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Wada-Chefermittler Younger : „Wir brauchen Zugang zum Labor in Moskau“

„Ich denke, dass irgendwann die Türen aufgemacht werden“: Younger zeigt den Weg auf für eine Rückkehr in den Kreis der Anti-Dopingagenturen

Wären die Informationen nicht genauso wichtig, um Verstöße besser zu belegen?

Genau so ist es. Ich wollte zuerst eine positive Aussage machen. Aber natürlich, wenn wir die Originaldaten hätten, könnten wir die Fälle derjenigen, die bei uns bereits unter großem Verdacht stehen, bestätigen. Wir hätten ein schlüssiges System. Was man derzeit noch kritisieren kann, ist die Beweiskette. Die müssen wir erbringen, weil man sonst immer unterstellen kann, ab einem gewissen Zeitpunkt hätte man die Daten manipulieren können. Wenn ich aber die Originaldaten habe, die laut Experten nicht manipulierbar sind, dann wäre das eine ganz andere Geschichte als das, was wir als Beweise haben.

Glauben Sie daran, dass die Proben und Dateien noch vorhanden sein würden?

Angeblich hat ja die Staatliche Ermittlungskommission (gegen den Überläufer Grigorij Rodtschenkow, d. Red.) das Labor versiegelt und die Daten sichergestellt. Wenn die plötzlich nicht mehr da sein sollten, müssten sie erklären, was damit passiert ist. Ob sie dann manipuliert sind oder nicht, werden wir feststellen, wenn wir dort sind. Das wird relativ einfach festzustellen sein. Es werden immer Spuren hinterlassen.

Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass dieser Tag kommt?

Es gibt eine Roadmap. Unser Präsident und unser Generaldirektor haben das auf der letzten Sitzung noch einmal dargelegt. Diese Roadmap inkludiert, dass wir Zugang zu dem Labor erhalten müssen. Solange diese Forderung nicht erfüllt ist, wird die Rusada nicht für compliant (konform mit den Wada-Anforderungen, d. Red.) erklärt. Das geht zu Lasten der russischen Athleten. Ich denke, dass irgendwann die Türen aufgemacht werden. Was wir dann darin finden, ist die nächste Geschichte. Aber wir werden nicht nachgeben.

Man kriegt den Eindruck, dass innerhalb der Wada, die sich zur Hälfte aus der Sportbewegung und zur anderen Hälfte aus den Regierungen zusammensetzt, ein Tauziehen stattfindet – dass die Vertreter der Sportverbände gerne hätten, dass die Wada einknickt, die politische Seite aber hart bleiben will. Sind Sie sicher, dass die konsequente Haltung gewinnt?

Die Roadmap kann man nicht einfach aufweichen, weil man sagt, irgendwie muss es weitergehen. Das Weitergehen kann relativ einfach passieren, indem eine Seite die Tür aufmacht. Warum macht man das nicht? Am Ende schneidet sich Russland damit ins eigene Fleisch. Die Argumente der Sport-Seite sind, dass es Ermittlungen gibt wie von einer Strafverfolgungsbehörde und wir nicht in einer Position seien, einer Behörde zu sagen, was sie herausgeben müsse. Wenn aber die Kommission nach wie vor ihre Ermittlungen gegen Doktor Rodtschenkow führt, muss sie auch intern die Folgen verantworten, weil nach wie vor die Wada sehr strikt auf die Einhaltung der Roadmap besteht.

Könnten Sie noch nach Russland reisen?

Ich habe nach wie vor den Status, dass dort gegen mich ermittelt wird. Nach dem Bericht der „Independent Commission“ (der im November 2015 Doping-Vertuschung Russlands zusammen mit dem Leichtathletik-Weltverband belegt, d. Red.) habe ich entsprechend Mitteilung bekommen. Ich wurde aufgefordert, alles, was ich darin behauptet habe, zurückzunehmen. Falls ich nach Russland reisen sollte, müsste geklärt sein, dass keine wie auch immer gearteten Maßnahmen gegen mich und mein Team durchgeführt werden.

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