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Vorolympischer Besuch : Blond in Beijing

  • -Aktualisiert am

Britta Heidemann: Heimvorteil in Peking Bild: Achim Dreis

Ein Meter achtzig groß, blonde Haare, lachende Augen. Und sie spricht chinesisch. Die deutsche Fechterin Britta Heidemann genießt „Heimvorteil“ in der Olympiastadt. Achim Dreis hat sie in Peking begleitet. Die Video-Serie bei FAZ.NET.

          3 Min.

          In ihrer Heimatstadt Köln ist Britta Heidemann nicht unauffällig, an ihrem Traumziel Peking ist sie eine Sensation: ein Meter achtzig groß, blonde Haare, offenes Wesen, lachende Augen. Dazu spricht sie fließend chinesisch.

          Für Fernsehaufnahmen besichtigt die Degenfechterin die olympische Fechthalle. Wohltuend uneitel stapft sie mit Bauhelm und Badeschlappen in den Rohbau, in dem 2008 die Wettbewerbe stattfinden sollen. Der Fahrstuhl funktioniert, sonst nichts. Man hätte vermutet, die Chinesen wären schon weiter. In einem Rollkoffer zieht die Athletin ihre komplette Ausrüstung inklusive Degen hinter sich her. Sie ist gekommen, um die noch nicht vorhandene Planche auszuprobieren. Test-Wettkampf vor Wanderarbeitern. (Peking 2008: Testfechten mit Bauhelm und Badeschlappen).

          „Die Halle der Partei zum Geschenk“

          Alle Maschinen stehen still, als das einstige Playboy-Modell sich ihre Weste überstreift, die Maske aufsetzt, und zwischen Betonwannen und Stahlträgern ein paar Lektionen erteilt. Spiegelfechten ohne Spiegel, und danach zwei Interviews, deutsch und chinesisch: „Ich hab gewonnen“, sagt sie und lacht schallend. Sogar die allgegenwärtigen Aufseher freuen sich.

          China-Fan Heidemann: „Liebe nette Leute”

          Das ist nicht selbstverständlich: Als Britta Heidemann Rikscha-Fahrer über die Olympischen Spiele befragt, unterbinden Polizisten die Unterhaltung. Meinungsumfragen mit Fernsehkameras sind nicht gerne gesehen. (Ein Jahr vor Olympia: „Welcome in Hutong“). Auch das ist China, genau wie die Propagandaplakate an den Olympia-Baustellen, die Heidemann dechiffriert: „Lasst uns aus dem Sportstättenbau einen Wettbewerb machen und die Halle der Partei zum Geschenk.“(Ein Jahr vor Olympia: Staubiger Reis).

          Hilfe für die Taxifahrer

          Trotzdem ist die 24-Jährige China-Fan: „Es wäre mein größter Traum, bei den Olympischen Spielen in Peking teilzunehmen und eine Medaille zu gewinnen“, sagt die für Leverkusen fechtende Kölnerin, die in Peking „Heimvorteil“ anmeldet: Sie war schon ein Dutzend Mal in China. Als 15-Jährige Schülerin verbrachte sie ihr Auslands-Halbjahr nicht in Amerika, „wie alle“, sondern in Peking. Seit 2001 studiert die 1,4er-Abiturientin chinesische Regionalwissenschaften: Sprache, Literatur, Recht und BWL. Wie ihr Bruder Gerrit, der zur Zeit in Schanghai lebt. Klar, eine berufliche Zukunft in der chinesischen Hauptstadt kann sich die Multibegabte vorstellen.

          Dabei sieht sie das turbokapitalistische „neue Peking“ skeptisch: Luftverschmutzung und Wasserknappheit sind Riesenprobleme. Aus einst engen Gassen entstehen sechsspurige Autobahnen. Millionen Menschen müssen umsiedeln, ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen. „Ich erkenne die Wege nicht mehr wieder, auf denen ich mit dem Rad zur Schule gefahren bin“, bedauert sie, als schaue sie ein halbes Jahrhundert zurück. (Ein Jahr vor Olympia: Die Stadt, der Stau und der Smog).

          Hunde werden nur im Süden gegessen

          Trotzdem kann sie jedem Taxifahrer, der in der 13-Millionen-Metropole das Ziel nicht findet, problemlos den Weg weisen. Und das in einem Land, in dem andere Europäer sich an einem Zettelchen festhalten, auf dem in englisch und chinesisch die Hoteladresse notiert ist.

          „Mein China ist das traditionelle China: Liebe, nette Leute, gemütliches Leben und leckeres Essen.“ In einfachen Restaurant bestellt sie zielsicher für den ganzen Tisch mit. Alle Speisen kommen in die Mitte und „jeder isst alles“. Für empfindliche Menschen sei das nichts, gesteht sie zu, beruhigt aber: „Hunde und Katzen werden eher im Süden gegessen.“ Peking liegt im Norden, wie der Name verrät: Beijing heißt „nördliche Stadt.“ (Hund, Katze, Maus: Abenteuer Essen gehen).

          Zur Not als Volunteer zu Olympia

          Für die Chinesen ist Britta Heidemann eine feste Größe, nicht nur wegen Olympia: Im Oktober wird sie Gast bei „Wetten, dass..?“ sein - der chinesischen Variante. Doch bei der Olympia-Nominierung gibt es keinen Sprach-Bonus: nur zwei Plätze stehen für die deutschen Degenfechterinnen zur Verfügung, mindestens drei zählen zur Weltspitze. Und ausgerechnet für Peking wurde der Damendegen-Teamwettbewerb von der Agenda gestrichen. Noch in Athen 2004 hatte Heidemann zusammen mit Imke Duplitzer und Claudia Bokel Silber gewonnen. Diesmal zählt nur das Einzel-Ticket.

          Der Qualifikations-Zyklus mit Weltcup-Turnieren in der ganzen Welt geht noch bis Ende März. Anfang Oktober steht die WM in St. Petersburg auf dem Plan - da muss die EM-Dritte weiter Punkte gut machen, denn momentan ist sie zwar beste Deutsche in der Weltrangliste, aber nur die deutsche Nummer 3 in der Olympiarangliste. Sollte es für sie tatsächlich nicht reichen, tritt Plan B in Kraft: „Dann fahre ich trotzdem nach Peking.“ Zur Not als Volunteer. Die Fechthalle kennt sie ja schon.

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