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Kommentar : Gute Freunde kann nichts trennen

  • -Aktualisiert am

Eigentlich sollte Craig Reedie der oberste Saubermann des Weltsports sein. Bild: AP

Craig Reedie sollte als Wada-Präsident der allererste Saubermann des olympischen Sports sein. Stattdessen mach er sich zum Kumpan des Mannes, der den russischen Sport als Propagandainstrument führt.

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          Hat das systematische Doping in der russischen Leichtathletik wirklich Folgen? Gut, es gibt keine russischen Geher bei der Weltmeisterschaft in Peking; die Armada des skrupellosen Trainers Tschegin hat es einfach zu toll getrieben daheim in Saransk. Auch einige russische Läuferinnen, die offen über ihre guten Erfahrungen mit Doping-Mitteln sprachen und damit unverhofft im deutschen Fernsehen auftauchten, sind verschwunden.

          Doch wie tief Trainer, Ärzte und offenbar auch der Präsident des Verbandes in Manipulation, Erpressung und Korruption verwickelt waren, das wird noch untersucht. Unvorstellbar eigentlich, dass der Verantwortliche für die Sauberkeit des Weltsports diese Befragungen, Untersuchungen und Abwägungen untergräbt, indem er dem politisch Verantwortlichen für das Doping-System Russlands schriftlich gibt, dass er nichts tun werde, was ihre Freundschaft gefährden könnte.

          Doch genau dies ist geschehen. Während eine Ethikkommission des Welt-Leichtathletikverbandes (IAAF) und eine Unabhängige Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) versuchen herauszubekommen, was da in Russland los war, fällt der allererste Saubermann des olympischen Sports ihnen in den Rücken. Ganz persönlich schätze er seine gute Beziehung zum russischen Sportminister Witali Mutko so sehr, ließ Craig Reedie ausrichten, dass es in der Wada keinerlei Absicht gebe, diese zu beschädigen.

          Eine gute persönliche Beziehung kann man sich wohl als Männerfreundschaft vorstellen oder auf familiärer Ebene; als ob Craig und Witali Karten spielen oder die Reedies und die Mutkos zusammen Kaffee trinken. Was sollte die Wada damit zu tun haben? Das fragte die britische „Mail on Sunday“, als das Blatt erfahren hatte, dass sich Reedie genau so per E-Mail angebiedert hatte.

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          In seiner Nachricht vom 30. April, die er an die Anti-Doping-Beauftragte der russischen Regierung adressierte, versichert Reedie im Namen der Wada, nichts zu unternehmen, was die Anstrengungen Russlands in der Doping-Bekämpfung gefährden könnte. Die Untersuchungskommission sei doch unabhängig, beteuerte Reedie zu seiner Entschuldigung gegenüber der Zeitung, er hätte keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Außer, natürlich, dass er die Untersuchungsergebnisse irrelevant gemacht hat.

          Richard Pound könnte mit Fug und Recht hinschmeißen. Seit bald einem Dreivierteljahr recherchiert der Gründungspräsident der Wada gemeinsam mit einem deutschen Polizisten und einem kanadischen Juristen. Und nun schmeißt Reedie sich just an den Mann ran, der die Vorwürfe blanke Lüge nennt und Julia Stepanowa und Witali Stepanow, den Kronzeugen des Fernsehfilms, das Gefühl gegeben hat, dass sie Verräter seien und am besten schnell verschwänden. Die junge Familie mit Kleinkind hat Russland verlassen. Statt ihr zu danken und Mut zuzusprechen, macht sich Reedie zum Kumpan des Mannes, der den russischen Sport als politisches und nationalistisches Propagandainstrument führt. Eher als Pound sollte er verstehen, dass er fehl am Platze ist.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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