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Unabhängige Kommission : „Die Aufarbeitung von Missbrauch ist tabuisiert“

Einsam in der Gemeinschaft: Die Ruderkameraden wussten Bescheid, aber niemand redete darüber. Bild: AP

Es dauert mitunter Jahrzehnte, bis Opfer sich anvertrauen: Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs im Sport ruft deshalb Betroffene auf, von ihren Erfahrungen zu berichten. Ein Beispiel.

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          Er wollte rudern. Ein Freund hatte ihn überredet, sich dem Klub in seiner süddeutschen Kleinstadt anzuschließen. Guido (Name von der Redaktion geändert) fühlte sich gut aufgenommen, fürsorglich betreut vom Ruderwart, dem Trainer. „Er war mein Ansprechpartner, einer, der mir in der Findungsphase im Klub zur Seite stand. Ich war eher der Steuermanntyp, ein Leichtgewicht, nicht einer, der kommt, sich reinsetzt und vorneweg rudert.“

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Im organisierten Sport ist diese Konstellation typisch. Einer kümmert sich, rührend, aufopferungsvoll, immer da, immer ein Ohr für die Sportler, rund um die Uhr. Ohne solche Menschen können Vereine an der Basis kaum überleben. Sie sind abhängig von ihnen, unbezahlbar für kleine Klubs, irgendwann unantastbar. „Er war kein Vaterersatz, aber in dieser Phase gelang es ihm schnell, mein Vertrauen zu gewinnen“, sagt Guido und fügt hinzu: „So entsteht dann Nähe, die anfangs ganz harmlos wirkt, eher sympathisch. Körperkontakt wird im Sport ja auch nicht gleich mit Skepsis betrachtet, sondern als normal empfunden.“

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