https://www.faz.net/-gtl-9se6y

Türkische Sportler in Amerika : Entweder Jasager – oder Verräter

  • -Aktualisiert am

Drangsaliert von der Türkei: Enes Kanter kann nicht unbesorgt seinem Sport nachgehen. Bild: AP

„Freiheit ist nicht kostenlos“: In den Vereinigten Staaten kämpfen verfolgte türkische Sportstars gegen Erdogan und seine Politik. Das birgt Gefahren.

          4 Min.

          Er mag der derzeit bekannteste Basketballspieler seines Landes sein. Aber der Ruhm ist längst zu einer Last geworden. Anfang des Jahres etwa, als Enes Kanter mit seinem damaligen Klub nach Großbritannien fliegen sollte, zog er es vor, zu Hause zu bleiben. Sicher ist sicher. Denn in seiner Heimat wurde ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt. Einen gültigen türkischen Pass hat er schon länger nicht mehr. Alles nur, weil er mit seinen Ansichten über den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht hinter dem Berg hält. Ihn nannte er den „Hitler unseres Jahrhunderts“. Aus seinen Sympathien für seinen im amerikanischen Exil lebenden Landsmann und Prediger Fethullah Gülen macht er keinen Hehl. Wie weit der Arm des Autokraten aus Ankara reicht, konnte der 27-Jährige vor ein paar Monaten erleben. Da wurde der 2,11 Meter große Center, der seit sieben Jahren von NBA-Klub zu NBA-Klub vagabundiert, von einer Veranstaltung des Islamic Center of Long Island ausgeladen, wo er interessierten Kindern im Alter zwischen sieben und vierzehn Jahren kostenlosen Unterricht in seiner Sportart geben sollte.

          Kanter, der vor Saisonbeginn einen Vertrag bei den Boston Celtics unterschrieben hatte, war bis dahin zu mehr als dreißig solcher Veranstaltungen durch die Vereinigten Staaten getingelt und hatte nirgendwo Probleme erlebt. Doch diesmal mischte sich das türkische Generalkonsulat in New York ein. Von dort aus wurde, sagt Kanter, die muslimische Einrichtung unter Druck gesetzt, wurden „Schläger losgeschickt und Menschen in der Türkei aufgefordert, die Moschee mit Drohanrufen einzudecken“. Er sei am meisten von der Organisation enttäuscht, weil sie nicht die Polizei eingeschaltet, sondern „stattdessen diesem Diktator und seinem Regime nachgegeben“ habe.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.
          Urwüchsig niederbayerisch: Der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger.

          Freie Wähler in Bayern : Ein messerscharfer Partner

          Seit einem Jahr regieren die Freien Wähler an der Seite der CSU in Bayern – ohne Skandale. Dass sich die Truppe so gut in der Koalition schlägt, liegt vor allem an einer Person.
          Während des Sommers 2015 hat es auch viele Flüchtlinge nach Dänemark gezogen. Welche Rolle dabei Sozialtransfers gespielt haben, ist kaum zu ermitteln.

          Princeton-Studie : Sozialleistungen locken Zuwanderer

          Bislang haben wissenschaftliche Untersuchungen nur einen schwachen Effekt von Sozialtransfers auf die Bereitschaft zuzuwandern nachgewiesen. Ein Forscherteam hat es nun am Beispiel Dänemark untersucht und Überraschendes beobachtet.