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Sommermärchen-Affäre : Theo Zwanziger verliert vor Gericht

Die Klage von Theo Zwanziger ist gescheitert. Bild: dpa

Theo Zwanziger wollte ein Schmerzensgeld erstreiten, weil in den Steuerermittlungen des WM-Skandals ständig Interna an die Öffentlichkeit kommen. Doch der frühere DFB-Präsident kassierte vor Gericht eine Niederlage – und einige klare Worte.

          Theo Zwanziger, der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ist in erster Instanz mit seinem Anspruch gescheitert, vom Land Hessen 25000 Euro Schmerzensgeld zu erhalten. Die 4. Zivilkammer des Frankfurter Landgerichts wies die Klage am Mittwoch ab. Zwanziger erwägt, in Berufung zu gehen. Der 71-jährige promovierte Jurist und frühere Richter sieht sich durch die unter anderem gegen ihn gerichteten Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Ebenfalls beschuldigt werden sein Nachfolger als DFB-Präsident, Wolfgang Niersbach, sowie der ehemalige Generalsekretär des Verbands, Horst R. Schmidt.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Frankfurter Staatsanwaltschaft prüft, weshalb der DFB im Zusammenhang mit der Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland 6,7 Millionen Euro an den Weltverband Fifa zahlte. Offiziell wurde die Summe als Beitrag für eine WM-Gala verbucht, die aber nicht stattfand. Diese Summe war womöglich zuvor über den WM-Organisationschef Franz Beckenbauer an einen früheren Fifa-Funktionär aus Qatar geflossen. Beckenbauer hatte über diese Summe einen Kredit des ehemaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus erhalten. Es gibt Vermutungen, dabei habe es sich um verdeckte Schmiergeldzahlungen gehandelt. Dies wäre jedoch verjährt, so dass für die Staatsanwaltschaft lediglich der Verdacht der Steuerhinterziehung bleibt. Der DFB hatte den Betrag als Betriebsausgaben geltend gemacht.

          Zwanziger, der seiner Darstellung nach die entsprechende Steuererklärung nicht unterschrieb, hält das Verfahren gegen sich für willkürlich. Sein Anwalt sagte vor Gericht, Zwanziger sei damals davon ausgegangen, die Zahlung an die Fifa sei tatsächlich für das Kulturprogramm während der WM gedacht gewesen. Die Zivilkammer ließ die Frage offen und entschied, die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens auch gegen Zwanziger und die Durchsuchung seien zumindest vertretbar gewesen, auch gegen ihn liege der Anfangsverdacht einer Steuerhinterziehung vor. Ob sich die Vorwürfe bewahrheiteten, könne ein Zivilgericht nicht entscheiden. Der Richter kritisierte, dass Details der Ermittlungen an Medien gelangten, ein Anspruch auf Amtshaftungsansprüche ergebe sich daraus aber nicht. (Aktenzeichen Landgericht Frankfurt 2-04 O 328/16)

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