Liste der Olympia-Großsponsoren wie Coca-Cola und McDonald’s getwittert mit dem Kommentar: „Sie sollten Russland unter Druck setzen, damit sie nicht Teil einer Übung im Gay-Bashing werden.“ Ein Zusammenschluss von Schwulen- und Lesbengruppen schlägt einen sanfteren Protest vor, die man unter dem Motto „Liebesgrüße nach Moskau“ sehen könnte. Die neu gegründete „Same Sex Hand Holding Initiative“ fordert olympische Athleten dazu auf, während der Spiele mit Geschlechtsgenossen auffällig Händchen zu halten. Ob diese Geste oder Küssen oder regenbogenfarbene Accessoires schon verbotene Propaganda wären, wollte das IOC so schnell nicht sagen. Jeder Einzelfall würde geprüft.

Der russischen Mehrheit, die Homosexuelle ablehnt und das Anti-Propaganda-Gesetz begrüßt, dürften solche Stellungnahmen ihre Winterspiele womöglich verleiden. Die Moskauer Boulevardzeitung „MK“ jedenfalls hat diese Woche in einem Kommentar nur noch eine Lösung gesehen: „Es bleibt eigentlich nur, das Gesetz aufzuheben. Wenn das nicht gelingt, werden sich die Behörden wohl auf eine große Schwulen- und Lesbenparty in Sotschi 2014 gefasst machen müssen.“ Eine Love Parade unter den fünf Ringen? Das würde Präsident Putin, der sich beim Sport auch gerne einmal mit nacktem Oberkörper fotografieren lässt, das Fest in seinem Urlaubsdomizil Sotschi wohl verderben. Den Olympiern aber auch.

Weitere Themen

Gladbach empfängt Real Video-Seite öffnen

Fußball : Gladbach empfängt Real

Borussia Mönchengladbach und Trainer Marco Rose freuen sich auf das Heimspiel gegen Real Madrid mit Trainer Zinedine Zidane. Marco Rose sagt, sein Team wolle gut spielen.

Topmeldungen

Friedrich Merz in Berlin am Sonntag auf dem Weg zu den Beratungen über den CDU-Parteitag.

Soll er verhindert werden? : Merz spaltet die Partei

Es gibt genug Staatsmänner in der Welt, die mit Populismus, Narzissmus, Schaumschlägerei und Verschwörungsdenken glänzen. Will nun auch die CDU einen solchen Mann an ihrer Spitze haben?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.