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Welt-Anti-Doping-Agentur : Machtspiele in der Athletenkommission

Man habe einen Komplettausschluss erwogen, hatte Taylor in Lausanne gesagt. Aber die Schwimmfunktionärin Penny Heyns habe als Athletenvertreterin im „Compliance Review Committee“ für das Startrecht russischer Sportler plädiert und „alle mitgerissen“. Die 2001 vom aktiven Sport zurückgetretene, 45 Jahre alte Südafrikanerin Penny Heyns ist auch Athletensprecherin des Internationalen Schwimmverbandes Fina und als solche Mitglied des „Büro“ genannten obersten Entscheidungsgremiums des Weltverbandes. Kirsty Coventry ist wiederum Mitglied der Fina-Athletenkommission unter Heyns’ Vorsitz.

Wie die Fronten verlaufen in den Diskussionen, hatte auch Richard Schmidt, Ruder-Olympiasieger mit dem Deutschland-Achter, gegenüber der F.A.Z. verdeutlicht. Das Thema Russland habe „achtzig bis neunzig Prozent“ seiner Zeit in der Wada-Athletenkommission eingenommen, hatte Schmidt in der vergangenen Woche gesagt. „Es gab sehr viele Diskussionen, auch intern, mit dem IOC, mit den Wada-Direktoren. Es hat sehr viel Platz eingenommen. Dass Russland Einfluss hat auf gewisse Verbände, ist bekannt, wir versuchen mit klaren Statements gegenzuhalten und Druck aufzubauen.“ Die Entscheidung der Wada, russische Sportler lediglich bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen als neutrale Athleten starten zu lassen und das Verbot der Austragungen von Großveranstaltungen ebenfalls auf Olympia und Weltmeisterschaften zu beschränken, hatte Victoria Aggar bereits am Dienstag gegenüber dem „Guardian“ als „rückgratlos und erschreckend“ bezeichnet. „Wenn dir permanent nicht zugehört wird, du permanent beschimpft wirst, kommt der Zeitpunkt, an dem du dir überlegst, ob du dich nicht anderswo einbringen solltest.“

„Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig“

Wie stark die Beharrungskräfte der internationalen Verbände sind, zeigen die Beispiele Rodeln und Eishockey. Christoph Schweiger, Exekutivdirektor des Internationalen Rodelverbandes Fil, sagte, die für Februar geplante WM werde auf der Olympiabahn von 2014 in Krasnaja Poljana stattfinden. „Die Entscheidung (der Wada, d. Red.) ist noch nicht rechtskräftig“, sagte Schweiger dem Deutschlandfunk. Wir haben von der Wada bestätigt bekommen, dass unsere Weltmeisterschaft in Sotschi nicht betroffen ist.“ Man setze die Vorbereitungen auf Sotschi „plangemäß“ fort. „Zum jetzigen Zeitpunkt hätten wir keine Rechtsmittel, dem russischen Verband die Weltmeisterschaften zu entziehen.“ Ebenso argumentiert der Schweizer René Fasel, Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes IIHF und Mitglied des IOC – allerdings mit Blick auf die A-Weltmeisterschaft 2023 und die U-20-WM im selben Jahr.

„Diese Turniere wurden zu einer Zeit vergeben, als das Verhältnis zwischen Russlands Doping-Agentur und der Wada in Ordnung war“, hatte Fasel gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass gesagt. „In Sankt Petersburg, Nowosibirsk und Omsk befinden sich große neue Arenen im Bau. Verträge sind unterzeichnet. Unsere Rechtsabteilung sieht nicht, wie Russland diese Turniere legal entzogen werden könnten. Ich denke nicht, dass verlegt wird.“ Die A-WM wurde am 24. Mai 2019 an Sankt Petersburg vergeben. Die Wada-Ermittler hatten am 15. Mai an Taylors Kommission berichtet, dass sie Belege für Manipulationen an den im Januar 2019 überlassenen Daten aus dem Moskauer Labor hätten.

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