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Vereine kritisieren den DOSB : „Sport braucht Menschen“

Dieses Geld dient nach Ansicht der Basis eher der Bezahlung von Berufssportlern als dem Erhalt von Strukturen für die sporttreibende Öffentlichkeit. Selbst die Hilfe einiger Länder ist für Großvereine nicht passend, etwa wenn Niedersachsen im Einzelfall höchstens 25.000 Euro aus seinem Programm von sieben Millionen überweist. Kurz vor Ablauf der Frist hatten deshalb lediglich 47 Vereine zusammen 135.000 Euro beantragt.

Die Politik solle aufgreifen, was Sport und Vereine zu bieten hätten, forderte Schmidt, und ihnen den Betrieb erleichtern. Sport stärke Körper und Psyche, die in der Pandemie nicht allein vom Virus belastet werden. Sport stärke die Widerstandskraft, Sport helfe, mobil zu werden und es im Alter zu bleiben, Sport sei Prävention und Therapie. Schmidt forderte, den organisierten Sport als Ansprechpartner zu bevorzugen, da er, im Gegensatz etwa zum ungeregelten Betrieb an Badestränden und Skateanlagen, mit Abstand und Hygienekonzept stattfinde: „Vereinssportlerinnen und -sportler sind es gewohnt, Regeln einzuhalten.“

Den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) kritisierte Schmidt scharf. „Wir tun uns schwer damit, wenn der DOSB fast jeden Mitarbeiter, der in seiner Zentrale nicht aus Drittmitteln finanziert wird, in Kurzarbeit schickt. In der Zeit, zu der Sport Power braucht, zu der Sport Menschen braucht, die dafür kämpfen, dass es wieder nach vorne geht, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, als Dachorganisation des deutschen Sportes, das halte ich für mehr als problematisch“, rief er unter Applaus. Der DOSB solle sich nicht auf Leistungs- und Profisport konzentrieren, sondern deutlich machen, was die Vereine für die Gesellschaft tun.

Schmidt kritisierte auch die Vakanz auf dem Vorstandsposten für Sportentwicklung. Der DOSB hat den Vertrag von Karin Fehres nicht verlängert. Zusätzlich zur Lähmung durch Kurzarbeit sei dadurch die Abteilung ausgerechnet in der Pandemie führungslos, da es darum gehe, neue Konzepte zu entwickeln, beklagt Schmidt. Er befürchte, dass der Posten nicht neu besetzt werden könnte, um Geld einzusparen. Vereine und Landessportbünde seien darauf angewiesen, dass in dieser schwierigen Phase ihre Dachorganisation stärker sichtbar tätig werde und die Basis des Sports unterstütze.

Die befürchtete Austrittswelle sei in den Vereinen des „Freiburger Kreises“ nicht eingetreten, ließ Schmidt wissen, aber: „Die schwierige Zeit wird noch kommen.“ Problematisch sei das Ausbleiben von Eintritten. Die Krise wirkt auch deshalb als Innovationstreiber: für Buchungssysteme, die Digitalisierung von Managements und Kommunikation, für die Sanierung der vereinseigenen Gebäude. Die TSG Bergedorf schickte auf dem Höhepunkt der Kontaktverbote einen ihrer Trainer mit mobiler Verstärkeranlage vor die Hochhäuser der Nachbarschaft. Mit Musik aus seiner Heimat lockte der aus Brasilien stammende Mann die Mieter auf ihre Balkone und animierte sie zu Sport und Bewegung. Nun hofft die TSG, dass sie dem Coach in den Verein folgen.

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