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Walther Tröger wird 90 : Das Sportherz pocht

Grandseigneur der deutschen Sportpolitik: Walther Tröger wird 90. Bild: dpa

Walther Tröger hat 68 Jahre lang unter anderem als Präsident des Deutschen Sportbunds und IOC-Mitglied für den Sport gearbeitet. Dem verdienten Funktionär ist der Sport auch am 90. Geburtstag nicht egal.

          Mit dem Alter kommt die Gelassenheit? Walther Tröger machte als Spitzenfunktionär des Sports nie den Eindruck, schnell die Fassung zu verlieren. Obwohl er wohl manchen Grund gehabt hätte. Etwa als Bürgermeister des Olympischen Dorfes der Sommerspiele 1972 in München, dem bedeutendsten Sommermärchen in der Sportgeschichte der Bundesrepublik – bis palästinensische Terroristen kamen und mordeten. München bewegte die Welt. Und es sah so aus, als könne die olympische Bewegung mit ihren nicht zu überschätzenden Werten über das Leid hinweg einen Siegeszug antreten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Jurist Walther Tröger hat sich von dieser Idee inspirieren lassen, hat in 68 Dienstjahren im besten Sinne des Wortes an wichtigsten Positionen des deutschen und des internationalen Sports gewirkt. Als Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) der Bundesrepublik, als dessen Präsident über zehn Jahre bis 2002, als Sportdirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), als IOC-Mitglied, um nur einige zu nennen. Es reicht ein Blick in sein sagenumwobenes, bis in den letzten Winkel mit Akten gefülltes Büro, um zu erkennen, welchen Schatz Tröger mit sich trägt: ein unglaubliches Archiv, ein ganzes Leben voller spannender Details über die Organisation und die Wirkung einer angeblichen Nebensache. Sie zieht Milliarden Menschen von der Wiege bis zur Bahre in ihren Bann, falls sie begeistert werden.

          Leidenschaft, Feuer, eine Seele für den Sport

          Das war und ist bei aller Leichtigkeit des Sports und der Freude der Kinder an der Bewegung harte Arbeit, für die man Arbeiter braucht, die mehr zu bieten haben als den Pragmatismus eines Zupackenden: Leidenschaft, Feuer, eine Seele für den Sport. Es gehört zu den späten, aber vielleicht nicht zu späten Einsichten mancher Beobachter des sportpolitischen Deutschlands, dass Walther Tröger von diesen Kräften getragen wird.

          Er war und ist kein Lautsprecher, keiner, der Amt und Ansehen nutzte und nutzt, um sich zu inszenieren oder gar Karriere zu machen. Umso interessanter ist das zuletzt vernehmbare Crescendo in seiner Stimme. Walther Tröger benennt die Probleme, wie sie nur jemand anspricht, der keine Rücksichten mehr zu nehmen bereit ist. Er macht sich Sorgen um den deutschen Sport, um die olympische Bewegung. Es könnte ihm egal sein nach all den Jahrzehnten, wenn da nicht dieses Sportherz in seiner Brust schlüge, pochte. An diesem Montag wird er 90 Jahre alt.

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