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Mehrheit für Thomas Weikert : Ein Mann des Ausgleichs als DOSB-Präsident

  • -Aktualisiert am

Thomas Weikert ist der neue Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Bild: dpa

Mit großer Mehrheit setzt sich Thomas Weikert bei der Wahl zum DOSB-Präsidenten gegen Claudia Bokel durch und wird Nachfolger von Alfons Hörmann. Für Weikert gibt es einiges zu tun.

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          Thomas Weikert ist mit großer Mehrheit zum Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gewählt worden. Der Jurist aus Hessen setzte sich am Samstag bei der Mitgliederversammlung des Dachverbandes in Weimar gegen Claudia Bokel, Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes, durch. Weikert erhielt in geheimer Abstimmung 361 der 417 möglichen Stimmen der anwesenden Delegierten.

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          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das entspricht einer Zustimmung von 86,6 Prozent. Seine Gegenkandidatin erhielt 56 Voten. Die zur Versammlung zugeschaltete Claudia Bokel gratulierte dem neuen, ehrenamtlichen Chef des DOSB. Weikert zeigte sich gerührt: „Ich bin ein bisschen überwältigt, man wir nicht alle Tage DOSB-Präsident. Herzlichen Dank. Nachdem es viel Streit gab, auch zuletzt, ist es mein Anliegen, dass wir jetzt gut zusammenarbeiten (…). Packen wir es jetzt gemeinsam an.“

          Der frühere Präsident des deutschen und des internationalen Tischtennis-Verbandes ist für ein Jahr gewählt. Im Dezember 2022 wird er sich wieder dem Votum stellen müssen. Die Neuwahl vor Ablauf der Amtsperiode war notwendig geworden, nachdem die Ethik-Kommission des DOSB im Zuge ihrer Untersuchung der anonymen und offenen Kritik am Führungsstil von Weikerts Vorgänger Alfons Hörmann mit Blick auf die „Gesamtatmosphäre“ eine Vertrauenswahl empfohlen hatte. Hörmann verzichtete auf eine abermalige Kandidatur. Dem Präsenztreffen des DOSB am Samstag blieb der vor Wochen an Corona erkrankte Allgäuer auf „ärztlichem Rat“ fern.

          Wunschpräsidium für Weikert

          Weikert beginnt seine erste Amtszeit mit einem Wunschpräsidium. Zumindest hatte er drei Frauen in seinem Schattenkabinett für die fünf Vizepräsidentenposten in der F.A.Z. benannt, die alle zum Zuge kamen: Miriam Welte, die Olympiasiegerin im Bahnradfahren und Vizepräsidentin des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, erhielt 377 Stimmen. Verena Bentele, die Präsidenten des VdK und frühere Paralympikerin 352, auch die Kinderärztin Kerstin Holze (Vorstand Stiftung Kinderturnen/349) gehört zum Team. Wohl auch zur eigenen Überraschung wurde Oliver Stegemann (Präsident Sportakrobatik/228) mit einem überzeugenden Resultat gewählt.

          Für Stephan Mayer, bis Mittwoch noch Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium mit der Zuständigkeit unter anderem für den Sport, votierten 257 Wahlberechtigte. Mayer (CSU) darf seine Arbeit noch nicht aufnehmen, weil die neue Bundesregierung noch entscheiden muss, ob ihm eine  Karenzzeit im Sinne des Ministergesetztes auferlegt wird. Der Bundestagsabgeordnete sieht dafür unter anderem mit Blick auf seine ehrenamtliche, unentgeltliche Arbeit im DOSB keinen Grund. Er verwies auf die Bedeutung der Karenzzeit für ehemalige Regierungsmitglieder, die in die Wirtschaft wechselten.

          Kritik an Mayers Antritt äußerte der Präsident des Landessportbundes Berlin, Thomas Härtel. „Ich stelle mir die Frage, ob das der richtige Zeitpunkt ist, aus der unmittelbaren Verantwortung aus der Politik für den Sport in den DOSB zu wechseln.“ Er halte Mayer für geeignet, aber er halte auch sehr viel von Compliance-Regeln und deshalb den Zeitpunkt für nicht angemessen. Die Delegierten schon. Nach ihrem Wunsch gehören auch qua Amt Stefan Raid (Vorsitzender der Deutschen Sportjugend) und als Vertreterin von Athleten Deutschland die Marathonläuferin Fabienne Königsstein dem Präsidium an.

          Bei allem Neuanfang wehte doch Hörmanns Geist durch die Wandelgänge der Weimarhalle. In einem Abschiedsbrief an die Verbände „bedauerte“ er zwar, dass der DOSB zuletzt „kein positives Bild in der Öffentlichkeit gezeichnet“ habe. „Für diese Entwicklung übernehme ich selbstverständlich auch meinen Teil der Verantwortung.“ Aber Hörmann kündigte, wie sein Vertreter in Weimar, Kaweh Niroomand in der Begrüßungsrede, eine „lückenlose Aufklärung“ an, eine „Erläuterung der Hintergründe“.

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