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Tischtennis-Streit : Gäbs Ende als Schreckensszenario

  • -Aktualisiert am

Hans Wilhelm Gäb: Durch Kompetenz und Kontakte wertvoll für den DTTB Bild: picture-alliance / dpa

Wie viel Hans Wilhelm Gäb und Walter Gründahl trennt, läßt sich bei der Tischtennis-EM an ihren Sitzpositionen ablesen. Längst liegt den verfeindeten Funktionären nichts mehr an einer direkten Konfrontation. Aus ihrem Streit ist ein Sezessionskrieg zwischen zwei Lagern geworden.

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          Wie viel Hans Wilhelm Gäb und Walter Gründahl trennt, ließ sich in Aarhus schon an ihren Sitzpositionen ablesen. Bei den Europameisterschaftsspielen der deutschen Damen- und Herrennationalmannschaft in der dänischen Hafenstadt saß der Ehrenpräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) auf der einen Tribünenseite und der Präsident auf der anderen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Spötter hatten schon gefragt, ob in Europa überhaupt eine Halle groß genug sein könnte, um beiden gleichzeitig Platz zu bieten. Das „Atletion“ in Aarhus genügte dem Anspruch vollkommen, sich aus dem Weg gehen zu können. Längst liegt den beiden verfeindeten Funktionären (siehe F.A.Z. vom 17. März) nichts mehr an einer direkten Konfrontation.

          Aus ihrem persönlichen Streit ist ein Sezessionskrieg zwischen zwei Lagern geworden. Dabei scheint es so, als wäre Ehrenpräsident Gäb nach wie vor der Kopf, hinter dem sich seine Truppen scharen, während der DTTB-Präsident für seine angeblich vielen Freunde nur noch die Galionsfigur abgibt.

          Sitz auf Lebenszeit

          Gäb steht nicht zur Wiederwahl, er hat Sitz und Stimme im Präsidium auf Lebenszeit. Gründahls Tage im Amt sind dagegen gezählt. Spätestens am 12. Juni wird der Kieler Anwalt und Notar sein Amt aufgeben, vielleicht aber auch schon früher. Denn als letzte Offensive in den Kampfhandlungen forderte der Präsident des Südwestdeutschen Tischtennis-Verbandes, Erich Clemens, am 26. März Gründahl zum sofortigen Rücktritt auf und beantragte die Einberufung einer Außerordentlichen Bundeshauptversammlung zum frühest möglichen Termin, spätestens aber am 10. Juni, zwei Tage vor den Wahlen zum neuen DTTB-Präsidium.

          Einziger Tagesordnungspunkt: „Aufklärung ungeklärter Zahlungsvorgänge durch die Tischtennis Marketing Gesellschaft (TMG) an den Präsidenten des DTTB Walter Gründahl“. Aufklärung und Gründahls Rücktritt hatte schon am 14. März Hermann Leinenbach, Präsident des saarländischen Landesverbandes (Mitglied des Regionalverbandes Südwest) öffentlich verlangt.

          Es kehrt keine Ruhe ein

          Die Auffrischung dieses Falles zerstört die Hoffnung, daß in absehbarer Zeit Ruhe in den DTTB einkehren könnte. Im Gegenteil, die Ordentliche Bundeshauptversammlung am 11. und 12. Juni droht zu einer selbstzerstörerischen Schlacht zu werden. Auf der einen Seite die Gäb-Fraktion im Präsidium, auf der anderen Seite die gegen Gäb eingestellten Landesverbände.

          Ihnen hatte Präsident Gründahl vor einem Jahr eine Stimme verliehen, als er dem Ehrenpräsidenten schriftlich unterstellte, zu viel Macht und Einfluß an sich gerissen zu haben. Außerdem forderte er Gäb auf, immer zu sagen, in welcher seiner vielen Eigenschaften (Boll-Berater, Sponsorvertreter) er auf Präsidiumssitzungen gerade argumentiere und abstimme, weil ihm dies nicht anzusehen sei. Dies faßte Gäb als indirekten Korruptionsvorwurf auf.

          Kampf mit der Lichtgestalt

          Von da an wandte sich der frühere Spitzenmanager von General Motors mit jener Stringenz gegen Gründahl, mit der er sich sonst für das deutsche Tischtennis einsetzt. Durch Kompetenz, Kontakte und seinen hervorragenden Leumund war und ist Gäb für den DTTB in vielen Fällen wertvoll.

          Im Kampf mit dieser Lichtgestalt mußte Gründahl unterliegen, der sich während seiner Amtszeit durch einige Versäumnisse angreifbar gemacht hat. Der Vorwurf, mit Hilfe des DTTB-Schatzmeisters Klaus Maier 1994 und 1995 überhöhte Beraterhonorare erhalten zu haben, ist schwierig zu bewerten. Gründahl fällt es jedoch schwer, die Rechtmäßigkeit der Überweisungen zu belegen.

          Gäb dagegen konnte alle Gegenangriffe abweisen. Nach Aktenlage blieb von allen Anschuldigungen nur übrig, daß der Ehrenpräsident die Gefühle Gründahls und einiger anderer Funktionäre verletzte. Beratungsresistent, dominant und selbstherrlich sei der frühere Nationalspieler - damit begründeten einige Landesverbände ihre Rücktrittsforderung gegenüber Gäb. Ob dieses Mißtrauensvotum auf konkreten Vergehen fußt, wird gerade geprüft.

          Spaltung wird nicht kleiner

          Die diffusen Emotionen gegen Gäb werden auf jeden übertragen, der sich verdächtig macht, sein Freund zu sein. Auch Gründahls designiertem Nachfolger Thomas Weikert verweigern mittlerweile einige Landesverbände die Gefolgschaft, obwohl ihn sogar Gründahl für einen guten Mann hält. Die Begründung: Weikerts zu große Neutralität. Mittlerweile positioniert sich der jetzige DTTB-Justitiar: „Ich werde auf den Rat von Hans Wilhelm Gäb zurückgreifen, falls ich gewählt werde.“ Es sei unsinnig auf dessen Persönlichkeit und Kompetenz zu verzichten.

          Mit dieser Aussage wird die Spaltung im Verband nicht kleiner. Weikert glaubt dennoch, gewählt zu werden: „Weil keine Sachargumente gegen mich vorgebracht werden.“ Er setzt auf die Vernunft der Delegierten. Oder wiegen verletzte Gefühle doch schwerer?

          Ein Szenario ist, daß die Gäb feindlich gesinnten Landesverbände die Wahl jedes Gäb-Freundes ins Präsidium blockieren und so den Rücktritt des Ehrenpräsidenten provozieren. Gäbs Ende im Tischtennis nannten in einem anonymen Schreiben zehn Mitgliedsverbände als Ziel. Ihre 129 Stimmen auf der Bundesversammlung bedeuteten die absolute Mehrheit. Andere Sportverbände wären froh, einen wie Gäb in ihren Reihen zu haben.

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