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Wada-Chefermittler Younger : „Wir brauchen Zugang zum Labor in Moskau“

Immer noch rätselhaft: Wada-Chefermittler Younger fordert Kooperationsbereitschaft der Russen Bild: Picture-Alliance

Günter Younger kämpft als Chefermittler der Wada an vorderster Front gegen Doping. Im Interview spricht er über Drohungen gegen seine Person und die Aussicht auf eine Rückkehr der Russischen Anti-Doping-Agentur in die Weltgemeinschaft.

          Doping-Vertuschung in der russischen Leichtathletik, russisches Staats-Doping von 2011 bis 2015, Ermittlungen gegen den ehemaligen Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbands, Ermittlungen gegen hohe Biathlon-Funktionäre – fast immer, wenn im Sportwesen eine Bombe hochgeht, stecken Ihre Recherchen dahinter. Haben Sie jetzt überall Feinde?

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Ich hoffe nicht. Wenn mir zum Beispiel Athleten im Zusammenhang mit Biathlon sagen, endlich hat mal jemand genauer draufgeschaut und vielen, vielen Dank, dann sind die mir wichtiger als andere, die vielleicht angesichts von Ermittlungen nervös werden. Wir arbeiten nur für die sauberen Athleten, sonst für niemanden.

          Sie betonen, dass Ihre Abteilung „Intelligence and Investigations“ bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) unabhängig arbeitet. Ist das sicher?

          Ich war Polizist beim Bayerischen Landeskriminalamt und bin jetzt freigestellt vom Innenministerium, um der Wada zu helfen, eine Ermittlungsabteilung aufzubauen. Eine Grundvoraussetzung war für mich, dass ich unabhängig agieren kann und mir meine Leute selbst aussuchen darf. Dem ist man nachgekommen. Das bedeutet, jegliche Ermittlungen können wir ohne Einflussnahme von Generaldirektor Olivier Niggli oder Präsident Craig Reedie durchführen. Lediglich die Ergebnisse werden präsentiert, nachdem die Ermittlungen abgeschlossen sind. Wenn wir entscheiden, mit einer Strafverfolgungsbehörde zusammenzuarbeiten, informieren wir das Management darüber, ohne Details preiszugeben. Den Bericht über die Internationale Biathlon-Union, den wir an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben haben, haben nach wie vor weder der Präsident noch der Generaldirektor gesehen.

          Ihre Arbeit hat hochbrisante Folgen. Gab es noch nie Einflussversuche?

          Überhaupt nicht.

          Und Sie haben keine Angst? Etwa vor dem russischen Geheimdienst?

          Wenn Sie über 30 Jahre Polizist sind, lernen Sie, auch damit umzugehen. Viele Drohungen, die ausgesprochen werden, sind dann meistens nur verbale Drohungen. Ich persönlich wurde bisher noch nicht angegangen, seit ich hier bin. Im Gegenteil, wir arbeiten auch mit der Russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada, d. Red.) zusammen, mit deren neuem Team, weil wir sehen wollen, wie effektiv sie sind. Man muss ja irgendwann wieder anfangen, und insbesondere der Generaldirektor scheint sehr vielversprechend zu sein.

          An diesem Donnerstag wird das „Independent Compliance Review Committee“ (CRC) gegenüber der Wada-Exekutive eine Empfehlung abgeben, ob sie die Suspendierung der Russischen Anti-Doping-Agentur aufheben soll. Diese Sperre hat weitreichende Folgen für den russischen Sport, bisher fehlen aber zwei Voraussetzungen: Anerkennung der Ergebnisse des McLaren-Berichts, der staatlich gelenktes Doping belegt. Und Zutritt der Wada zum Moskauer Labor. Ende Mai hat die Wada einen Brief erhalten, in dem die russische Führung erstmals ein Doping-System zugibt, aber staatliche Beteiligung bestreitet. Reicht das trotzdem?

          Ich weiß ja nicht, was das CRC entscheidet, es ist unabhängig. Ich habe den Brief nicht gesehen, was genau drinsteht, weiß ich nicht.

          Sie kennen den Brief nicht? Den hat jeder interessierte Journalist gelesen.

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