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Umstrittene WM-Vergaben : Niersbach zweifelt an Russland und Qatar

Dicke Luft über Doha: Rund um die Fußball-WM 2022 in Qatar bleibt vieles undurchsichtig Bild: dpa

Ratlosigkeit und Resignation: DFB-Präsident Niersbach zweifelt, ob die WM noch mal an Russland vergeben würde – und die Querelen um Qatar nehmen kein Ende.

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          Die Diskussion um mehr Transparenz bei den Korruptionsuntersuchungen des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) rund um die WM-Vergaben an Russland (2018) und Qatar (2022) hat Fahrt aufgenommen. „Aus Sicht des DFB wünschen wir uns nichts mehr als eine zügige Aufklärung und Abwicklung, damit endlich die ganzen Spekulationen und Mutmaßungen beendet werden“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Verbandes (DFB), Wolfgang Niersbach, der F.A.Z. Der eingeschlagene Weg sei alternativlos, dass der Spruchkammervorsitzende der Fifa-Ethikkommission, der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert, die Untersuchungsergebnisse mit größter Sorgfalt bewerte und dann auch klare Entscheidungen treffe. „Ich gehe fest davon aus, dass diese Entscheidungen über die Ethikkommission anschließend öffentlich gemacht werden“, sagte Niersbach.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Fifa-Vorstandsmitglied Theo Zwanziger, Vorgänger von Niersbach als DFB-Präsident, hält gar eine Veröffentlichung des gesamten Untersuchungsberichts für „wünschenswert“, aber glaubt, dass die Regularien des Weltverbandes dies nicht hergäben. Auch Zwanzigers Fifa-Vorstandskollegen Jeffrey Webb (Kaimaninseln), Jim Boyce (Nordirland) und Prinz Ali aus Jordanien fordern ein Öffnen der Akten. Am Mittwoch reagierte auch Eckert, der den vom Fifa-Ermittler Michael Garcia zusammengestellten Report derzeit evaluiert. Er will voraussichtlich Anfang November eine erste öffentliche Stellungnahme abgeben.

          Garcia sieht nun den Fifa-Vorstand in der Pflicht. „Ich finde, dass es jetzt notwendig für das Fifa-Exekutivkomitee ist, eine angemessene Veröffentlichung des Berichts zu autorisieren“, teilte er mit. Bis Freitag kommt in Zürich der Fifa-Vorstand zusammen. Die Tagesordnung deutet nicht darauf hin, dass die heikle Frage diskutiert wird. Der ehemalige Reformbeauftragte der Fifa, Mark Pieth, hatte die Fifa in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufgefordert, den Untersuchungsbericht öffentlich zu machen. „Die Sache ist viel zu heikel und hat eine solche Dimension angenommen, dass in der Öffentlichkeit nicht das Gefühl aufkommen darf, Dinge würden unter den Teppich gekehrt“, sagte der Schweizer Anti-Korruptions-Experte.

          „Wir machen auch kein Finale auf Rügen“

          Der Druck auf die Fifa wächst. Beim Thema, wie mit den umstrittenen WM-Ausrichtern Russland und Qatar umgegangen werden soll, herrschen in weiten Teilen des internationalen Fußballs weiterhin Ratlosigkeit und Frustration. Bei einer Diskussionsrunde der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, an der unter anderem Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) teilnahm, äußerte DFB-Chef Niersbach seine Bedenken über die Vergabe an Russland.

          Auf die Frage, ob nach heutigem Kenntnisstand angesichts des Konflikts mit der Ukraine die WM wieder nach Russland vergeben würde, sagte Niersbach: „Wahrscheinlich nicht.“ Zugleich sprach er sich gegen einen Boykott aus. „Ich bin dagegen, dass eine WM als politisches Druckmittel eingesetzt wird.“ Auf die Frage, ob die umstrittene WM in Qatar trotz aller Bedenken aus seiner Sicht stattfinden werde, sagte Niersbach: „Ja“.

          DFB-Präsident Wolfgang Niersbach

          Dennoch hält der DFB-Präsident ein WM-Turnier in dem kleinen Emirat nicht für sinnvoll. „Wir machen auch kein Pokalfinale auf Rügen“, sagte er. Niersbach bestätigte, dass man nach Gesprächen über einen Ausweichtermin für die Qatar-WM außerhalb des heißen Sommers mit den beteiligten Ligen und Verbänden „ohne Ergebnis“ auseinandergegangen sei. Niersbach, der am Mittwoch erstmals seine Bereitschaft offenbarte, in den Fifa-Vorstand einziehen zu wollen, wenn Zwanzigers Zeit im nächsten Jahr dort endet, glaubt, dass sich diese Diskussion noch hinziehen wird und erst wieder nach der Wahl des Fifa-Präsidenten „aufs Tapet“ kommt.

          Im nächsten Mai will sich der umstrittene Fifa-Regent Joseph Blatter mit 78 Jahren zum fünften Mal an der Spitze des Weltverbands bestätigen lassen. Immer weniger Experten glauben daran, dass den Qatarern die WM tatsächlich von der Fifa weggenommen werden wird. Die politische Brisanz in diesem Fall gilt als unkalkulierbar. Bundestagspräsident Lammert beantwortete die Frage, ob das Turnier denn im Jahr 2022 in dem Golfemirat stattfinden wird, als Einziger in der Berliner Diskussionsrunde mit „nein“. Zumindest der Applaus des Publikums war Lammert sicher.

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