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Kommentar : Wo die Krankheit entstand

  • -Aktualisiert am

Siegessicher: Theo Zwanziger vor Gericht in Düsseldorf Bild: Reuters

Theo Zwanziger wird seinen Rechtsstreit mit Qatar wohl gewinnen. Doch mit der Qatar-Affäre haben die unsauberen Geschäfte im Fußball nicht begonnen. Deren Ursprung könnte am Ende sogar in Deutschland liegen.

          Der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, wird seinen Rechtsstreit mit Qatar wohl gewinnen. Zumindest lässt sich das aus den Andeutungen der Richter nach der mündlichen Verhandlung am Dienstag in Köln schließen. „Qatar ein Krebsgeschwür des Weltfußballs“: Zwanziger wird das wohl weiter behaupten dürfen.

          Er tat es in den vergangenen Jahren mit Blick auf die Macht des Geldes, die möglicherweise korrupte Vergabe der WM 2022 in das Emirat und die Misshandlung von Arbeitern beim Stadionbau, es gab viele Tote. Für die Diskussion über die teils katastrophale Organisation des Welt-Fußballs ist das Recht der freien Meinungsäußerung von elementarer Bedeutung. Weil die Bedingungen angeprangert werden müssen, lautstark, auch mitunter übertrieben und zugespitzt.

          Denn der Fußball ist so abgehärtet und widerstandsfähig, dass allenfalls lautstarke Provokationen von bekannten Personen zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung, vielleicht sogar zu guten Konsequenzen führen. Es ist wichtig, dass Menschen den Mund aufmachen.

          Zwanziger muss wissen, wo der Quell des Ungemachs zu suchen ist

          Aber das heißt nicht, dass alles, was sie sagen, korrekt ist. Auch das wurde vor Gericht eindeutig festgestellt. Zwanzigers Behauptung, mit der Qatar-Affäre hätten die unsauberen Geschäfte im Fußball erst begonnen, zeugt von einer grotesken Verklärung der Vergangenheit. Das hat vorerst gar nichts mit der Klärung der Frage zu tun, welche Rolle der Jurist bei der WM-Affäre des DFB spielte. Ob er, wie es zuletzt im Verband unter Hinweis auf Aktenfunde hieß, die Finger im Spiel hatte, als 2005 eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro unter dem Vorwand einer getürkten Kulturleistung an den Fußball-Weltverband gezahlt wurde.

          Zwanziger weist diesen Vorwurf empört von sich. Selbst als Insider des nationalen wie des internationalen Fußballs mag er zwar von Betrügereien nichts gewusst haben. Aber spätestens seit Veröffentlichung des Bestechungsskandals 2007 rund um die frühere Vermarktungsagentur ISL muss auch Zwanziger wissen, wo der Quell des Ungemachs zu suchen ist. Bei genauer Betrachtung der sporthistorischen Entwicklung könnte er über die Schweiz und den Sitz der Fifa sogar dort landen, wo sich vielleicht demnächst der Kreis mit der Aufarbeitung der DFB-Affäre wieder schließen lässt: in Deutschland, wo einst bei Adidas und seinen Mitspielern die Idee, Geschäft und Sportpolitik im ganz großem Stil zu verknüpfen, entstand. Wenn Qatar ein Krebsgeschwür ist, dann hat die erste Zellteilung hier stattgefunden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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