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Was tun nach der Karriere? : Das könnte die Sportwelt aus dem Fall Ullrich lernen

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Jan Ullrich kämpft mit einigen Problemen nach seiner Karriere. Bild: dpa

In ihren besten Tagen haben erfolgreiche Sportler oft viel Geld, Ruhm und Freunde. Doch nach dem Karriereende stürzen nicht wenige ab. Dabei gibt es Hilfsprojekte, damit genau das nicht passiert.

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          Siege, jahrelanger Ruhm und zahllose Freunde prägen und zieren die Karrieren von erfolgreichen Sportlern, Preisgelder und millionenschwere Werbeverträge ihre jeweiligen Konten. Doch viel schwerer, als im Rampenlicht zu stehen, scheint der Abgang, das Leben danach. Private Probleme, Geldsorgen oder sogar eine vorübergehende Festnahme wie zuletzt beim früheren Radprofi Jan Ullrich dokumentieren oft den tiefen Fall von einstmals gefeierten Helden. Je größer der Ruhm und die gefeierten Erfolge, desto brachialer ist oft der Absturz, wenn es nicht mehr um die sportlichen Fähigkeiten geht.

          Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will dem entgegensteuern und führte 2013 ein Zehn-Punkte-Programm zur Dualen Karriere ein. Doch nicht nur jetzt aktive Sportler können von dem System profitieren, sondern auch frühere Stars, die heute mit Problemen zu kämpfen haben. „Da ist ein Betreuungssystem notwendig, ich glaube, das können wir über die Laufbahnberater und die Sportpsychologen der Olympiastützpunkte leisten. Es gibt oft Schwierigkeiten, von der öffentlichen Bühne des Spitzensports ins normale Leben umzusteigen“, sagte DOSB-Projektleiter Sven Baumgarten der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Für ihn ist klar, dass der DOSB in dieser speziellen Situation helfen kann. „Wenn ein weltbekannter Sportler anfragt, wird er sicherlich nicht weggeschickt“, sagte Baumgarten.

          Beispiele für Probleme bei der Karriere nach der Karriere gibt es einige. Bei dem früheren Tennis-Star Boris Becker wurden private Verfehlungen und seine finanzielle Situation stets öffentlich ausgetragen. „Seit über 30 Jahren lebe ich öffentlich. Dafür zahlt man einen Preis“, sagte der 50 Jahre alte Becker jüngst in einer ARD-Dokumentation. Zwar hat sich der frühere Wimbledon-Sieger in der Tennis-Szene als ehemaliger Trainer von Novak Djokovic und TV-Experte sowie als Chef des deutschen Herren-Tennis längst etabliert, sein Privatleben mit all den Höhen und Tiefen wird aber noch immer in den Boulevard-Medien breitgetreten.

          So geschieht es nun auch mit Ullrich. Nach dem Zwischenfall mit Schauspieler und Nachbar Til Schwieger, der in einer vorübergehenden Festnahme Ullrichs endete, entschuldigte sich der 44 Jahre alte ehemalige Radstar öffentlich. „Die Trennung von Sara und die Ferne zu meinen Kindern, die ich seit Ostern nicht gesehen und kaum gesprochen habe, haben mich sehr mitgenommen. Dadurch habe ich Sachen gemacht und genommen, die ich sehr bereue“, sagte der Tour-de-France-Sieger von 1997 der „Bild“-Zeitung vom Montag.

          Ullrichs Ehefrau Sara war dem Bericht zufolge mit den drei gemeinsamen Söhnen nach Deutschland gezogen. Ullrich kündigte in der „Bild“ mit Blick auf seine Probleme an: „Aus Liebe zu meinen Kindern mache ich jetzt eine Therapie.“ Er bestreite aber, süchtig zu sein, schrieb die Zeitung. Ullrich ließ außerdem offen, um was für eine Art von Therapie genau es sich handelt. Der DOSB will mit seinem Zehn-Punkte-Programm in zukünftigen Fällen schon während der Karriere das Leben danach stärker thematisieren. „Eine Prämisse ist, dass wir sagen: Das Ende der Sportkarriere ist ein Bestandteil der Sportkarriere“, sagte Baumgarten. Detailliert und mit entsprechender Vorbildung soll der Schlussstrich geplant und der direkte Sprung ins weitere Berufsleben ermöglicht werden.

          Für Baumgarten steht fest, dass auch Sportstars mit riesiger Reichweite und Millionengagen schon während ihrer Karriere vorsorgen sollten. „Ich bin der Meinung, dass die Duale Karriere vollkommen unabhängig von der Einnahmenseite funktionieren sollte. Auch ehemalige Topverdiener im Sport suchen völlig zurecht nach einer beruflichen Perspektive“, sagte der DOSB-Projektleiter. Es gehe nach der Karriere nicht nur um eine finanzielle Absicherung, sondern gerade bei Top-Sportlern auch um eine erfüllende berufliche Tätigkeit, erklärte Baumgarten.

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