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Nach dem Prozess gegen Diack : Der Kampf um die Millionen

Der Anwalt von Lamine Diack (Mitte) nannte das Urteil ungerecht und unmenschlich und kündigt Revision an. Bild: AP

World Athletics steht nach der Verurteilung von Lamine Diack Schadenersatz in Millionenhöhe zu. Auch IOC, Wada und Läuferin Christelle Daunay sollen entschädigt werden. Doch Diacks Anwalt kündigt Einspruch an.

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          16 Millionen Euro Schadenersatz stehen dem Leichtathletik-Weltverband (World Athletics/WA) aus dem Strafprozess zu, in dem am Mittwoch der einstige Leichtathletik-Präsident und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Lamine Diack, dessen Sohn Papa Massata Diack und vier weitere verurteilt wurden.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          WA kündigte an, alles zu tun, um das Geld zu erlangen und für die Entwicklung der internationalen Leichtathletik einsetzen zu können. Der Verband schreibt: „Wir wollen allen versichern, dass die Reform, der unser Kongress 2016 zustimmte, dafür sorgt, dass ähnliches Verhalten Einzelner in unserem Sport nie wieder vorkommen kann.“ WA sei finanzieller Schaden und ein großer Ansehensverlust entstanden.

          Der 87 Jahre alte Diack senior, ehemals Bürgermeister der senegalesischen Hauptstadt Dakar und bis zu seinem Rücktritt 2015 sechzehn Jahre lang Präsident des Verbandes, ist zu vier Jahren Haft verurteilt worden, sein Sohn in Abwesenheit zu fünf Jahren. Vater und Sohn sollen den Verband um 15 Millionen Euro betrogen haben.

          Dem IOC sprach das Gericht symbolisch einen Euro Schadenersatz plus 10.000 Euro Rechtskostenerstattung zu, der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada 30.000 Euro. Die französische Marathonläuferin Christelle Daunay, die sich dem Verfahren als Nebenklägerin angeschlossen hatte, weil sie wegen der Zulassung der Russin Lilijana Schubakowa die Teilnahme an den Olympischen Spielen von London 2012 verpasste, soll mit 45.000 Euro entschädigt werden.

          Der Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), Olivier Niggli, behauptet in einer Pressemitteilung, das Verfahren sei durch Informationen einer Whistleblowerin in Gang gekommen, welche die Wada 2015 der Justiz übergeben habe. Er nennt Julija Stepanowa, die russische Informantin, nicht beim Namen und erwähnt nicht, dass sie sich nach jahrelanger Korrespondenz mit der Wada an die ARD wenden musste, damit diese Ende 2014 in einer spektakulären Reportage das systematische Doping in der russischen Leichtathletik öffentlich machen konnte. Die Läuferin und ihre Familie verließen daraufhin ihre Heimat und leben inzwischen unter neuen Namen in den Vereinigten Staaten.

          Der Anwalt von Diack nannte das Urteil ungerecht und unmenschlich und kündigt Revision an. Diack wird wegen seines hohen Alters die Haft wohl nicht antreten müssen, darf aber weiterhin nicht Frankreich verlassen. Im Fall von Korruption bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro und 2020 nach Tokio wird weiterhin gegen ihn und seinen Sohn Papa Massata Diack ermittelt.

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