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Thomas Bach : Finte und kerzengerader Ausfall

  • -Aktualisiert am

Einer der mächtigsten Männer des Weltsports: Thomas Bach Bild: dpa/dpaweb

Einst eigenwilliger Fechter, heute strategischer Sportpolitiker - Thomas Bach wird am Samstag in Frankfurt zum mächtigsten Mann des deutschen Sports gewählt. Ein Porträt des designierten DOSG-Präsidenten von Evi Simeoni.

          Als Thomas Bach zum ersten Mal zum Fechten gebracht wurde, hat er geweint. Der Junge wollte lieber Fußball spielen. "Damals war ich fünf oder sechs Jahre alt", erzählt er. Seine Eltern versicherten ihm, er brauche ja nicht wirklich zu fechten. Die Gymnastik, die man als Anfänger in diesem Sport betreibe, sei gut für seine Körperschulung, die ihm wiederum beim Fußball zugute käme. "Sie sagten, da ist so ein agiler junger Mann, da gehst du jetzt hin."

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Niemand konnte ahnen, welche Erfolgsgeschichte damals begann, an jenem tränenreichen Tag, als der kleine Thomas Bach zum blutjungen und mitreißenden Emil Beck in die Tauberbischofsheimer Fechtschule kam. "Es gab noch ein paar Ausreißversuche", sagt Bach. Zurück zum Fußball. Dann zum Tennis. Doch schon die Finanzen zwangen den sportverrückten Jungen zurück zum Fechtklub vor der Haustür des elterlichen Textilgeschäfts. So führte sein Weg ihn über die Körperschulung unweigerlich auf die Planche, dort in die Weltspitze und zum Mannschafts-Olympiasieg auf Florett.

          Der Kleinste, aber Eloquenteste der Gold-Equipe

          Von der Fechtbahn wurde er in die Sportpolitik katapultiert, mitten hinein in den Kampf gegen den Olympiaboykott 1980. Von dort ins Internationale Olympische Komitee (IOC), erst als Athlet und später als festes Mitglied, schon früh in die ersten Kommissionen, in die Exekutive. Einflußreiche Männer haben seinen Weg begleitet und geebnet. Jetzt, am Samstag, geht der 52 Jahre alte Thomas Bach das nächste Stück alleine: Er wird in Frankfurt zum mächtigsten Mann des deutschen Sports gewählt, zum Gründungspräsidenten des von ihm forcierten Deutschen Olympischen Sportbundes (siehe auch: Hintergrund: So funktioniert der DOSB).

          Es ist dreißig Jahre her, daß Bruno Moravetz für die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus Montreal von einem "klugen Jurastudenten" namens Bach berichtete. Vom Kleinsten, aber Eloquentesten in der Gold-Equipe, einem 22jährigen Fechter mit eigenwilligem Stil, der drei seiner vier Gefechte gegen Italien gewonnen hatte, doch im Moment des Olympiasiegs erst einmal einen strategischen Kommentar abgab: "Wir sind eine Mannschaft." Damit wollte er die Gräben zwischen dem erfolgreichen Fechtzentrum Bonn und den Newcomern aus Tauberbischofsheim überbrücken. "Dieses Ansinnen wurde von beiden Seiten nicht unbedingt goutiert", sagt Bach heute.

          „Die Karriere findet im Beruf statt“

          An jenem Montag in Kanada, als alle gemeinsam jubelten, Thomas Bach, seine Mannschaftskollegen Matthias Behr, Harald Hein und Klaus Reichert, die Trainer Emil Beck und Maitre Jean Coibion, steckte er mitten in einer Spezialausbildung, die Thomas Bach im Lauf der Jahre durchlief, und die ihn wie einen elitären Zeitungsvolontär durch die Fächer Sport, Politik, Wirtschaft, Kultur und einen gigantischen Reiseteil führte. Ein langfristiger Plan für einen Weg an die Spitze des Weltsports? Kaum zeichnet sich ein deutliches Bild von ihm ab, stellt Thomas Bach es eilig wieder unscharf: "Da steckt kein Plan dahinter", sagt er. "Ich war eben einfach immer ein neugieriger Mensch."

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