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DOSB-Vorstandschef Burmester : Trittsicher in der Politik, gut in der Verwaltung

Neuer Vorstandsvorsitzender des DOSB: Torsten Burmester (links) bei den Paralympics in Tokio Bild: picture alliance/dpa

Torsten Burmester, einst an der Seite von Kanzler Schröder, muss den Deutschen Olympischen Sportbund neu ausrichten. Er wird als „Glückstreffer“ gelobt. Seine Aufgabe hat auch eine persönliche Dimension.

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          Am 17. Januar 2005 lautete eine Meldung im Sportteil der F.A.Z.: „Kanzler schickt seinen persönlichen Referenten in den Sport“. Siebzehn Jahre nach dem Wechsel aus dem Büro von Gerhard Schröder in die Sportabteilung des Bundesinnenministeriums wird Torsten Burmester im Februar die hauptamtliche Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) übernehmen. Der neue Vorstandsvorsitzende des Dachverbandes mit Sitz in Frankfurt am Main, 58 Jahre alt und Familienvater, war damals genauso wenig neu im Sport, wie er es heute ist.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Von der D-Jugend an stand er 35 Jahre lang – eine ganz spezielle Charakterschule – im Handballtor und spielte in seiner Heimatstadt Köln, im Bergischen Land und in der Eifel in der Regionalliga. Er ist studierter Sportwissenschaftler. Und weil er auch in Berlin, selbst während er den Kanzlerkandidaten Schröder in der legendären „Kampa“ durch den siegreichen Wahlkampf 1998 begleitete, ehrenamtlich engagiert war im Handballverband sowie beim Zweitligaklub Füchse Berlin, kann Bob Hanning, Füchse-Manager und ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, nun kommentieren: „Torsten Burmester hat die Dinge immer sehr, sehr zielstrebig verfolgt. Für den DOSB ist er ein Glückstreffer.“

          Burmester ist trittsicher im politischen Berlin, zu Hause im Sport und erfahren in der Verwaltung. Elf Jahre lang war er als Abteilungsleiter in verschiedenen Ministerien Nordrhein-Westfalens mit Haushalts- und Personalfragen befasst. Kenntnisse, Kontakte und diplomatische Fähigkeiten wird er brauchen, wenn er den neuen DOSB-Präsidenten Thomas Weikert dabei unterstützt, Porzellan zu kitten, das dessen Vorgänger Alfons Hörmann im Umgang mit Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zerschlagen hat. Mit hochrangigen Ansprechpartnern im Kanzleramt wie im Bundesinnenministerium ist er seit Jahrzehnten bekannt.

          Für den Neubeginn nach der Pandemie, hoffentlich schon in diesem Sommer, wird Burmester den Dachverband DOSB, dessen Kern der olympische Sport ist, der aber auch knapp 90.000 Sportvereine vertritt, neu ausrichten müssen. Mit Programmen, Offensiven und Ideen gilt es, gesellschaftliche Distanz und Abstand zum Sport an der Basis und in der Politik zu überwinden.

          Der Sport als soziale Heimat

          Als Generalsekretär des Deutschen Behindertensportverbandes, zu dem ihn vor zwei Jahren dessen Präsident Friedhelm Julius Beucher, ehemaliger Vorsitzender des Sportausschusses des Bundestages und begnadeter Strippenzieher, aus dem Wirtschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen holte, erlebte Burmester, wie in der Pandemie Klubs zugrunde gingen und der Verband 15 Prozent seiner Mitglieder verlor. Defizite in der Bindung zu den Vereinen, bei der Digitalisierung und in der Wertschätzung in der politischen Arena, zumal auf Bundesebene, gilt es nun zu beheben.

          Torsten Burmester dürfte dies ein besonderes Anliegen sein. Der Sport bietet für ihn Menschen eine soziale Heimat. Wenn er in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit einer Bildungsoffensive spricht, hat das auch eine persönliche Dimension. Abitur und Studium ermöglichte ihm, Sohn einer Putzfrau und eines Arbeiters in einem Kölner Krankenhaus, das Bafög, die Ausbildungsförderung für Schüler und Studenten, welche die Regierung Willy Brandt 1971 einführte. Die Ähnlichkeit zum Aufstieg des Gerhard Schröder aus ärmsten Verhältnissen liegt auf der Hand. Burmester macht kein Geheimnis daraus, dass ihn die Herkunft geprägt hat. Und dass er 1982, mit siebzehn, Mitglied der SPD wurde.

          Vorrang vor dem Besuch der Olympischen Winterspiele von Peking, die am 4. Februar beginnen, wird für den neuen Vorstandsvorsitzenden des DOSB die Arbeit in der Zentrale in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise haben. Die deutsche Mannschaft erwartet ihn, ihren ehemaligen Generalsekretär, erst zu den Paralympics in China.

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