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Fifa : Mandelas Freund als Blatter-Nachfolger?

Könnte Sexwale (rechts) tatsächlich der Nachfolger von Blatter werden? Bild: Picture-Alliance

Ein charismatischer Redner mit imposanter Biographie – der Südafrikaner Tokyo Sexwale könnte die Alternativ-Figur an der Fifa-Spitze sein. Sollte er antreten, könnte er dem Favoriten Michel Platini gefährlich werden.

          Ist der Fußball-Weltverband Fifa doch noch zu retten? Während Nochpräsident Joseph Blatter die Öffentlichkeit mit kryptischen Sprüchen nervt und Kandidat Michel Platini glaubt, seinen angeschlagenen Ruf durch Pomadigkeit überspielen zu können, bringt sich in aller Stille ein Mann mit echten Chancen in Position: Der Südafrikaner Mosima Gabriel „Tokyo“ Sexwale. Vergangene Woche hat der 62 Jahre alte ehemalige Freiheitskämpfer zumindest nicht ausgeschlossen, dass er sich für das Amt des Fifa-Präsidenten bewerben könnte. „Ich werde mich zu gegebener Zeit sehr, sehr klar entscheiden“, sagte er bei einer telefonischen Pressekonferenz, wo es eigentlich um andere Fragen ging. Sexwale, seit Juni Vorsitzender einer Fifa-Arbeitsgruppe, die das Verhältnis der Fußballverbände Israels und Palästinas befrieden soll, erläuterte die ersten kleinen Schritte einer schwierigen Annäherung.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Neben Platini, dem französischen Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa), haben bereits der koreanische Industrielle und ehemalige Fifa-Vizepräsident Chung Mong-joon, der ehemalige brasilianische Nationalspieler Zico und der liberianische Verbandspräsident Musa Bility ihre Ambitionen öffentlich gemacht. Platini werden dabei bisher die besten Chancen eingeräumt. Sexwale allerdings - ausgesprochen wie „Seghwale“ - könnte ein wirklich starker Gegenspieler Platinis werden. Mit den 54 Stimmen der afrikanischen Konföderation könnte er wohl rechnen. Sollten sich zum Beispiel einige große Sponsoren, die an einer von außen kommenden Fifa-Führung interessiert sind, für den Südafrikaner starkmachen und einen Stimmen-Akkumulator wie den kuweitischen Scheich Ahmad al Sabah überzeugen, könnte Platinis Erfolgsrechnung ins Wanken geraten. Die Fifa hat 209 wahlberechtigte Mitgliedsländer. Bis 26. Oktober, vier Monate vor dem Wahlkongress am 26. Februar in Zürich, muss eine Kandidatur offiziell gemacht werden.

          Ein Mann mit einer imposanten Biographie

          In Sexwale sehen einige Reformkräfte offenbar die weltweit respektierte Alternativ-Figur, nach der sie suchen. „Herr Sexwale“, hatte ein Sprecher schon Anfang August der Nachrichtenagentur Reuters gemailt, „wurde von mehreren hochrangigen Persönlichkeiten der Fußball-Gemeinschaft, darunter auch Leuten aus dem privaten Sektor, gebeten, seinen Namen als Kandidat für die Fifa-Präsidentschaft ins Spiel zu bringen.“

          Die Biographie des charismatischen Redners ist imposant: Der Südafrikaner war ein enger Freund Nelson Mandelas, mit dem er gemeinsam 13 Jahre lang auf Robben Island in Haft saß. Nach dem Ende der Apartheid war er bis 1998 Politiker - unter anderem Premierminister der Provinz Gauteng. Er steht also für ein starkes Bekenntnis zur Integration. Danach startete er eine Karriere als Geschäftsmann, vor allem in der Diamanten-Industrie, und kehrte 2009 bis 2013 noch einmal als Minister für Siedlungswesen in die Regierung zurück.

          Ein charismatischer Redner mit imposanter Biographie

          Sexwale war seit März 2013 Mitglied der Fifa-Arbeitsgruppe gegen Rassismus, deren einstiger Präsident Jeffrey Webb allerdings jetzt in Haft sitzt. Die Arbeitsgruppe hat Ende vergangenen Jahres ihre Tätigkeit beendet. Er lancierte anlässlich der WM 2006 in Deutschland die Kampagne gegen Rassismus und gründete im Juni 2014 die Initiative „Global Watch“, die Rassismus im gesamten Sport überwacht. Ob mit seinen Tätigkeiten die Anforderung erfüllt ist, in den vergangenen fünf Jahren zwei Jahre offizielle Arbeit für die Fifa geleistet zu haben, wird das Ad-hoc-Wahlkomitee entscheiden müssen.

          Die Fifa-Probleme jedenfalls haben auch schon Sexwale erreicht. Seit die amerikanische Staatsanwaltschaft und die Schweizer Behörden wegen Verdachts auf Betrug, Geldwäsche, Verschwörung und weitere Straftaten gegen Fifa-Offizielle ermitteln, ist die Ansteckungsgefahr enorm - auch Sexwale musste schon unangenehme Fragen nach seiner Rolle in einem mutmaßlichen Korruptionsfall beantworten. Er steht im Zusammenhang mit der WM-Vergabe 2010, die Südafrika gewann.

          In der amerikanischen Anklageschrift ist von zwei Südafrikanern die Rede: „Mitverschwörer Nummer 15“ und „Nummer 16“ waren beide Mitglieder der WM-Bewerbungen Südafrikas für 2006 und 2010 und gehörten dem lokalen Organisationskomitee an - wie Sexwale. Bei dem Vorwurf geht es um 10 Millionen Dollar, die von der südafrikanischen Regierung an den korrupten Fifa-Vize Jack Warner aus Trinidad und Tobago überwiesen wurden, angeblich, um mit seiner Hilfe die Fußball-Entwicklung der afrikanischen Diaspora in der Karibik zu fördern. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich in Wahrheit um Bestechungsgeld handelte - womöglich sogar auf Vermittlung der Afrika-freundlichen Fifa-Spitze.

          Von dem Afrika-Korrespondenten der BBC befragt, sagte Sexwale, er finde die Vorwürfe „besorgniserregend“. Er selbst stellte in dem Gespräch die Behauptung in Frage, es habe sich um eine simple Spende gehandelt. „Wo sind die Dokumente?“, fragte er. „Wo sind die Quittungen, wo sind die Budgets, wo sind die realen Projekte?“ Und fuhr fort: „Wenn es die nicht gibt, ist wohl die Interpretation des FBI die richtige.“ Das Land also als Opfer? Sexwale betonte, er wisse nichts von Korruption und sei auch nicht darin verwickelt. Ein Satz, der auch aus dem traurigen Standardrepertoire traditioneller Fifa-Funktionäre stammen könnte. Und der die fatale Verstricktheit des Weltfußballs noch einmal auf den Punkt bringt.

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