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Triathlon : Machtkampf zwischen Verbänden und Ironman-Veranstaltern

  • Aktualisiert am

Jan Sibbersen: Sein Brief löste ein Erdbeben aus Bild: FAZ

Eigentlich ist Wettkampfpause. Aber in der deutschen Triathlonszene geht es dennoch drunter und drüber. Aus einem Kleinkrieg zwischen dem Frankfurter Ironman-Veranstalter Kurt Denk und der Deutschen Triathlon-Union hat sich ein Hauen und Stechen entwickelt.

          Eigentlich ist Wettkampfpause. Aber in der deutschen Triathlonszene geht es dennoch drunter und drüber. Aus einem Kleinkrieg zwischen dem Frankfurter Ironman-Veranstalter Kurt Denk und der Deutschen Triathlon-Union (DTU) hat sich ein Hauen und Stechen auf allen Ebenen entwickelt.

          Ausgangspunkt war das "Nikolaustreffen" vor einer Woche, zu dem die DTU die Langstreckenathleten und den Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), Roland Augustin, nach Frankfurt eingeladen hatte. Jan Sibbersen, Harvard-Absolvent und weltbester Schwimmer auf der Ironman-Distanz, wurde zum Athletensprecher gewählt und ein offener Brief verfaßt, in dem die World Triathlon Corporation (WTC) als Veranstalter der Ironman-Rennen aufgefordert wird, den sogenannten Wada-Code der internationalen Anti-Doping-Agentur zu unterzeichnen und ein Trainingskontrollsystem zu schaffen. "Zur Erläuterung", heißt es abschließend an die Adresse des WTC-Präsidenten Ben Fertic, "würde Dr. Augustin, Geschäftsführer der Nada, Ihnen gerne das deutsche Anti-Dopingsystem . . . vorstellen."

          Erhebliche Irritationen

          Dieses Schreiben führte zu einem Erdbeben im deutschen Triathlon und sorgte auch international für erhebliche Irritationen. Denk, Ironman-Veranstalter und Intimus der WTC-Führung, warf der DTU vor, die Athleten mit falschen Informationen für eigene Zwecke und gegen die Ironman-Serie instrumentalisiert zu haben. Die WTC, erklärte er, brauche keine Nachhilfe aus Deutschland, die Erklärung der Athleten sei ein Affront gegenüber der Ironman-Serie. Die WTC habe den Wada-Code bereits im Juni 2005 unterschrieben, die Installierung eines umfassenden Trainingskontrollsystems sowie eines internationalen Kontrollkaders für Ironman-Profis werde spätestens in zwei Jahren abgeschlossen sein.

          Normann Stadler, Hawaii-Sieger von 2004, saß beim Nikolaustreffen mit am Tisch, zu den Verfassern des Briefes gehörte er nicht. DTU-Präsident Müller-Ott und Augustin hätten "mehrfach wiederholt, die WTC würde den Wada-Code nicht akzeptieren", erinnert sich Stadler. Die DTU habe "bewußt falsche Informationen an die Athleten abgegeben", sagt Denk, "um andere, die erfolgreich sind, den Ironman, mit instrumentalisierten Athleten zu diskreditieren". Erschrocken ruderten die Athleten zurück, Sibbersen trat nach nicht einmal 24 Stunden als Athletensprecher zurück. Er werde sich "nicht vor einen Karren spannen lassen, der keine Räder hat". An seiner Stelle versuchte Triathlon-Urgestein Olaf Sabatschus die Wogen zu glätten. Nach einigen Recherchen räumte er ein, daß die von der WTC gegründete Global Tri Group (GTG) den Wada-Code in vollem Umfang anerkannt habe. Die GTG soll, so die Ankündigung der WTC, für das künftige Anti-DopingProgramm zuständig sein.

          Viele Facetten

          Der eskalierende Streit zwischen Denk und der DTU hat viele Facetten. Im vergangenen Monat hatte Denk den Vertrag mit dem Verband fristlos gekündigt. Die DTU hatte bislang beim Frankfurter Ironman die Dopingkontrollen organisiert und die Kampfrichter gestellt, beides wollen Denk und die WTC selbst in die Hand nehmen. Hintergrund ist auch der Machtkampf auf internationaler Ebene zwischen der privatwirtschaftlich organisierten WTC und dem internationalen Triathlonverband ITU. Auf ihrem Kongreß im September hatte die ITU beschlossen, Ironman-Veranstaltungen nicht mehr zu genehmigen - für Denk der Anlaß, den Vertrag mit der DTU zu kündigen.

          In Deutschland wird der Kampf zwischen Verband und Ironman von Denk und der DTU ausgetragen - mit harten Bandagen. Der Verband berichtete auf seiner Internetseite nach dem Frankfurter Nikolaustreffen: "Die Athleten waren sich einig, daß nur durch ein gemeinsames Engagement von Verbänden, Veranstaltern und den Anti-Doping-Organisationen wirkungsvolle Ergebnisse erzielt werden könnten. Durch das auch vom deutschen Ironman-Veranstalter Kurt Denk forcierte Auseinanderdriften der privatwirtschaftlichen Ironman-Veranstalter und der Verbände sei dieser gemeinsame Anti-Doping-Kampf gefährdet." Diese Zeilen empörten Denk. Wenn dies den Tatsachen entspreche, sagte er, wenn die Athleten dieser Meinung seien, hätten einige ein "vertragsrelevantes Problem", wenn sie auch in Zukunft mit dem Ironman Geld verdienen wollten.

          Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft

          Die Athleten sollten bedenken, riet Denk, "wo sie ihr tägliches Brot verdienen". Zum Beispiel beim Frankfurter Ironman, der 2006 mit 100.000 Dollar dotiert ist. Normann Stadler hat sich entschieden. "Mein Geldgeber ist die WTC", sagt er. "Die DTU versucht, auf den Zug aufzuspringen, aber das wird nie funktionieren mit dem Verband und der Langstrecke." Für weitere Gespräche mit der DTU stehe er nicht mehr zur Verfügung. "Die DTU versucht, Pflöcke zwischen uns und der WTC einzurammen, aber ich lasse mich nicht vor ihren Karren spannen."

          Zu einem weiteren Eklat kam es am Dienstag morgen. Nach einer Anzeige durchsuchte die Staatsanwaltschaft Kassel die Räume des Internet-Triathlon-Portals www.3athlon.de in Kassel und beschlagnahmte einen Computer. Das in der Szene einflußreiche verbandskritische Portal gilt als publizistisches Gegengewicht zum DTU-Organ "Triathlon". Das Ermittlungsverfahren wurde wegen "Ausspähens von Daten" eingeleitet. Es bestehe der Verdacht, sagte ein Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft, daß sich der Betreiber von www.3athlon.de unbefugt Daten verschafft habe. Es soll sich dabei um vertrauliche Daten der DTU über einen angeblichen Dopingfall handeln.

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