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Im F.A.Z.-Gespräch: Theo Zwanziger : „So darf der Fußball nicht rollen“

„Wer war denn zum Trainingslager in Qatar?“: Theo Zwanziger meint die Netzwerke zu kennen Bild: dpa

Qatar, der Fall Hoeneß und die Korruption bei der Fifa - Theo Zwanziger hält dem deutschen Fußball im F.A.Z.-Interview den Spiegel vor: „Wer soll jetzt noch glauben, dass die Deutschen sauber sind?“

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          Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger sieht den Deutschen Fußball-Bund (DFB) durch die Steueraffäre von Bayern-Präsident Uli Hoeneß in Kampf gegen Korruption im internationalen Fußball geschwächt. „Zunächst einmal wird dieser Vorgang uns international zurückwerfen“, sagte Zwanziger in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wer kann denn in Asien, Afrika oder in den anderen Konföderationen jetzt noch ernsthaft glauben, dass die Deutschen sauber sind?“

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Zwanziger, der für den DFB im Exekutivkomitee des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) sitzt, kritisierte in scharfer Form die Methoden von Qatar, dem Ausrichter der Fußball-WM 2022. „Der unendliche Reichtum dieses kleinen Landes Qatar breitet sich fast wie ein Krebsgeschwür über den Fußball und den Sport aus. Ich bin ja selbst hin und wieder angesprochen und eingeladen worden. Dieses kleine Land nutzt seine wirtschaftliche Stärke, um Einfluss zu nehmen auf Entscheidungen in der Politik und im Sport“, sagte Zwanziger.

          „Wer macht denn sein Trainingslager in Qatar?“

          Der ehemalige DFB-Präsident kritisierte auch die Verantwortlichen in der Bundesliga in ihrer Haltung zu der umstrittenen WM-Vergabe. „Ich wundere mich jetzt schon wieder sehr, wie sich überall im Fußball mit dieser Entscheidung abgefunden wird. Plötzlich wird davon gesprochen, dass man die WM in Qatar auch im Winter machen könnte. An diesem Plan wird gearbeitet, aber die Ausschreibungsbedingungen waren andere. Auch in Deutschland wird schon über eine Verschiebung des Spielkalenders diskutiert. Da frage ich mich: Wer macht denn in der Bundesliga seine Trainingslager in Qatar? Auch international muss man sich mal ansehen, wer alles schon dort war. Das wäre eine eigene Untersuchung wert. So bildet man Netzwerke, schafft Freundschaften“, sagte Zwanziger. Bayern München hielt dieses Jahr sein drittes Trainingslager in Qatar ab, auch Schalke 04 bezog dort diesen Winter Quartier.

          Zwanziger übte auch Kritik am Deutschen Fußball-Bund und seinem Nachfolger Wolfgang Niersbach in der Aufarbeitung der Fifa-Vergangenheit. „Warum hat der DFB keinen Antrag auf Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft für Havelange auf dem Fifa-Kongress gestellt? Ein solcher Antrag wäre glaubhaft. Ich hätte mir gewünscht, dass der DFB ihn stellt“, sagte Zwanziger.  DFB-Präsident Niersbach hatte zuletzt in diesem Zusammenhang „absolute Glaubwürdigkeit“ im Umgang mit den betroffenen Funktionären verlangt. „Glaubwürdigkeit erlangt man dadurch, dass Wort und Tat in Einklang sind“, sagte Zwanziger an die Adresse seines Nachfolgers.

          Zwanziger, in der Fifa auch Leiter der „Task Force Statuten“, lobte  den Reformprozess im internationalen Verband, die Maßnahmen der Ethikkommission zeigten Erfolge. „Es sind doch schon sieben oder acht Mitglieder der Fifa-Exekutive ausgewechselt worden. Dass Blatter nicht dabei ist, mag manche Leute ärgern. Es ist aber auch ein Zeichen dafür, dass er besser und integrer ist als sein Ruf in Deutschland“, sagte Zwanziger. „Wenn ich mir das Papier ansehe, das ich 2011 noch als Beschlussfassung des DFB-Präsidiums gemacht habe, und nun vergleiche mit dem, was wir seitdem bei der Fifa gemacht haben, dann sind wir sehr weit gekommen. Das Glas ist mehr als halbvoll.“

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