https://www.faz.net/-gtl-7v1x7

Volleyball in Iran : Freiheit für Ghoncheh Ghavami!

  • -Aktualisiert am

Irans Volleyball-Team um Seyed Mohammad Moussavi Eraghi ist derzeit eine echte Attraktion. Bild: AFP

Sie wollte eigentlich nur das Volleyball-Länderspiel der Männer zwischen Iran und Italien sehen - jetzt wird einer Iranerin dafür der Prozess gemacht, nach mehr als einem Vierteljahr Gefangenschaft.

          1 Min.

          Dieser Dienstag ist ein wichtiger Tag. Ganz besonders für Ghoncheh Ghavami, eine 25 Jahre alte Studentin, die seit Juni in Teheran im furchterregenden Evin-Gefängnis sitzt. Nach mehr als einem Vierteljahr Gefangenschaft, nach 41 Tagen in Einzelhaft, nach Verhören, Besuchsverbot und Hungerstreik, wird ihr jetzt der Prozess gemacht. Ihr Vergehen: Zusammen mit anderen Frauen hat sie am 20. Juni vor dem Azadi Stadion gefordert, das Volleyball-Länderspiel der Männer zwischen Iran und Italien ansehen zu dürfen. Doch der Blick auf Männer in Sportkleidung ist Frauen im Iran nicht erlaubt. Vorgeworfen wird ihr „Propaganda gegen das Regime“.

          Ghoncheh Ghavami war erst ein paar Monate im Land, als sie verhaftet wurde. Sie ist in London geboren und ist britische und iranische Staatsbürgerin. Eigentlich war sie nach Teheran gekommen, um Kinder das Lesen zu lehren. Jetzt bringt ihr der Iran die Flötentöne bei.

          Mehr als 500000 Menschen haben inzwischen eine Petition ihres verzweifelten Bruders unterschrieben, der die Freilassung Ghoncheh Ghavamis fordert. Und auch der Volleyball-Weltverband hat reagiert. Der brasilianische Anwalt Ary S. Graça hat dem iranischen Staatspräsidenten Hassan Rouhani einen Brief geschrieben, in dem er ihn bittet, die Inhaftierung der jungen Frau zu überdenken. Graça ist Präsident der Volleyballer, und die Tatsache, dass Frauen verhaftet werden, wenn sie ein Volleyball-Match sehen wollen, fällt deshalb in seine Zuständigkeit. Schließlich sind die Iraner Mitglied im Weltverband – das Volleyballteam ist das beste in ganz Asien, die Spieler genießen Heldenstatus in dem sportbegeisterten Land. Und das Iranische Olympische Komitee gehört zur Olympischen Familie.

          Hingucker: ein iranischer Fan bei der Volleyball-Weltmeisterschaft in Polen

          Zwar hat der Brasilianer damit noch lange keine Macht, direkten Druck auf die iranische Regierung auszuüben, aber zumindest einen indirekten Weg hat er gefunden: Er wäre sehr erfreut, wenn Iran sich für die Volleyball-WM der Männer 2018 bewerben würde, sagte er dieser Tage einer iranischen Nachrichtenagentur. Dafür, ergänzte eine Verbandssprecherin, müsste das Land aber die Werte des Volleyball-Weltverbandes respektieren, zu denen das Recht von Frauen gehört, gleichberechtigt an diesem Sport teilzunehmen. Es mag ein schwacher Aufschlag sein auf einem Spielfeld, auf dem Volleyball-Funktionäre von vornherein unterlegen sind. Trotzdem zeigt der Sport Haltung und lebt seine ethischen Grundlagen. Und vielleicht hilft es doch.

          Topmeldungen

          Wahl in Nordirland : Selbst die Grenze hat eine Stimme

          In Nordirland hilft nur noch Galgenhumor: Die britische Provinz fühlt sich von allen Seiten verkauft. Die bitterste Ironie ist die Zwickmühle, in die Boris Johnson die nordirischen Konservativen gebracht hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.