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DOSB-Präsident in der Kritik : Vorbehalte im Ministerium gegen Hörmann

DOSB-Präsident Alfons Hörmann Bild: Picture-Alliance

Das Verhältnis zwischen dem DOSB mit seinem Präsidenten und dem Bund ist belastet. Dabei geht es nicht nur um eine Olympiabewerbung, sondern auch um Stil und Glaubwürdigkeit von Alfons Hörmann.

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          Als Horst Seehofer 2018 Innenminister geworden war, machte er dem Sport ein Geschenk, besser: Er brachte ihm ein Opfer dar. Er schickte den Abteilungsleiter Sport seines Hauses in den vorzeitigen Ruhestand. Der Rauswurf des ebenso streitbaren wie selbstbewussten Gerhard Böhm wurde in Sport und Politik als Versuch bewertet, das strapazierte Verhältnis zwischen Deutschem Olympischem Sportbund (DOSB) und namentlich dessen Präsidenten Alfons Hörmann auf der einen und dessen Geldgeber, dem Bund, auf der andere Seite zu kitten.

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          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Hörmann, wie Seehofer Bayer und Mitglied der CSU, sah sich in der Folge gezwungen zu versichern, dass Ministerium wie Sportorganisation ihre Zuständigkeiten respektierten und nicht Einfluss auf die Personalpolitik des anderen nähmen. Die Versicherung war notwendig, denn ein Brief Hörmanns an Seehofer war bekanntgeworden, in dem der DOSB-Präsident beim Minister über Hindernisse bei der Reform des Spitzensports klagte: „In der derzeitigen Aufstellung scheint uns eine Umsetzung wie ursprünglich geplant schlichtweg nicht machbar...“

          Die neue Aufstellung scheint nach nicht einmal drei Jahren ebenso belastet zu sein wie die alte. In der vergangenen Woche zitierte der „Spiegel“ aus Akten, in denen Mitarbeiter des Innenministeriums über den DOSB und Hörmann unter anderem schreiben, es bestehe „weiterhin Skepsis in Bezug auf die tatsächliche Bereitschaft, Zusagen einzuhalten“. Was das Nachrichtenmagazin Hörmann und dem DOSB vorwirft, praktisch mit amtlichem Siegel, ist so schwerwiegend für den ersten Lobbyisten des gesellschaftlichen Riesen Sport, dass eine Erwiderung, eine Erklärung dringend geboten scheint.

          Doch auf Fragen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an die Pressestelle des Verbandes antwortete eine Anwaltskanzlei. Zunächst forderte sie für die Beantwortung der dreizehn Fragen drei Tage Zeit. Dann meldete sie sich mit der Nachricht, dass sie gegen den Artikel des „Spiegels“ presserechtlich vorgehen und die Fragen der F.A.Z. nicht beantworten werde. Sie schließe nicht aus, ihrem Mandanten ein Grundsatzgespräch mit der F.A.Z. zu empfehlen.

          Vordergründig geht es bei der Einschätzung Hörmanns durch das Innenministerium um die Frage, ob Deutschland so schnell wie möglich mit der Olympiabewerbung von Rhein-Ruhr startet, um bei der Vergabe der Sommerspiele 2032 im nächsten Jahr im Rennen zu sein. Oder ob das Ministerium vierzehn Monate Arbeit seriös zu Ende bringt. Denn würde jetzt der Startschuss für die Olympiabewerbung fallen, wäre das Engagement eines halben Dutzends Arbeitsgruppen für die Katz, in denen auf Anregung des Ministeriums seit mehr als einem Jahr eine nationale Strategie für die Akquise und Förderung von Sportgroßereignissen entstehen soll; das Innenministerium hat dafür 2,4 Millionen Euro bereitgestellt.

          Es zeichne sich „erneut ab, dass der DOSB beim Prozess Olympiabewerbung unabgestimmt agiert und der Strategieprozess durch den Auswahlprozess überlagert wird“, zitiert der „Spiegel“. Von „bekannten Vorgehensmustern des DOSB“ und insbesondere des Präsidenten sei die Rede. Das Innenministerium bestätigt die Vorbehalte indirekt. Auf die Frage, ob sie die Skepsis im Hause bestätigen könne, antwortet eine Sprecherin trocken: „Derzeit liegt noch keine ,Olympiabewerbung Rhein-Ruhr 2032‘ vor.“ Es handele sich um eine private Initiative.

          Über die Sachfrage hinaus geht es, nicht erst seit der vergangenen Woche, um Stil und Glaubwürdigkeit Hörmanns. Im Herbst gab es (auf der ersten Sitzung der AG „Verantwortung und Strukturen“ für die nationale Strategie) einen Eklat. Laut einem Protokoll, das die F.A.Z.einsehen konnte, muss es auf der Sitzung aus Hörmann herausgebrochen sein. Seinen Verhandlungspartnern warf er unter anderem vor, der Bund wolle ein Kontrollinstrument für den Sport aufbauen, mithin in dessen Autonomie eingreifen. Hörmann beendete die Videokonferenz vorzeitig.

          In der Pressekonferenz nach der Mitgliederversammlung des DOSB im Dezember darauf angesprochen, beschrieb Hörmann den Vorgang als ganz normal: „Dann gibt es auch mal Besprechungen, wo man gemeinsam zum Fazit kommt: Es ist besser, wenn wir uns gemeinsam eine Denk- oder Diskussionspause geben. Genau den Fall hatten wir vor wenigen Wochen. Da ist aber nicht Hörmann raus, sondern wir haben die Besprechung aus Sicht des Sports insgesamt beendet; hat also nichts mit einer personifizierten Konstellation zu tun.“ Seitdem stagniert das Projekt.

          E-Mail-Austausch nach Hörmann-Interview

          Darüber hinaus wurde über einen E-Mail-Austausch berichtet, der begann, als Hörmann im Februar 2020 in einem Interview behauptete, sich „sehr intensiv mit verschiedenen Analysen“ der gescheiterten Olympiabewerbungen von München und Hamburg auseinandergesetzt und das Erbe der Bewerbungen der vergangenen zwei Jahrzehnten systematisch analysiert zu haben. Staatssekretär Markus Kerber aus dem Innenministerium bat darum, die zitierten Informationen mit ihm zu teilen. In einer Akte seines Ministeriums heißt es dazu, dass „P DOSB“, also der Präsident des DOSB, mitteilte, „dass entgegen seiner Darstellung in dem dpa-Interview noch gar keine Vermächtnisanalyse der letzten gescheiterten Bewerbungen vorliege, sondern diese Studie durch den DOSB vielmehr erst in Auftrag gegeben worden sei und frühestens in der zweiten Aprilhälfte d. J. vorliegen werde“.

          Der Rauswurf der Abteilungsleiterin Sport, Beate Lohmann, oder der Staatssekretäre Kerber und Mayer steht acht Monate vor der Bundestagswahl nicht zu erwarten. Warum auch? Er würde allem Anschein nach das Verhältnis zwischen Ministerium und Sportorganisation nicht nachhaltig verbessern.

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