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F.A.S. exklusiv : Schwimmen in trüben Wassern

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Der „Brief an den Präsidenten“

In der Len-Spitze waren weder diese drei Firmen noch die Vereinbarung mit Elevan vor Consolos Schreiben aus dem Dezember anderen als den drei Unterzeichnern bekannt. Auch bei der EBU, die seit 2013 Verträge im Wert von mehr als 13 Millionen Euro für Übertragungsrechte mit der Len geschlossen hat, sei, einem Mailverkehr zwischen Consolo und den Len-Vizepräsidenten Sven van Holst und Christa Thiel zufolge, die Firma mit dem Namen Elevan unbekannt. Es sei Geschäftspraxis der EBU, nicht mit Agenturen zu verhandeln. Auch bei den Verhandlungen zwischen Len und EBU sei keine dritte Partei beteiligt gewesen, die EBU erwarte eine Untersuchung. Christa Thiel, die langjährige Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbands, war wie van Holst den Unterlagen zufolge früh von Consolo ins Vertrauen gezogen worden. Es war Thiel, die Nachfragen an die EBU gestellt und ein Treffen der Len-Exekutive im Januar am Rande der Wasserball-EM in Budapest angeregt hatte.

Gleich hinter der Spitze: Len-Vizepräsidentin Christa Thiel
Gleich hinter der Spitze: Len-Vizepräsidentin Christa Thiel : Bild: dpa

Bei diesem Treffen lösten die Darstellungen Consolos zunächst einen erbosten Aufruf zur Untersuchung der Len-Finanzen von Seiten der anwesenden Vorstandsmitglieder aus. Tags darauf erklärte sich Barelli und teilte den anwesenden Vorstandsmitgliedern nach Angaben von Consolo unter anderem mit, dass die Zahlungen an CIR AUR eine Rückerstattung an ihn seien, nachdem er jahrelang „eine sehr große Summe“ seines eigenen Geldes und der Mittel des italienischen Schwimmverbandes genutzt habe, um die Len in einer finanziell schwierigen Zeit zu unterstützen.

In einem „Brief an den Präsidenten“, den sechs Vorstandsmitglieder anschließend verfassten und unterzeichneten, heißt es, man folge Barellis Darstellungen. Elevan sei an der Neuverhandlung der TV-Rechte beteiligt gewesen. „Die Vereinbarung basierte auf dem erfolgreichen Abschluss eines verbesserten Vertrags. Und es wurde vereinbart, dass das Unternehmen ein Honorar erhalten würde, das auf dem zusätzlichen Betrag der zuvor vereinbarten Bedingungen und auf der Verlängerung des Zeitraums basiert.“Gleichzeitig beschuldigten sie Consolo, die Informationen in seinem Dossier manipuliert zu haben, „um ein schlechtes Licht auf den Präsidenten (...) zu werfen“. CIR AUR habe lediglich dazu gedient, Rechnungen auszustellen, die aus Mietkosten für das Rom-Büro des Len-Präsidenten entstanden seien. „Wir sind extrem zufrieden mit den gelieferten Erklärungen“, heißt es abschließend. „Die Informationen sind offenkundig manipuliert worden, um ein schlechtes Licht auf den Präsidenten (...) zu werfen.“

Christa Thiel unterschrieb den Brief nicht, sie konnte krankheitsbedingt nicht nach Budapest reisen. Sie verweist auf einen noch ausstehenden Bericht externer Prüfer, bis dahin wolle sie sich nicht äußern. Dabei ist nach Informationen der F.A.S. allerdings unklar, ob die Prüfer überhaupt spezifisch das Zahlungsgeflecht überprüfen. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt, in dem die Len in Nyon ihren Sitz hat, bestätigt den Eingang der Unterlagen und äußert sich darüber hinaus nicht dazu.

Bartolo Consolos Fragen beantwortet das alles nicht. „Wenn diese Zahlungen rechtmäßig waren, warum wusste das Präsidium nichts von ihnen oder den Unternehmen?“, sagt er. „Die Führungskräfte erhalten jeden Monat 1000 Euro für ihre Ausgaben und können darüber hinaus Ansprüche geltend machen. Wir haben ein transparentes System eingerichtet. Warum wurde es nicht genutzt?“

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