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IAAF : Unerträgliche Vetternwirtschaft in der Leichtathletikwelt

Gezeichnet: IAAF-Präsident Sebastian Coe vor der Pressekonferenz Bild: Reuters

Der zweite Bericht der Sonderermittler der Wada zum Leichtathletik-Skandal zeigt das Ausmaß der Gier des Diack-Clans, soll aber nur die Spitze des Eisbergs“ sein. Pound spricht sich dennoch für Coe aus.

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          Die Welt-Leichtathletik hat sich über Jahre in der Hand einer kriminellen Bande befunden. Das ist der Befund, den die unabhängige Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping (Wada) im zweiten Teil ihres Berichts kommt, den sie am Donnerstag in einem Hotel in Unterschleißheim bei München der Öffentlichkeit vorstellte. Kopf der Bande war Präsident Lamine Diack, der die IAAF bis August 2015 führte. Diack habe demnach 2011 seinen persönlichen Rechtsberater Habib Cissé mit dem Management der Sanktionen von Blutdoping-Fällen in der russischen Leichtathletik betraut und damit die Erpressung der Athleten unter Beteiligung seiner Söhne Papa Massata und Khalid Diack ermöglicht. Es habe an Governance-Strukturen gefehlt, mit denen sich die Beschäftigten der IAAF hätten wehren können. Der Leiter der Anti-Doping-Abteilung, Gabriel Dollé, wurde bestochen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Richard Pound, Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees und Gründungspräsident der Wada, der die Untersuchung gemeinsam mit dem kanadischen Anwalt und Rechtsprofessor Richard McLaren sowie Günter Younger vom Landeskriminalamt Bayern führte, warf der IAAF unerträglichen Nepotismus und unangemessene Strukturen vor. Er gab sich irritiert von der Haltung des neuen IAAF-Präsidenten Sebastian Coe, dass es sich bei dem Skandal um das Fehlverhalten „einzelner, früher mit der IAAF assoziierter Personen“ handele. Die IAAF müsse endlich anerkennen, dass sie als Verband betroffen sei; Diack sei schließlich vier Mal zum Präsidenten gewählt worden.

          Lob für Coe

          Gleichwohl lobte er Coe, der zu der Pressekonferenz erschienen war, als jemanden, dessen untadeliger Ruf der IAAF helfen könne, ihr lädiertes Ansehen wiederherzustellen. Dass Coe die IAAF führe, sei für diese eine fabelhafte Gelegenheit. Sie müsse ein enormes Defizit an Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, und dabei könne ihr jemand wie Coe nur helfen. Auf die Frage, ob Coe lüge, wenn er behaupte, er habe in acht Jahren als Vizepräsident der IAAF nichts von Manipulationen bemerkt, antwortete Pound: „Ich glaube nicht.“

          Die französische Staatsanwältin Eliane Houlette stellte im Anschluss die Ermittlungen der französischen Justiz gegen Diack, Cissé und Dollé vor. So lange sie nicht verurteilt seien, mahnte sie die Journalisten, hätten sie als unschuldig zu gelten.

          „Im organisatorischen Sinne ist der Skandal nicht so gravierend wie der der Fifa“, sagte Pound. „Aber was uns besorgt, ist, dass Wettkämpfe selbst berührt wurden.“ Vier russische Athleten, die hätten gesperrt werden müssen, nahmen an den Olympischen Spielen 2012 in London teil. Über Konsequenzen wollte er sich nicht auslassen. „Das Verhalten (der IAAF) war nicht gut. Aber sollte der ganze Sport den Preis dafür bezahlen?“

          „LD war verantwortlich für die Organisation und Ermöglichung der Verschwörung und der Korruption, die in der IAAF stattfanden“, heißt es über Lamine Diack in dem Report. „Er sanktionierte und scheint persönliche Kenntnis vom Betrug und von der Erpressung von Athleten gehabt zu haben, welche die informelle, illegitime Führungsstruktur ausführte, die er eingerichtet hatte. Er erklärte sein Tun den hart arbeitenden, aber ziemlich naiv vertrauenden Beschäftigten der IAAF damit, dass seine Hände durch Verabredungen mit Russland und anderen gebunden seien.“

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