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Corona-Krise und Handball : Warum überhaupt einen Meister?

  • -Aktualisiert am

Auch dem Handball macht die Corona-Krise schwer zu schaffen. Bild: Imago

Sollte die Saison in der Handball-Bundesliga abgebrochen werden, ist der THW Kiel Titelträger. Grundlage ist ein Rechtsgutachten eines Sportrechtlers. Das gefällt nicht jedem. Und dann ist da noch eine andere heikle Frage zu klären.

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          In der fußballbegeisterten Sportwelt gäbe es für folgende Entscheidung sicher viel Beifall: Sollte die Saison in der Premier League morgen abgebrochen werden, wird der FC Liverpool zum Meister erklärt. Jürgen Klopps Mannschaft hat 25 Punkte mehr als Pep Guardiolas Manchester City – in zehn Spielen kaum aufzuholen. Die Größe des Fußballgeschäfts wird wahrscheinlich zu einem Sonderweg führen, der Spiele ohne Zuschauer, aber vor Fernsehkameras zulässt und insofern einen Saisonabbruch verhindert.

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          Im Handball steht dieser unmittelbar bevor; schon an diesem Dienstag könnte er verkündet werden. Kommt eine Dreiviertelmehrheit der 36 Profiklubs zustande, endet die Saison. Deutscher Handballmeister 2019/20 soll dann gemäß eines Präsidiumsbeschlusses des Ligaverbandes HBL der Tabellenführer THW Kiel werden. Grundlage dafür ist ein Rechtsgutachten eines Sportrechtlers.

          Der THW Kiel hat 44:8 Punkte, die SG Flensburg-Handewitt als Zweite 42:12 Punkte. Der Tabellendritte SC Magdeburg kommt auf 39:15 Punkte. Den Kielern fehlen acht Spiele, unter anderem die in Flensburg und gegen die Magdeburger. Im Falle des Abbruchs soll es eine Quotiententabelle geben: Punkte durch Spiele. Auch in dieser steht der THW vorn und ist somit in den Augen der Mehrzahl der acht Präsidiumsmitglieder der logische Meister. Muss die SG Flensburg die Meisterschale also bald nach Kiel liefern?

          Nicht jeder will der Logik der HBL folgen. Warum muss eine abgebrochene Saison überhaupt einen Meister haben? Die Kollegen vom Eishockey beendeten ihre Spielzeit ohne Titelträger. Und warum entscheidet sich die HBL gegen Absteiger aus der ersten Liga, aber für einen Meister? In Kiel wehrt sich natürlich niemand gegen den Titel. „Es wäre eine schöne Anerkennung für unsere Leistungen in dieser Saison“, sagt Geschäftsführer Viktor Szilagyi.

          In Flensburg beißt man auf die Zähne: „Natürlich hätte im Endspurt noch vieles passieren können, aber aufgrund dieser Krisensituation werden wir nicht weiter darüber lamentieren. Die Meisterschaft hat in Anbetracht der Gesamtsituation ohnehin an Wert verloren. Wichtig ist, dass es eine faire und vernünftige Rangliste gibt. Deswegen halte ich die Quotienten-Regelung nach dem letzten gespielten Spieltag für richtig“, sagt Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

          Doch so wie in Magdeburg mancher glaubt, die Flensburger noch überholen zu können, um Rang zwei und die Champions League zu erreichen, finden in Flensburg mindestens ebenso viele, dass der Vorsprung des THW keineswegs uneinholbar ist. Zur Erinnerung: Die vergangenen vier Meisterschaften wurden am letzten Spieltag entschieden. Eine heikle Aufgabe wird die HBL ohnehin noch erledigen müssen. Wie verfährt man mit der Meister-Schale? Wäre ein neutraler, einmalig vergebener Pokal vielleicht die angemessenere Trophäe in dieser außergewöhnlichen Saison? Selten steckte in der Übergabe der Meisterschale so viel Brisanz. Und zwar nicht nur, weil das Publikum in der Kieler Sparkassen-Arena fehlen wird.

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