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TV-Sponsoring : Große Sport-Koalition

Finanzier des Sports: Das Fernsehen Bild: dpa

Das TV-Sponsoring soll beim neuen Rundfunkstaatsvertrag eingeschränkt werden. Sportpolitiker appellieren nun an die Ministerpräsidenten der Länder „den virtuellen Tod des Sports in der Mediengesellschaft“ abzuwenden.

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          Die große Koalition des Sports hat in Berlin wieder einmal zusammengefunden. Das war keine Überraschung, riefen doch die Vertreter von Verbänden und öffentlich-rechtlichem Fernsehen am Mittwoch die Mitglieder des Sportausschusses dazu auf, „den virtuellen Tod des Sports in der Mediengesellschaft“, wie der SPD-Abgeordnete Martin Gerster zusammenfasste, abzuwenden. Die Vertreter aller fünf Fraktionen fordern die Ministerpräsidenten der Länder nun einstimmig auf, den Rundfunkstaatsvertrag nicht so zu verändern, dass von der vorgesehenen Einschränkung des Programmsponsorings allein Olympische Spiele, Fußball-Weltmeisterschaften und Fußball-Länderspiele ausgenommen sind. Vielmehr soll fair und gleichberechtigt Werbung die Veranstaltung und Fernsehproduktion von allen national und international bedeutenden Sportereignissen ausnahmsweise auch nach acht und feiertags ermöglichen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Damit gehen die Sportpolitiker des Bundestages die Landesfürsten direkt an, die schon in weniger als vierzehn Tagen einen weiteren Rückzug des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus der Werbung beschließen wollen. Süffisant hatte Ministerpräsident Kurt Beck aus Rheinland-Pfalz in Briefen an den Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, und an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) darauf hingewiesen, dass die Regierungschefs der Länder bereits vor zwei Jahren beschlossen hätten, Programmsponsoring in ARD und ZDF an Werktagen nach zwanzig Uhr und an Sonn- und Feiertagen vollständig zu verbieten. Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB, räumte ein, dass an der vorbereitenden Sitzung damals kein Vertreter des Sports teilgenommen hatte: Die Spitzenfunktionäre waren bei den Olympischen Spielen in Peking, und der Justitiar des Verbandes verletzte sich just am Vortag beim Fußball.

          „Der Sport muss gegen das Ende des Programmsponsorings kämpfen“

          Umso schlimmer sind die Konsequenzen, die nun drohen. Prokop und Hubert Schwarz, Geschäftsführer des Deutschen Ski-Verbandes, malten in düsteren Farben aus, dass Bewerbungen wie um die Mannschafts-Europameisterschaft 2013 und um die Europameisterschaft 2018 in der Leichtathletik sowie Ski-Weltcups in Deutschland generell gefährdet seien. Um die durch die HDTV-Technik steigenden Produktionskosten aufbringen zu können - die Sender tragen sie nicht -, sei der Sport auf Geld aus Sponsoring angewiesen, sagte Prokop. Die olympischen Sportarten hätten keine Alternative zu einer Kooperation mit den öffentlich-rechtlichen Sendern, da ihre Disziplinen außerhalb von ARD und ZDF nicht präsentiert würden. „Der Sport muss gegen das Ende des Programmsponsorings kämpfen“, sagte Prokop.

          Seine Vizepräsidentin Dagmar Freitag wird an diesem Donnerstag Beck und den anderen Ministerpräsidenten schriftlich den Fehdehandschuh hinwerfen. Sie ist im Hauptberuf die Vorsitzende des Sportausschusses. Vesper versprach, auf der Vollversammlung des deutschen Sports am kommenden Wochenende in München die Landessportbünde darauf einzuschwören, in den Landesparlamenten für die Ausweitung der Ausnahmen vom Verbot des Programmsponsorings zu kämpfen.

          Ein Ausrutscher?

          Wie einen Ausrutscher beschrieben Sportfunktionäre und Programmkoordinatoren von ARD und ZDF den Beschluss der Ministerpräsidenten. Wenn durch Programmplanung oder Zeitverschiebung ein wichtiges Sportereignis am Abend stattfinde statt am Nachmittag, dürfte die damit verbundene Werbung künftig nicht gesendet werden. Mehr und mehr sei aber deren Ausstrahlung mit dem Erwerb von Senderechten verbunden. Bei der Fußball-WM der Frauen im kommenden Jahr vermarkte der Internationale Fußballverband (Fifa) Werbezeit und Präsentationsmöglichkeiten; die Sender seien gezwungen, dies zu akzeptieren.

          Thomas Härtel, Staatssekretär in Berlin, wies darauf hin, dass auch für Städte die Akquise von Sportereignissen erschwert werde, wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen die damit einhergehende Werbung einschränke. Auf seine Initiative stimmten die Sportminister der Länder Anfang November einstimmig einer Änderung des Rundfunk-Staatsvertrages im Sinne der olympischen Sportverbände zu. Zwei Drittel der Minister seien von ihren Staatskanzleien vor der Formulierung des Werbeverbots und seiner fußballfreundlichen Ausnahmen gar nicht konsultiert worden, sagte Härtel. Danach offenbar auch nicht.

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