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Verurteilter Diack in Geldnot : Sammeln für den Paten

Auf der Suche nach Geld für die Ausreise aus Frankreich: Wer hat 500.000 Euro für Lamine Diack? (hier 2014) Bild: Picture-Alliance

Lamine Diack und sein Sohn haben den Leichtathletik-Weltverband um Millionen Euro betrogen sowie russische Athleten und Funktionäre erpresst. Jetzt aber fehlt offenbar das Geld für eine Kaution.

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          Wann macht Lamine Diack den Abflug? Reichlich fünf Jahre stand der einstige Patron der Leichtathletik in Paris unter Hausarrest. Ende Dezember, zehn Wochen nach seiner Verurteilung zu vier Jahren Gefängnis wegen aktiver und passiver Bestechung, Untreue und bandenmäßiger Geldwäsche, erlaubte ihm das Gericht die Ausreise. Das ist menschlich, schließlich soll der 87 Jahre alte Greis noch zu Lebzeiten zu seiner Familie in Dakar zurückkehren.

          Doch immer noch hält sich der Senior, bei fragiler Gesundheit, in Frankreich auf. Der Mann aus Senegal, für den in sechzehn Jahren an der Spitze des Leichtathletik-Weltverbandes ständig eine Hotelsuite mit Meerblick am Verbandssitz Monte Carlo reserviert war und für den stets eine Limousine mit Chauffeur bereitstand, scheint Schwierigkeiten zu haben, die Kaution von 500.000 Euro aufzubringen, die das Gericht ihm auferlegt hat. Schließlich steht ein zweites Verfahren aus, in dem es nicht um Vertuschung von Doping geht, sondern um den Verkauf von Stimmen bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 und 2020 an Rio de Janeiro und Tokio.

          Aufruf für Spenden für Diack

          So klamm ist Diack angeblich, dass der ehemalige Sportjournalist Majib Sène in Senegal zu Spenden aufruft. Er kenne die finanzielle Situation der Familie nicht, behauptet Sène, sondern sehe sich verpflichtet, deren Aufruf zur Solidarität zu folgen. Ihm zur Aufklärung einige Zahlen: Lamine Diack und sein Sohn Papa Massata haben den Verband, dem sie angeblich dienten, um 15 Millionen Euro betrogen. Sie haben russische Athleten und Funktionäre um weitere 3,45 Millionen Euro erpresst. Verdächtige Überweisungen von und auf Konten der Diacks im Volumen von 47 Millionen Euro meldete die Standard Chartered Bank, darunter 1,8 Millionen Euro aus Tokio.

          Das viele Geld wird nicht vollständig bei Diack geblieben sein. Der Mann im traditionellen Boubou galt zeit seiner Mitgliedschaft im Internationalen Olympischen Komitee auch als Makler afrikanischer Interessen und afrikanischer Stimmen. Es wäre nicht überraschend, wenn er und seine Familie ihre einstigen Partner daran erinnern wollten, dass es gerade in deren Interessen liegt, Diack senior bei der Zahlung der Kaution und beim Kauf des Flugtickets großzügig zu unterstützen.

          Mehr als einem Dutzend aktiver und ehemaliger Sportfürsten aus Afrika dürfte es sehr gelegen kommen, wenn bei Eröffnung des Prozesses wegen des Handels mit Stimmen der Hauptangeklagte 4200 Kilometer Luftlinie entfernt ist, in Dakar. Immer noch ist er derjenige, der am meisten weiß über die schmutzigen Deals.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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