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Welt-Anti-Doping-Agentur : Machtspiele in der Athletenkommission

„Es wäre seltsam“: Wada-Generaldirektor Olivier Niggli Bild: Reuters

Der Einfluss des Internationalen Olympischen Komitees in der Wada wächst. Nach der Entscheidung zu Russland tritt Victoria Aggar aus der Athletenkommission zurück – und garniert das mit deutlichen Worten.

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          Der Rücktritt der Britin Victoria Aggar aus der Athletenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hat die Kräfteverhältnisse in dem Gremium zugunsten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verändert. Victoria Aggar hatte am Freitag frustriert ihren Rückzug erklärt und dies mit der in ihren Augen zu schwachen Reaktion auf die russischen Manipulationen begründet. „Die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre haben mein Vertrauen in die Organisation, von der ich glaubte, sie diene einem großartigen Zweck, dem Schutz der Integrität des Sports, in den Grundfesten erschüttert“, hatte Aggar geschrieben. „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Wada noch existiert. Zu viele politische Machtspiele (oder Mechanismen), zu viele Konflikte und zu viele Eigeninteressen haben zu viele schlechte Entscheidungen, Kompromisse und gebrochene Versprechen zur Folge.“

          Nach ihrem Rückzug hat die Athletenkommission der Wada nurmehr 16 Mitglieder, von denen nun nur noch acht zu jenen zählen, die sich für einen Komplettausschluss Russlands ausgesprochen haben. Unter ihnen sind die jetzige Vorsitzende Beckie Scott aus Kanada, der künftige Vorsitzende Ben Sandford aus Neuseeland und der Deutsche Richard Schmidt. Von den anderen acht Mitgliedern sind Danka Bartekova aus der Slowakei und Kirsty Coventry, die Sportministerin Zimbabwes, IOC-Mitglieder, Kirsty Coventry sitzt in der IOC-Exekutive. Ryu Seung-Min aus Südkorea und die Finnin Emma Terho sind Mitglieder der IOC-Athletenkommission, ebenso die Amerikanerin Hayley Wickenheiser, die sich allerdings der Forderung nach einem Komplettausschluss angeschlossen hatte. Die Malierin Kady Kanouté Tounkara sitzt im Steuerungskomitee des IOC-Karriereprogramms für Athleten.

          In ihrer Rücktrittserklärung kritisierte die frühere Ruderin Victoria Aggar, dass die Wada sich geweigert habe, die Erklärung der neun Sportler auf ihrer Website zu veröffentlichen. Der Generaldirektor der Wada, Olivier Niggli, verteidigte die Entscheidung und sagte, acht weitere Mitglieder der Kommission hätten ein anderes Statement vorbereitet. „Es wäre sehr seltsam gewesen für die Wada, um es milde auszudrücken, zwei unterschiedliche Statements ihrer Athletenkommission zu veröffentlichen“, sagte Niggli dem Portal „Inside the games“. Tatsächlich hatte Niggli wie der Wada-Vorsitzende Sir Craig Reedie, vor allem aber der britische Rechtsanwalt Jonathan Taylor, der die Sanktionen als Vorsitzender des „Compliance Review Committee“ ausgearbeitet hatte, am vergangenen Montag den Eindruck entstehen lassen, die Entscheidung, russische Athleten als neutrale Starter zuzulassen, sofern sie belegen können, nicht in das Doping- und Manipulationsprogramm eingebunden gewesen zu sein, der Wunsch von Sportlern gewesen sei.

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